Zypern-Krise
Plan A, B, C oder C Plus – viele Wege führen aus der Zypern-Krise

Um Zypern gab es in den letzten Tagen hektische Diskussionen um Rettungspläne. Im Kern geht es dabei immer um die 5,8 Milliarden Euro, die das Land aufbringen muss, um die 10 Milliarden zu bekommen, die Europa bereit hält.

Matthias Niklowitz
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Wie weiter in Zypern? Bankangestellte sitzen während einer Protestkundgebung vor dem Bankgebäude. Im Hintergrund die Polizei.

Wie weiter in Zypern? Bankangestellte sitzen während einer Protestkundgebung vor dem Bankgebäude. Im Hintergrund die Polizei.

Keystone

Hier eine Übersicht zu den Varianten, ihren Chancen und den Fallstricken:

Erledigt. Der Zugriff auf die Spargelder war im Parlament glatt durchgefallen. Trotz den gegenteiligen Beteuerungen durch Politiker bestanden auch gewisse Ansteckungsrisiken auf andere europäische Länder.

Erledigt. Russland will nicht helfen. Zypern hatte den Verkauf von Banken, die Bewilligung von Marinebasen sowie den Zugriff auf die Gasreserven als Lockangebote auf den Tisch gelegt.

Steht am Donnerstagabend im Parlament zur Debatte. Zustimmung im zypriotischen Parlament gilt als sicher. Es stellen sich aber sehr viele praktische Fragen. Und es ist offen, ob damit der Wettlauf gegen die Zeit gewonnen wird.

Es ist nicht neu, dass Staaten in der EU ihre Schulden tief halten, indem sie Aktiven in eine Zweckgesellschaft auslagern, sagt Markus Allespach, Leiter Obligationenanalyse bei Julius Bär.

Mitte der 1990er Jahre hat Österreich sein Eisenbahn-Netz in eine Zweckgesellschaft eingebracht, deren Schulden nicht zu den Staatsschulden zählte. Damit konnte man die Maastricht-Limite besser erfüllen. Und SFEF ist laut Allenspach ein aktuelles Beispiel aus Frankreich, wie man die Staatsschulden nicht belastet und trotzdem die Banken rekapitalisieren kann.

«Im aktuellen Beispiel, wenn es so kommen sollte, muss eine rechtlich unabhängige Gesellschaft gegründet werden, welche die Aktiven vom Staat kauft und sich auf dem Kapitalmarkt finanziert», erklärt Allenspach das Vorgehen. Aktiven können die Rechte an den Gasfeldern sein, aber auch bestehende Infrastruktur. «Wichtig für die Selbstständigkeit des Vehikels und damit die Akzeptanz als rechtlich unabhängige Einheit ist es, den Zinsendienst durch Einnahmen selber finanzieren zu können.» Für das Benützen des Eisenbahn-Netzes könnte man eine Gebühr verrechnen, für die Abgabe einer Garantie einer Bank kann man ebenfalls eine Fee verlangen. «Für mich ist offen, welche Einnahmen man aus Kirchen und noch unerschlossenen Gasfeldern generieren könnte», sagt Allenspach weiter.

«Die Oel- und Gasreserven sind sicher eines der «Assets» welche Zypern in die Waagschale werfen kann, sich davon eine «Rettung» zu erwarten ist blauäugig», sagt Rudolf Leemann, Öl- und Gas-Spezialist bei der UBS in Zürich. «Selbst wenn ich im Internet Schätzungen (wie gesagt sehr grosser Schätzfehler möglich) von dem doppelten der genannten Reserven finde und dann noch annehme der Recovery-Factor läge bei 100 Prozent (normal sind 30 bis 50 Prozent) ergäbe dies allenfalls ein «Lease sale» Ertrag von ungefähr 3 Milliarden US-Dollar.»

Ab nächsten Montag könnte das eine realistisches Szenario sei. Es gibt aber etliche Analystenstimmen, die eine Rettung durch die EZB in letzter Minute erwarten.

Gegenwärtig gilt der Plan C als der wahrscheinlichste. Hierzu einige Details zu den Fallstricken:

Zypern hat kein staatliches Pensionssystem wie Irland. Da sLand könnte die halböffentlichen Pensionskassen aber enteignen. Das würde 4,2 Milliarden Euro bringen. Der Internationale Währungsfonds IWF untersagt aber ein solches Vorhaben. Denn die 5,8 Milliarden müssen aus privaten Quellen aufgetrieben werden.

Die Zentralbank hat noch etwas Gold, und unter dem Mittelmeer gibt es grosse Erdgasvorkommen. Gerade das Gas könnte in eine Art Fonds eingebracht und über zukünftige Erträge abgesichert werden. Weil das gas zwar entdeckt, aber noch längst nicht gefördert ist, müssten Investoren 6 bis 8 Jahre stillhalten. Das verschlechtert die Konditionen einer solchen Besicherung.

Im Gespräch ist auch eine Art Notsteuer. Damit könnte gemäss einem Vorschlag der Troika 8,7 Milliarden Euro aufgebracht werden. Ein Teil müsste als Notsteuer von den zypriotischen Bürgern aufgebracht werden. Es gilt indes als unsicher, ob das Land eine solche Steuer im Umfang von 21 Prozent des Bruttoinlandprodukts ohne massive Proteste aufbringen könnte.

Die beiden grössten Banken Bank of Cyprus und Laiki könnten fusioniert und die faulen Assets in eine Art Bad Bank eingebracht werden. Damit könnte die neue Bank über die ELA-Fazilität auch leichter an EZB-Gelder kommen. Problem: Die fusionierte Bank wäre mit einer Bilanzsumme von über 100 Prozent des Bruttoinlandprodukts «too big to fail».

Keine. Die IWF-Datenbank umfasst 65 Krisenfälle. Bei 14 Fällen kam es zu Verlusten von durchschnittlich 21 Prozent der privaten Bankeinlagen. In 50 Prozent der Fälle gab es grössere Schuldenschnitte mit einer grossen Zahl von Betroffenen.

Island: Einleger aus dem Ausland und bei ausländischen Filialen verloren Geld. Einheimische Sparer wurden verschont. Dazu könnte es in diesem Jahr noch eine gerichtlche Aufarbeitung geben.

Dänemark: Bei der Amagerbanken und der Fjordbank gab es Schuldenschnitte bei Senior Bonds (also normalen Obligationen) und einigen Einlegern. Die 100000-Euro-Grenze hielt hier.

Italien: Mit einer «Spezialsteuer» von 0,6 Prozent auf alle Bankeinlagen versuchte der damalige Ministerpräsident Amato, die öffentlichen Finanzen zu konsolidieren.

Folgen

Aus der IWF-Datenbank geht hervor, wie lange es gedauert hatte, bis sich die Länder wieder erholt hatten. Als bester Fall gilt Irland, wo es nach 2 bis 3 Jahren zu ersten Anzeichen einer Erholung kam. In Island hatte es etwas länger gedauert. Umgekehrt ist in Griechenland frühestens nach fünf Jahren mit einer Trendwende zu rechnen. Laut Analysten hat Zypern gleich ein doppeltes Problem: Das Land hat ein so aufgeblähtes Bankensystem wie Island vor der Krise. Aber das Land hat nicht die politische Flexibilität wie Island und es fehlt auch eine vergleichbare Exportbasis.