Pandemie
Pas de panique: Diesen Ländern Europas geht es so gut wie nie seit Ausbruch der Pandemie

Weihnachtsstimmung statt Lockdown, Partylaune statt Impfzwang: Vor allem südeuropäische Staaten haben derzeit kaum Grund zum klagen. Sie haben alle etwas gemeinsam.

Emilio Rappold, dpa, Stefan Brändle, Paris
Drucken
Teilen
Weit weg von den dramatischen Szenen des vergangenen Winters: Im spanischen Vigo bewundern die Menschen die Weihnachtsbeleuchtung.

Weit weg von den dramatischen Szenen des vergangenen Winters: Im spanischen Vigo bewundern die Menschen die Weihnachtsbeleuchtung.

Lockdown und Impfpflicht ab Februar in Österreich, verschärfte Massnahmen in Deutschland, 40'000 Demonstrierende in Wien, brennende Autos in Rotterdam, aggressive Proteste in Belgien: Die negativen Schlagzeilen über den Start in den zweiten Pandemie-Winter haben das Wochenende geprägt. Dabei vergisst manch einer fast, dass weite Teile Europas so gut dastehen wie schon lange nicht mehr.

Spanien zum Beispiel. Impfquote: 80 Prozent. Einschränkungen: wenige. Stimmung: sehr gut. Der «bevorstehende Triumph» gegen die Pandemie sei «ein Erfolg der Regierung und der gesamten spanischen Gesellschaft», rief Ministerpräsident Pedro Sánchez dieser Tage in der Touristenhochburg Benidorm. Bereits im Frühling werde das Virus endgültig besiegt sein, prophezeite der Regierungschef.

Sowohl Spanien als auch Portugal (Impfquote 87 Prozent) sind derzeit wahre Corona-Oasen in Europa. Die Neuinfektionen nehmen zwar leicht zu. Die Lage in den Krankenhäusern ist aber überall entspannt. Auch in Spanien sind nur 3,6 Prozent aller Krankenhaus- und rund 13 Prozent aller Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt. Eine Verschärfung der Massnahmen oder gar eine Impfpflicht stehen bei den Iberern daher gar nicht zur Debatte.

Sieht grad gut aus für ihn: Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sanchez.

Sieht grad gut aus für ihn: Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sanchez.

AP

Die Impfgegner sind in Madrid und Barcelona, in Lissabon und Porto in der Öffentlichkeit kaum präsent. «Wenn ich im Fernsehen die Kundgebungen der Verschwörungstheoretiker in Deutschland, England und anderen Ländern sehe, bin ich sehr stolz auf meine Landsleute», sagte eine Wirtin der Deutschen Presse-Agentur in Lissabon.

Franzosen reissen sich um den Booster

«Pas mal» ist die Situation derzeit auch im Nachbarland Frankreich, Impfquote 75 Prozent. Damit das so bleibt und Paris von der vierten Welle verschont bleibt, lässt Emmanuel Macron jedoch Vorsicht walten. Letzte Woche erklärte der Präsident, die über 50-Jährigen – und ab Mitte Dezember auch alle anderen – müssten sich ein drittes Mal impfen. Andernfalls werde ihr Impfpass deaktiviert.

Solche Ankündigungen verfehlen im obrigkeitshörigen Land die Wirkung nicht: Binnen Stunden schrieben sich auf der Plattform Doctolib über 100'000 Franzosen für eine Booster-Impfung ein. Bereits im Sommer waren Millionen in die Impfzentren geströmt, als Macron eine faktische Impfpflicht angeordnet hatte. Das Pflegepersonal wird ebenfalls mit Nachdruck zur Impfung angehalten: Etliche Krankenschwestern ohne Zertifikat sind schon suspendiert und mit Lohneinbussen bestraft worden.

Vorsichtig bleibt auch das südliche Nachbarland Italien, das als erste Nation Europas im Oktober eine flächendeckende 3G-Pflicht am Arbeitsplatz für alle Angestellten eingeführt hatte.

Von einem Notstand, wie ihn das Land am Anfang der Pandemie erlebt hatte, ist das Belpaese aber meilenweit entfernt. Die norditalienische Region Lombardei hat Deutschland jüngst sogar die Aufnahme von Corona-Intensivpatienten angeboten. Das teilte Letizia Moratti, die Vizepräsidentin der Regionalregierung und Assessorin für Gesundheit, am Freitag mit.

Rückblickend auf die deutsche Hilfe für Italien im Frühjahr 2020 «halte ich es für angemessen und unsere Pflicht, Deutschland heute anzubieten, Patienten in unseren Krankenhäusern aufzunehmen, Einrichtungen und Intensivbehandlungen zur Verfügung zu stellen», sagte Moratti.

Aktuelle Nachrichten