Jorge Mario Bergoglio
Papst Franziskus: Der stille Jesuit – und Fussball-Fan

Mit Jorge Mario Bergoglio kommt zum ersten Mal ein Papst aus Lateinamerika. Bereits beim letzten Konklave 2005 war der Jesuit der stärkste Kontrahent Joseph Ratzingers gewesen. Der Argentinier ist ausserdem begeisterter Fussball-Fan.

Merken
Drucken
Teilen
Bilder zum neuen Papst Jorge Mario Bergoglio
7 Bilder
Der alte und der neue Papst: Am 13. Januar 2007 trafen sich Benedikt XVI. sowie der neue Papst Franziskus I., Jorge Mario Bergoglio, zu einem Gespräch
Bergoglio verlässt am 11. März 2013 die Synode im Vatikan
Bergoglio ebenfalls beim Verlassen der Synode im Vatikan am 07. März 2013
Jorge Bergoglio geniesst im Jahr 2009 als Kardinal in Argentinien ein Bad in der Menge
Jorge Mario Bergoglio im Jahr 2000 als Kardinal
Papst Jorge Mario Bergoglio vor einem Monat in der Heimat in Buenos Aires, Argentinien

Bilder zum neuen Papst Jorge Mario Bergoglio

Keystone

Mit 76 Jahren und seiner etwas gebrechlichen Gesundheit ging er in die neue Papstwahl eher als Aussenseiter unter den Favoriten. Er wird oft auch "Kardinal der Armen" genannt.

Franziskus, der Fussball-Fan

Die Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst hat in Argentinien auch die Fussball-Fans begeistert. "Maradona, Messi... und jetzt Jorge Mario Bergoglio", titelte die Sportzeitung Olé am Mittwoch in ihrer Online-Ausgabe. Franziskus I. gilt in seiner Heimat als großer Anhänger des zehnmaligen Meisters San Lorenzo. Die Zeitung El Grafico nannte ihn am Mittwoch gar einen "fanatico" und zeigte ein Foto des Erzbischofs von Buenos Aires mit San-Lorenzo-Wimpel in der Hand.

Zum 100. Geburtstag des Klubs im Jahr 2008 hatte Bergoglio, der häufig bei Spielen des Vereins im Stadion war, die Ehrenmitgliedschaft erhalten. Sein Vater spielte zudem für die Basketball-Abteilung von San Lorenzo.

Olé überschrieb ein Foto des Papstes auf dem Balkon des Petersdoms, auf dem er dem Publikum zuwinkt, in Anspielung auf Maradonas legendäres Handspiel im WM-Viertelfinale 1986 gegen England mit der Überschrift "La Mano de Dios" - Die Hand Gottes.

Unauffälliges Auftreten in der Öffentlichkeit

Der Erzbischof von Buenos Aires und Primas Argentiniens bevorzugt ein möglichst unauffälliges Auftreten in der Öffentlichkeit.

So konnte er bereits als Kardinal öfters in der U-Bahn auf dem Weg in die Kathedrale an der Plaza de Mayo beobachtet werden. Auch in Rom geht er lieber in einem dunklen Mantel und ohne Kardinalshut.

In den letzten Jahren kollidierte Bergoglio mehrfach mit den Regierungen von Néstor und Cristina Kirchner.

Er kritisierte Korruption und Armut, ausserdem wandte er sich erfolglos gegen die Legalisierung der Homo-Ehe in Argentinien.

Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Sein Vater war Bahnangestellter in der argentinischen Hauptstadt. Dort ging er auf eine technische Schule, die er als Chemie-Techniker absolvierte. Mit 21 Jahren ging er ins Priester-Seminar.

Nähe zur Junta?

Nach seiner Priesterweihe 1969 folgte er Theologiestudien und wurde 1973-1979 zum Provinzial des Jesuitenordens berufen. In diesen schwierigen Jahren Argentiniens, in denen nach sozialer Aufruhr das Militär die Staatsmacht übernahm, führte Bergoglio mit Strenge seine Ordensbrüder in strikt religiöse Aufgaben zurück.

Menschenrechtskreise werfen ihm vor, während der Zeit der Junta (1976-1983) eine zu grosse Nähe zu den herrschenden Militärs gehabt zu haben. Der einzige Jesuit im Konklave übernahm 1998 das Erzdiözese von Buenos Aires und wurde 2001 zum Kardinal berufen. (sda)