Rom
Papst Franziskus wäscht die Füsse von jungen Verbrechern

Anstatt die Abendmahlmesse am Gründonnerstag in der Lateranbasilika zu feiern, begibt sich Papst Franzsikus ins Jugendgefängnis. Auch seine Unterkunft möchte er nicht mit der prunkvollen Wohnung im Apostolischen Palast tauschen.

Dominik Straub, Rom
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Papst Franziskus geniesst das Bad in der Menge auf dem Petersplatz (Archiv)

Papst Franziskus geniesst das Bad in der Menge auf dem Petersplatz (Archiv)

Keystone

Franziskus wird heute die Abendmahlmesse nicht wie üblich in der Lateranbasilika mit den Kardinälen feiern, sondern in einem Jugendgefängnis in der unansehnlichen Peripherie Roms. Er wird vor zwölf Häftlingen niederknien und ihnen die Füsse waschen und salben. So hielt er es schon in seiner argentinischen Heimat als Erzbischof: An Gründonnerstag wusch er jeweils die Füsse von Aidskranken, Strafgefangenen, Obdachlosen.

Das Motto dazu hat Franziskus gestern bei seiner ersten Generalaudienz auf dem Petersplatz vor rund 15 000 Gläubigen geliefert: «Wenn wir Gott folgen und bei ihm bleiben wollen, dann dürfen wir uns nicht damit begnügen, mit den 99 Schafen auf der Weide zu bleiben. Sondern wir müssen hinaustreten, wir müssen mit ihm das verlorene Schaf suchen, das am weitesten entfernt ist.» Die Karwoche zu leben: Das bedeute, auf den anderen zuzugehen, sagte der Papst. Für ihn gilt dies nicht nur für die Karwoche. «Aufeinander zugehen» ist das eigentliche Leitmotiv des neuen Pontifikats.

Auch bezüglich seiner Unterkunft mag es Franziskus lieber bescheiden, dafür gesellig: Wie der Vatikan am Dienstag bekannt gab, zieht es den neuen Papst nicht in die prunkvolle Wohnung im Apostolischen Palast, in welchem seine Vorgänger wohnten. Er bleibt im Gästehaus Domus Sanctae Marthae – «bis auf weiteres». In dem schmucklosen Neubau hinter dem Petersdom werden während des Konklaves jeweils die Kardinäle untergebracht; normalerweise wohnen dort etwa fünfzig Priester, Kurienangestellte und anderes vatikanisches Personal. Bergoglio war beim Konklave das Zimmer 207 zugelost worden; nach seiner Wahl zog er in die für neu gewählte Päpste reservierte Suite 201.

Gärtner besuchen Papst-Frühmesse

Der Ausdruck «Suite» bezieht sich freilich nur auf die Fläche, nicht auf den Komfort. Es handelt sich um eine 90 Quadratmeter grosse 3-Zimmer-Wohnung ohne Küche. Gegessen wird in der Mensa: Franziskus frühstückt zusammen mit den nach dem Konklave zurückgekehrten ständigen Bewohnern. Er sorgte dafür, dass sie bei ihrer Rückkehr ein Schokolade-Osterei mit seinem neuen Papstwappen in ihrem Zimmer vorfanden. Franziskus nimmt auch Zmittag und Abendessen in der Mensa ein. «Ich stand schon als Bischof meinen Priestern nahe, und auch hier fühle ich mich wohl in dieser priesterlichen Gemeinschaft», so Franziskus.

Morgens liest der Papst in der Kapelle des Gästehauses jeweils eine Messe. Auch vatikanische Gärtner, Boten, Strassenkehrer und die Redaktoren des «L’Osservatore Romano» lassen sich das nicht entgehen. Das Appartement im Apostolischen Palast nutzt Franziskus nur für Audienzen – und um sich sonntags jeweils beim Angelus-Gebet am Fenster zu zeigen.