Permanente Bedrohung

Auslandkorrespondentin Angela Köhler zu den Test von Nordkorea mit einer Wsserstoffbombe.

Angela Köhler, Tokio
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Angela Köhler

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Nordkoreas Despot Kim Jong Un hat die Welt ein weiteres Mal geschockt. Diesmal soll sein Militär unterirdisch eine Wasserstoffbombe gezündet haben, was Experten auf Anhieb nicht zuverlässig bewerten können. Politisch ist diese neuerliche Provokation aber in jedem Fall hochexplosiv, weil sie bei den bedrohten Staaten USA, Südkorea und Japan eine Gegen- und damit in der Region eine Kettenreaktion auslösen könnte. Schon ist die Rede davon, dass Seoul wieder die Stationierung von US-Atom­waffen in Südkorea gestatten, ja vielleicht sogar herbeisehnen könnte. Und in Tokio spricht man ganz offen vom «Ende des nuklearen Tabus».

Kim legt es darauf vielleicht sogar an. Könnte das Regime doch mit einer vorgeblichen «Nuklearbedrohung» rechtfertigen, dass es keine andere Wahl hat, als sich mit Atomwaffen zu «schützen». Genau auf diese Argumentation läuft Nordkoreas Politik hinaus. Seht her: Tripolis und Bagdad gaben einst ihre Nuklearprogramme preis. In Saddam Husseins Irak marschierten die Amerikaner ein, und in Libyen wurde Macht­haber Muammar al-Ghadhafi durch ein unregierbares Chaos gestürzt. Deshalb wird Kim die Bombe nie freiwillig aufgeben.

Es wird immer realistischer, was seit Jahren zu befürchten ist. Ein verarmtes und isoliertes Regime kann sich gegen Drohungen der Supermacht USA durchsetzen. Auch andere Länder werden sich fragen, was ein Atomwaffensperrvertrag nützt, wenn diesen selbst Nordkorea ignorieren kann. Wer kann die Macht Pjöngjangs noch eindämmen? Tatsache ist: Kim ist schon jetzt der eigentliche Gewinner. Sein Kalkül: Man muss ihn gewähren lassen, weil man ihn nicht stoppen kann.

Angela Köhler, Tokio

nachrichten@luzernerzeitung.ch