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PARIS: «Wir erfuhren per SMS, was abging»

Jill und Mike Arnold aus Rickenbach im Kanton Schwyz erlebten die Terrornacht in Paris. Sie waren im Stadion, als 50 Meter hinter ihnen die Bombe hochging.
Kurz nach Spielbeginn schickten Mike und Jill Arnold dieses Selfie nach Hause. Kurz darauf explodierte ganz in der Nähe eine Bombe. (Bild: PD)

Kurz nach Spielbeginn schickten Mike und Jill Arnold dieses Selfie nach Hause. Kurz darauf explodierte ganz in der Nähe eine Bombe. (Bild: PD)

Jürg Auf der Maur

Zwei junge Zentralschweizer erlebten die Horrornacht von Paris vor Ort. Sie sind unverletzt und glücklich wieder daheim und sind daran, das Erlebte zu verarbeiten. «Luftlinie 50 Meter hinter uns ging eine Bombe des Selbstmordattentäters los», erinnert sich Mike Arnold, der seine Schwester für ein Wochenende in Paris besuchte.

Im Stade de France dabei

Jill Arnold weilt seit Frühling als Au-pair in Paris. Die 21-jährige Rickenbacher Kauffrau wollte nach dem Lehrabschluss eine Pause einlegen und Sprachen lernen. Ihr Bruder Mike (23-jährig) studiert Jus und arbeitet daneben bei der Suva.

Er besuchte am vergangenen Wochenende seine Schwester, und weil mit Frankreich gegen Deutschland ein Weltklassespiel angesagt war, zog es die beiden gemeinsam ans Spiel im Stade de France. «Das wollten wir uns nicht entgehen lassen», sagt Mike Arnold zwei Tage nach den Ereignissen.

Nach 16 Minuten hörten sie einen grossen Knall, 3 weitere Minuten später einen noch lauteren. Es waren die beiden Selbstmordattentäter, die ihre Sprengkörper zündeten. Damals wussten die beiden Schwyzer noch nichts von den Terroranschlägen. «Wir dachten, irgendwelche Blödmänner hätten im Stadion hinter uns Petarden knallen lassen.»

Infos aus Schwyz

Das änderte sich schnell, als erste SMS- und Facebook-Nachrichten von Kollegen und Freunden aus Schwyz bei ihnen im Stadion eintrafen. «Wir erfuhren aus Schwyz, was in Paris Schreckliches abging», sagt Mike Arnold. Weil sie das wussten, wollten sie das Stadion verlassen. Per Zufall ausgerechnet im gleichen Moment, in dem die Franzosen das zweite Tor schossen. «Wir waren nicht allein. Mindestens 40 000 Personen verliessen mit uns das Gelände.» Statt allein fanden sie sich in der Masse.

Ein Spiessrutenlauf durch Paris

Dort, wo sie ins Stadion eingetreten waren, hatte sich der eine Attentäter in die Luft gesprengt. Luftlinie 50 Meter von ihren Sitzplätzen entfernt. «Zum Glück wurde er nicht reingelassen. Er wäre mit Sicherheit in unserem Sektor gesessen.»

Was folgte, war ein eigentlicher Spiess­rutenlauf zurück in die Sicherheit. «Wir wollten nur noch heim», erinnern sich die beiden. Das war aber alles andere als einfach. Jill Arnolds Gasteltern wohnen nicht im Zentrum, Taxis fuhren nicht mehr. Ein Café, in das die Geschwister flohen, wurde später wieder geräumt. Überall waren Blaulicht, Sirenenklänge und Polizeieinsätze. Plötzlich hiess es von Polizisten, so schnell wie möglich zu rennen und einfach fortzugehen. Wohin, wussten sie nicht. «Das Schlimme war, dass man niemandem vertrauen konnte. Überall hätten Attentäter sein können.» Am Schluss fanden die beiden dann ein Hotel und verbarrikadierten sich im Zimmer. «Nicht einmal dem Hotelier trauten wir. Wir hatten nur noch uns», erinnert sich Jill Arnold.

Immerhin konnten die beiden vom Hotel aus Kontakt mit den Eltern und den Gasteltern aufnehmen. Nach einer kurzen Nacht entschieden sich die beiden, sofort in die Schweiz zurückzukehren. Mike Arnold: «Erst in der Schweiz fühlten wir uns wieder sicher.» Die Flucht ins Hotel war kürzer, als sie dachten. «Wir rannten etwa zwei Stunden. Aber wir hatten das Gefühl, es wären fünf Stunden», erzählt Jill Arnold.

Schreckstunden für die Eltern

Jetzt sind die beiden in Rickenbach und versuchen, das Erlebte zu verarbeiten. Jill Arnold ist im Moment noch nicht sicher, ob sie wieder als Au-pair in die Stadt zurückkehren will.

Schreckliche Stunden erlebten auch die Eltern Eugen und Carola Arnold in Schwyz. Kurz nach Spielbeginn erhielten sie ein Selfie von ihren Kindern aus dem Stadion. Kurze Zeit später wurde ihnen klar, was in Paris an jenem Ort passierte, wo sich die Kinder gerade befanden. Eugen Arnold: «Erst um zwei Uhr morgens erreichten sie uns. Wir haben trotzdem nicht viel geschlafen in dieser Nacht.»

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