Germanwings-Absturz
Passagiere schrien «Mein Gott!»: Video aus Flugzeug aufgetaucht

Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hat die Lufthansa bereits im Jahr 2009 über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert. Derweil ist laut Medienberichten ein Video aus dem abstürzenden Flugzeug aufgetaucht.

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So präsentierte sich Andreas Lubitz auf seinem Facebook-Profil.

So präsentierte sich Andreas Lubitz auf seinem Facebook-Profil.

Keystone

Anscheinend existiert ein Video, welches die letzten Sekunden an Bord der Germanwings-Maschine zeigt, die über Südfrankreich abstürzte, das berichten «Bild» und das französische Magazin «Paris Match».

Demnach habe «das Speichermedium», auf dem sich das Video befindet, den Absturz unbeschadet überstanden, schreibt die «Bild». Die Authentizität des Videos sei unzweifelhaft.

Die Aufnahmen würden aus dem hinteren Teil der Kabine stammen. Auch sei nicht klar, wer die Aufnahmen gemacht habe. Dabei zeige sich ein dramatisches Bild: Mehrmals seien die Ausrufe «Mein Gott!» und Ähnliches zu hören.

Kurz vor dem Ende des Videos soll weiter zu erkennen sein, wie die Maschine einen Berg berühre. Die Kabine drehe sich unvermittelt nach links, so die «Bild»-Zeitung. Dann ende das Video.

Co-Pilot hatte Depressionen gemeldet

Demnach hatte der Co-Pilot Andreas Lubitz im Jahr 2009 der Lufthansa-Verkehrsfliegerschule im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner für mehrere Monate unterbrochenen Pilotenausbildung medizinische Unterlagen übersandt, in denen von einer "abgeklungenen schweren depressiven Episode" die Rede war.

Lufthansa erklärte, die Unterlagen seien "nach weiteren internen Recherchen" gefunden und der Staatsanwaltschaft Düsseldorf übergeben worden. Gleichzeitig betonte das Unternehmen, der Co-Pilot habe zum Zeitpunkt des Germanwings-Absturzes in der vergangenen Woche "ein voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1" besessen.

Der Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz nach dem Absturz gesagt, der Co-Pilot sei "100 Prozent flugtauglich ohne Einschränkung" gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag erklärt, dass der Co-Pilot der Germanwings-Maschine vor seiner Pilotenkarriere psychotherapeutisch wegen möglicher Suizidgefährdung behandelt worden war. Schon seit einigen Tagen ist zudem bekannt, dass der 27-Jährige am Tag des Unglücks eigentlich krank geschrieben war.

In seiner Wohnung wurden zerrissene Krankschreibungen auch für den Tag des Absturzes gefunden. Der Co-Pilot steht im Verdacht, die Maschine mit 150 Menschen an Bord absichtlich zum Absturz gebracht zu haben.

Bergung beendet

Am Absturzort der Germanwings-Maschine beendeten die Ermittler unterdessen die Bergung der Todesopfer. Es gebe keine Leichen mehr am Absturzort, sagte ein Vertreter der Gendarmerie, Jean-Marc Ménichini, am Dienstagabend der Nachrichtenagentur AFP in Seyne-les-Alpes.

Am Mittwoch sollen Gebirgsjäger vor Ort persönliche Gegenstände der Opfer einsammeln. Auch die Suche nach dem Flugdatenschreiber soll weitergehen. Bis Ende der Woche sollten alle 150 Opfer mithilfe von DNA-Proben identifiziert sein.

Der Absturzort des Germanwings-Airbus kann seit Dienstag über eine neu gebaute Strasse erreicht werden. "Wir arbeiten schneller, länger und wir bringen mehr Proben zurück", berichtete die Polizei. Bisher mussten Ermittler und Hochgebirgspolizisten entweder per Helikopter an den Unglücksort gebracht werden oder nach einer Fahrt über eine holprige Piste zu Fuss noch rund eine halbe Stunde laufen.

Lufthansa sagt Feier ab

"Diese Tage sind für die Hinterbliebenen sehr schwer, aber sie können dann ihre Trauerarbeit beginnen", sagte Frankreichs Präsident François Hollande am Dienstag während einer Medienkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Merkel dankte ihm und der französischen Bevölkerung erneut für ihre grossherzige Hilfe.

Die Lufthansa sagte unterdessen die Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen der Fluggesellschaft ab. Stattdessen werde der Konzern den Staatsakt für die Absturzopfer im Kölner Dom am 17. April für seine Mitarbeiter übertragen, teilte das Unternehmen mit.

