Antarktis
Passagiere aus dem ewigen Eis gerettet: Aktion kostet mehrere Millionen

Nach neun Tagen im Eis wurden alle 52 Passagiere der MV Akademik Shokalsky von einem chinesischen Helikopter gerettet. Nun stellt sich die Frage: Wer bezahlt die über mehrere Millionen teure Aktion?

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Die Helikopter-Rettung im Eis in der Antarktis gefangenen Forschern hat begonnen.
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Gross ist die Freude bei den Expeditionsteilnehmer über ihre Rettung.
Die Expeditionsteilnehmer sind auf sicherem Boden in der Antarktis angekommen
Die Passagiere stampfen eine Lande-Markierung für den Helikopter in den Schnee.
Der australische Eisbrecher «Aurora» versuchte zur Akademik Schkokalkiy vorzudringen, musste die Aktion jedoch erfolglos aufgeben. (Archiv)
Die im Eis gefangene «MV Akademik Shokalskiy».
Zwei Passagiere installieren eine Win-Messstation.
MV Akademik Shokalskiy
MV Akademik Shokalskiy
Die Besatzung der MV Akademik Shokalskiy.

Die Helikopter-Rettung im Eis in der Antarktis gefangenen Forschern hat begonnen.

Keystone

Aufgekratzt wie Kinder auf Klassenreise sind die Teilnehmer der Antarktis-Expedition am Donnerstag von Bord zum Helikopter gegangen. Nach neun Tagen im Eis konnten sie das eingeschlossene Forschungsschiff "MV Akademik Shokalskiy" nicht schnell genug verlassen.

Die Rettung per Helikopter war heikel, das Aufatmen gross, als alles wie am Schnürchen lief. Jetzt kommen die Fragen: Wer zahlt für die Rettung? War der Ausflug nötig? War er gar fahrlässig? Australische Medien schätzen die den Preis für die Rettungsaktion der Wissenschaftler und Touristen auf mehrere Millionen Dollar.

Hohe Opportunitätskosten

Kosten für Such- und Rettungsaktionen werden laut Statut der australischen Seesicherheitsbehörde (Amsa) zwar getragen. Das dürfte allerdings nicht mögliche Forderungen der Eigner der zur Hilfe herbeigeeilten Eisbrecher einschliessen.

Das Internationale Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (Solas) verpflichtet Schiffe auf hoher See, auf Notrufe umgehend zu reagieren. In der Regel kann der Eigner des in Not geratenen Schiffes später zur Kasse gebeten werden.

Die "Shokalskiy" fährt unter russischer Flagge - die Australasiatische Antarktis-Expedition 2013/14 hat sie gechartert. Im Chartervertrag müsste die Haftpflicht für Rettungsaktionen näher geregelt sein. Drei Eisbrecher hatten seit Heiligabend ihren Kurs geändert, um der "MV Akademik Shokalskiy" zur Hilfe zu eilen.

Wichtige Arbeit bleibt liegen

Das französische Schiff drehte wegen der aussichtslosen Lage ab und wurde aus der Helferpflicht entlassen, aber die Eisbrecher "Snow Dragon" aus China und die "Aurora Australis" aus Australien mussten ihre eigentliche Arbeit tagelang unterbrechen.

Allein die "Aurora" schlägt nach Medienberichten in Australien mit fast 40'000 Euro Kosten zu Buche - pro Tag. Die Schiffe waren zudem auf wichtigen Arbeitseinsätzen unterwegs. Die "Aurora" war etwa dabei, Nachschub und wissenschaftliche Geräte an der australischen Antarktisstation Casey auszuladen, als der Notruf kam.

Sie brach die Entladung ab und eilte innerhalb von Stunden zum Noteinsatz, wie einer der Wissenschaftler an der Station, Joe McConnell, dem "New York Times"-Reporter Andrew Revkin schrieb.

"Die kurz- und langfristigen Folgen für das australische Forschungsprogramm sind enorm, und das dürfte für das französische und chinesische Programm auch gelten, weil ihre Eisbrecher umgeleitet wurden", erklärte McConnell.

"Viele Leute können ihre Forschungsprojekte, die sie teils jahrelang vorbereitet haben, nicht fortsetzen, weil ihr Material immer noch an Bord der "Aurora" ist." Wegen der extremen Wetterverhältnisse können Eisbrecher die Forschungsstationen nur im kurzen antarktischen Sommer anfahren. Dabei zählt jeder Tag.

Veränderungen beobachten

Allerdings war die "Sholaksiy" selbst auf wissenschaftlicher Mission unterwegs. Expeditionsleiter Chris Turney ist Klimaforscher. Er wollte Eisveränderungen in der Antarktis über einen langen Zeitraum dokumentieren. Dazu folgte er der Route des Polarforschers Douglas Mawson, der die Region vor 100 Jahren erkundete.

"Aufbauend auf den Messungen von vor 100 Jahren unternimmt die Australasiatische Antarktis-Expedition 2013/14 ein Forschungsprogramm, um Veränderungen in der Antarktis und dem südlichen Ozean besser zu verstehen", erklärte Turney.

Die "Shokalskiy" wurde als Polarforschungsschiff gebaut, ist für den Einsatz in der Antarktis also bestens ausgestattet. Dass neben den Wissenschaftlern auch Touristen an Bord waren, ändert nichts daran, dass die Expedition für alle Eventualitäten gewappnet war. "Die Wetterverhältnisse sind eben unberechenbar", twitterte Turney.