Trump will Panzer am Unabhängigkeitstag

Schon lange wünscht sich Präsident Donald Trump eine Militärparade in der amerikanischen Hauptstadt. Nun erfüllt sich sein Traum wenigstens teilweise.

Renzo Ruf, Washington
Drucken
Teilen
Die zwei M1A1-Abrams-Panzer wurden am Dienstag mit dem Zug nach Washington gebracht. Bild: AP

Die zwei M1A1-Abrams-Panzer wurden am Dienstag mit dem Zug nach Washington gebracht. Bild: AP

Sie sehen recht unscheinbar aus, die vier Panzer der US-Streitkräfte, die am Dienstag auf einem Abstellgleis eines Rangierbahnhofs am Rande von Washington auf ihren weiteren Einsatz warten. Morgen aber, am amerikanischen Nationalfeiertag, sollen die vier Schützenpanzer – zwei Exemplare der Bauart M1A1 Abrams und zwei Exemplare des Typus Bradley Fighting Vehicles – eine zentrale Rolle während des traditionellen Volksfestes in der Hauptstadt spielen.

Dafür verantwortlich ist indirekt Emmanuel Macron. Der französische Präsident war es, der vor zwei Jahren Donald Trump nach Paris einlud, damit sich dieser am 14. Juli die traditionelle Militärparade anschauen konnte. Macron setzte mit diesem Manöver seinem amerikanischen Amtskollegen einen Floh ins Ohr – und Trump trägt sich seither mit dem Gedanken, die geballte Schlagkraft der amerikanischen Streitkräfte in Washington zur Schau zu stellen. Ein erster Versuch, diese Pläne umzusetzen, scheiterte im vorigen Jahr am Widerstand des Verteidigungsministeriums und der Washingtoner Stadtbehörden. Trump aber gab nicht auf. Nun wird er am diesjährigen Nationalfeiertag die Rolle des Zeremonienmeisters spielen, die ihm auf den Leib geschrieben ist.

Bewohner kritisieren Sicherheitsvorkehrungen

Konkret heisst das: Erstmals seit Menschengedenken wird am Abend des 4. Juli ein amerikanischer Präsident eine Ansprache auf der National Mall halten – der grosszügig gestalteten Parkanlage im Zentrum von Washington, auf der am Nationalfeiertag jeweils Zehntausende junger und alter Menschen ein Volksfest feiern und Feuerwerke bestaunen.

Trumps Rede trägt den Arbeitstitel «A Salute to America», eine Ehrenbezeugung an Amerika, und gemäss den gewöhnlich gut informierten Hauptstadtmedien wird Trump vor allem über den Erfolg seiner Regierung und die Streitkräfte sprechen – schliesslich hält er sich zu Gute, dass sein Budget für die fünf Teilstreitkräfte Army, Marine Corps, Navy, Air Force und Coast Guard sämtliche Rekorde sprengt. (Faktencheck: Dies stimmt nicht.) Dazu passt, dass sich die uniformierten Mitglieder des Vereinigten Generalstabes neben Trump auf der Rednerbühne aufbauen werden. Und dass am frühen Abend die «Blue Angels» der Navy, das amerikanische Pendant zur «Patrouille Suisse», ihre atemberaubenden Manöver demonstrieren und spezielle Flugzeuge wie «Air Force One» und der Tarnkappenbomber B-2 über die National Mall fliegen werden. Zu diesem Zweck muss der nahe liegende Flughafen Ronald Reagan National Airport rund 90 Minuten lang seinen Betrieb einstellen.

Nicht wenigen Bewohnern des Grossraums Washington stösst diese Instrumentalisierung des Nationalfeiertages sauer auf. Sie kritisieren, dass die Sicherheitsvorkehrungen es Normalsterblichen verunmöglichen würden, das halbstündige Feuerwerk zu bestaunen. Auch wird bemängelt, dass am Lincoln-Memorial eine Tribüne für VIPs aufgebaut wurde – und selbst am Dienstag, zwei Tage vor Beginn der Festivitäten, niemand im Weissen Haus so recht wusste, wer denn eigentlich Zutritt zu diesem VIP-Bereich erhalten werde. Der demokratische Abgeordnete Don Beyer, der die Bewohner von Vororten Washingtons im nationalen Repräsentantenhaus vertritt, sprach auf dem Kurznachrichtendienst Twitter von «einem Spektakel», dass ihn an Festivitäten in Nordkorea erinnere. Am 4. Juli werde die Ratifizierung der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1776 gefeiert, «nicht Trumps Ego», sagte Beyer.

Panzer werden nur ausgestellt

Immerhin, ein kleines Zugeständnis musste der Präsident machen. Die vier Panzer, die auf seinen Wunsch hin auf Güterwagen in die Hauptstadt transportiert wurden, werden nicht auf einer Prachtallee im Zentrum Washingtons paradieren – weil diese Strassen nicht für Fahrzeuge gebaut wurden, die gegen 60 Tonnen wiegen. Stattdessen würden die Panzer auf der National Mall «ausgestellt», wie Trump sagte.

Dies wird das Lokalparlament der Hauptstadt zufrieden stellen, das schon lange die Devise ausgab: «Tanks, but no tanks» – ein drolliges Wortspiel mit den Begriffen «Thanks» (Danke) und «Tanks» (Panzer).