Der Lufthansa-Chef werde am Mittwoch an den Unglücksort reisen. Er wolle dort Angehörige der Opfer treffen und den Helfern danken. Germanwings ist eine Tochtergesellschaft der Lufthansa.

Germanwings-Chef dankt Helfern

Der Germanwings-Chef Thomas Winkelmann dankte den Helfern in einer Videobotschaft. "Die Retter, Helfer und Betreuer vor Ort leisten Unermessliches", sagte er. "Sie werden in beispielloser Weise unterstützt durch die Bevölkerung von Seyne-les-Alpes und der umliegenden Orte." Der Verlust des Fluges gehöre zweifellos "zu den grössten Tragödien unseres Landes". (rhe/sda)

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Andreas Lubitz sei noch während seiner Piloten-Ausbildung wegen Suizid-Gefährdung in psychotherapeutischer Behandlung gewesen.
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So präsentierte sich Andreas Lubitz auf seinem Facebook-Profil.
Hier wohnte Andreas Lubitz.
Das Elternhaus von Andreas Lubitz.
Journalisten vor dem Haus von Andreas Lubitz in Montabaur.
Andreas Lubitz war Mitglied der Segelfluggruppe Westerwald.
Die Polizei bewacht das Haus, in dem Co-Pilot Andreas Lubitz gewohnt hat.
Die Polizei bewacht das Haus, in dem Co-Pilot Andreas Lubitz gewohnt hat.
Die Polizei bewacht das Haus, in dem Co-Pilot Andreas Lubitz gewohnt hat.
Segelflug-Mitglied Peter Rücker steht vor dem Segelflugzeug, das Co-Pilot Andreas Lubitz geflogen hat.
Andreas Lubitz bei einem Laufrennen in Hamburg.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Andreas Lubitz sei noch während seiner Piloten-Ausbildung wegen Suizid-Gefährdung in psychotherapeutischer Behandlung gewesen.

Keystone
Die Suche nach dem Flugdatenschreiber nahm rund zehn Tage in Anspruch. Der Stimmenrekorder wurde schon kurz nach dem Absturz geborgen.
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72 Deutsche waren an Bord der Maschine.
Aufgrund der hohen Geschwindigkeit beim Aufprall wurde das Flugzeug in unzählige kleine Teile zerrissen.
Die Absturzstelle liegt auf ungefähr 1600 Metern über dem Meer und ist nur zu Fuss zu erreichen.
Germanwings-Maschine in Frankreich abgestürzt
Die Identifikation der Leichen per DNA-Analyse ist äusserst aufwendig.
Ermittler untersuchen Trümmerteile.
Das Trümmerfeld zeugt von der Wucht des Aufpralls.
Die Maschine wurde in unzählige Stücke zerfetzt.
Der 24. März wird als schwarzer Tag in die Geschichte der Region eingehen.
Die Rettungskräfte konnten die Unglücksstelle nur mit Helikoptern erreichen.
Vor dem Gymnasium der Schulklasse, welche an Bord der Unglücksmaschine ist, werden Kerzen angezündet.
Vor dem Gymnasium der Schulklasse, welche an Bord der Unglücksmaschine ist, werden Kerzen angezündet.
Trümmerteile liegen in der Berglandschaft
Trümmerteile am Absturzort
Trümmerteile am Absturzort
Ein Hubschrauber über der Absturzstelle
Rettungskräfte in der Nähe der Absturzstelle
Rettungskräfte in der Nähe der Absturzstelle
Ein Hubschrauber sucht das Gelände ab.
Die Rettungshelikopter stehen im Tal bereit
Blick aus dem Helikopter auf dem Weg zur Unglücksstelle
Frankreichs Staatspräsident François Hollande nimmt Stellung zum Flugzeugabsturz.
«Ein Schock»: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich.
Germanwings-Manager Oliver Wagner vor dre Pressekonferenz in Köln
Der französiche Premierminister Manuel Valls bespricht sich mit dem spanischen Königspaar
Die Flugkurve auf Flightradar24 der abgestürzten Germanwings-Maschine.
Angehörige treffen am Flughafen Düsseldorf ein
Polizisten vor dem Germanwings-Schalter am Flughafen Düsseldorf
Betroffenheit am Swissport-Schalter in Barcelona
Angehörige des Careteams am Flughafen Düsseldorf
Flughafen-Personal in Düsseldorf.
Die Anzeigetafel am Flughafen Düsseldorf.
Violeta Bulc, die europäische Transportzuständige.
Der Airbus A320 der Germanwings, der abgestürzt sein soll.

Die Suche nach dem Flugdatenschreiber nahm rund zehn Tage in Anspruch. Der Stimmenrekorder wurde schon kurz nach dem Absturz geborgen.

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