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Pete Buttigieg fordert Trump hinaus und will Geschichte schreiben

Pete Buttigieg will ins Weisse Haus. Er wäre nicht nur der jüngste Präsident der Geschichte und der erste, der Arabisch spricht – er wäre auch der erste offen homosexuelle.
Samuel Schumacher
Der Demokrat Pete Buttigieg mit seinem Ehemann Chasten. (Bild: Darron Cummings/AP (South Bend, 14. April 2019))

Der Demokrat Pete Buttigieg mit seinem Ehemann Chasten. (Bild: Darron Cummings/AP (South Bend, 14. April 2019))

Der Regen tropfte durchs Dach, als Pete Buttigieg am Sonntag die Halle der ehemaligen Autofabrik Studebaker in seiner Heimatstadt South Bend betrat und verkündete, dass er Präsident der Vereinigten Staaten werden wolle. Die Menge jubelte. In South Bend ist «Pete» längst ein Star. Seit acht Jahren regiert der 37-Jährige mit dem kuriosen Namen («Bud-Itsch-Itsch») die Kleinstadt im einstigen Industriegürtel Amerikas. Der Ort, den der Harvard-Absolvent für seine Rede ausgewählt hat, war kein Zufall. Das stillgelegte Werk steht symbolisch für den Zerfall der amerikanischen Schwerindustrie. Die umgebauten Räume nebenan, die heute von Start-ups genutzt werden, stehen für den Versuch, eine neue Ära im ausgebluteten «Heartland» Amerikas einzuläuten

Buttigieg wischte den Regen von seinen Rednernotizen und sagte: «Uns wird eine Legende verkauft: Die Legende, dass wir die Uhr einfach zurückdrehen können, dass wir Amerika wieder grossartig machen können.» Das sei Schwindel, sagte der Bürgermeister im hochgekrempelten Hemd. «Wir müssen die Vergangenheit hinter uns lassen und etwas völlig Neues wagen.»

Sieben Monate in Afghanistan

Völlig neu wäre vieles, wenn der Demokrat Buttigieg tatsächlich die Vorwahlen gewinnen und im November 2020 gegen Präsident Trump siegen würde. Er hat in kürzester Zeit sieben Millionen Dollar an Wahlkampfspenden gesammelt und sich zum Liebling vieler Kommentatoren gemausert. Buttigieg ist der drittbeliebteste demokratische Kandidat – hinter Bernie Sanders und Joe Biden. Einiges spricht dafür, dass der smarte Bürgermeister den Sprung schaffen und die 17 Partei-internen Mitbewerber tatsächlich hinter sich lassen könnte. Zum Beispiel seine Zeit in Afghanistan. Für die militärverrückten Amerikaner ist sein Einsatz im Kriegsgebiet Gold wert. Buttigieg nahm 2013 sieben Monate unbezahlten Urlaub, um in den Krieg zu ziehen. Donald Trump, der sich einst wegen ein paar Knochensplittern in der Ferse vor dem Vietnam-Marschbefehl drückte, dürfte es schwer haben, den Kriegsveteranen Buttigieg in sicherheitspolitischen Fragen auszustechen.

Als Bürgermeister verwandelte Buttigieg South Bend von einer «sterbenden Stadt», wie das Magazin «Newsweek» seine Heimat bezeichnete, in eine boomende Mini-Metropole. Er glaubt, dass sein Erfolgsrezept – weg von der Industrie, hin zu neuen Branchen – auch auf nationaler Ebene fruchten würde. Dank seiner Herkunft aus dem konservativen Mittleren Westen der USA weiss der Historiker ganz genau, wie man jene Wähler erreicht, die Trump als «die vergessenen Bürger» bezeichnet und mit seinen Anti-Einwanderungstiraden einlullt. Buttigieg glaubt, die demokratischen Kräfte in Bundesstaaten wie Ohio oder Pennsylvania mit seiner Zukunftsvision mobilisieren zu können. Nicht Migranten an der mexikanischen Grenze seien die grösste Bedrohung für das «grossartigste Land der Welt», sagt Buttigieg, sondern der Klimawandel.

Zudem betont der 37-Jährige, dass die Zeit reif sei für einen «Millenial» als Präsidenten. Seine Generation sei es, die unter den Folgen des Klimawandels leiden werde. Seine Generation sei es, die mit der Digitalisierung klarkommen müsse. Seine Generation sollte deshalb mitreden können, wenn es um die Zukunft geht.

Buttigieg wäre auch der erste Homosexuelle im mächtigsten politischen Amt der Welt. «Er hat sich 2015 geoutet und ist mit dem 29-jährigen Lehrer Chasten Buttigieg verheiratet. «Pete» erzählte, er habe keine Ahnung gehabt, wie sich das Outing auf seine politische Karriere auswirken würde. Kurz darauf sei er mit 80 Prozent der Stimmen als Bürgermeister wiedergewählt worden.

Farsi und Konzertdiplom

Auch sein offen zur Schau getragener Intellekt könnte dem James-Joyce-Fan mit Klavier-Konzertdiplom zum Verhängnis werden. In Amerika gilt als elitär, wer zu viel liest und zu blumig spricht. Und wer – wie Buttigieg – acht Sprachen beherrscht (neben Englisch spricht er auch Spanisch, Französisch, Italienisch, Maltesisch, Arabisch, Farsi und Norwegisch), muss aufpassen, nicht als abgehobener Intellektueller verschrien zu werden.

Kommentatoren sehen in Buttigieg eine weisse, jüngere Version des einstigen Kandidaten Barack Obama. Um Obamas Erbe antreten zu können, muss Buttigieg den Monsterwahlkampf ebenso souverän bewältigen wie den Auftritt in der feuchten Industriehalle seiner Heimatstadt. Im Juni gehen die TV-Debatten los. Buttigieg zeigte sich am Sonntag bereit. «Es ist Zeit für einen neuen amerikanischen Frühling», rief er der Menge zu.

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