Pause erkauft

Auslandkorrespondentin Birgit Baumann über das Thema Auto und den Abgasskandal in Deutschland.

Birgit Baumann, Berlin
Drucken
Teilen
Birgit Baumann

Birgit Baumann

Der Druck vor dem Berliner Diesel-Gipfel war gross – auf die Autobauer und auf die deutsche Politik. In immer mehr deutschen Städten drohen Fahrverbote, weil Dieselfahrzeuge die Luft stark verschmutzen. Und so manch Betroffener hatte sich gewünscht, dass die deutsche Regierung den Autobossen das Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft demonstriert, auch wenn die Autobranche eine sehr wichtige in Deutschland ist.

Doch die Autobauer können nach dem Gipfel zufrieden mit ihren Nobelkarossen davonrollen. Sie kommen glimpflich davon, müssen zwar die Kosten für neue Software übernehmen, Geld in einen Umweltfonds einzahlen und den Käufern Prämien für modernere Autos anbieten. Es trifft aber keine Armen, und eine Nachrüstung der Motoren wäre noch viel teurer gekommen. Diese halten viele Experten aber für unabdingbar für sauberere Luft.

Beide Seiten haben sich mit diesem Kompromiss Zeit und eine Verschnaufpause erkauft. Die Politik musste so kurz vor der Bundestagswahl Handlungsfähigkeit demonstrieren, die Autobauer fühlten sich angesichts der vielen Skandale der jüngsten Zeit unter Druck und wussten, dass ein wenig Busse angebracht war. Der Lackmustest für die Sinnhaftigkeit der Massnahmen wird aber erst kommen: wenn die Gerichte entscheiden, dass Dieselfahrzeuge trotz Nachrüstung in ihren Garagen stehen bleiben müssen.

Sollte es so kommen, wird das die Stimmung nicht unbedingt heben. Aber nur so kann sich das Bewusstsein in Deutschland ändern: wenn immer mehr Menschen einsehen, dass das Wohlergehen der Autoindustrie zwar wichtig ist, ihr Recht auf eine saubere Umwelt und die Gesundheit aber nicht minder.

Birgit Baumann, Berlin

wirtschaft@luzernerzeitung.ch