Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Polemik um Arabischunterricht in Frankreich

Die französische Regierung will den Arabischunterricht an den Schulen fördern, um ihn nicht den Moscheen zu überlassen. Die Rechte sieht in dem Vorhaben allerdings selbst eine «Islamisierung».
Stefan Brändle, Paris
Statt in Moscheen sollen Kinder arabisch an den öffentlichen Schulen lernen. Bild: Godong/Uig via Getty Images (Saint-Prix)

Statt in Moscheen sollen Kinder arabisch an den öffentlichen Schulen lernen. Bild: Godong/Uig via Getty Images (Saint-Prix)

Michel Blanquer wusste, dass er ins Wespennest stechen würde. Der sehr seriöse, eher konservative Bildungsminister meinte diese Woche in einem Radiointerview sehr vorsichtig, das Arabische sei eine «prestigereiche literarische Zivilisationssprache» und müsse an den französischen Schulen wie Russisch oder Chinesisch gefördert werden, am besten schon ab der Primarschule. Des Weiteren will Blanquer das öffentliche Fernsehen bitten, Kurse oder Sendungen in Arabisch auszustrahlen.

Auch wenn in Frankreich schätzungsweise fünf Millionen Maghrebiner leben, fristet das Arabische an den französischen Schulen ein sehr stiefmütterliches Dasein. Es wird zwar seit 1977 angeboten, wird aber von aussenstehenden, meist ausländischen Lehrern unterrichtet, die von Ländern wie Marokko oder Tunesien gestellt werden. Die Idee dahinter war ursprünglich, Kindern von immigrierten Saisonarbeitern die Rückkehr in ihr Herkunftsland zu erleichtern. Heute ist dieses Motiv nicht mehr aktuell. Nur noch 0,2 Prozent aller schulpflichtigen Kinder lernen Arabisch, an den Mittelschulen sind es 11200 Kinder, an den Grundschulen bloss deren 567.

Arabische Geschäftswelt spielt auch eine Rolle

Blanquer meinte im Interview sehr diplomatisch, er wolle den Arabischunterricht auch entwickeln, um «dem Missbrauch durch einzelne Gemeinschaften» vorzubeugen. Klarer formuliert war zuvor ein Bericht des liberalen Institutes Montaigne: Dieser regt die Verstärkung des Arabischunterrichts an den öffentlichen Schulen an, «weil die Arabischstunden für die Islamisten ein probates Mittel geworden sind, um Jugendliche in ihre Moscheen und Privatschulen zu locken». Ferner sei es wichtig, dass Frankreich mit seinen Beziehungen zur arabischen Welt auch Geschäftsleuten die entsprechenden Sprachkenntnisse vermittle, schreibt das wirtschaftsnahe Institut, auf das sich Blanquer bezog.

So unpräzis die Ankündigung des Ministers war, bewirkte sie in Paris umgehend einen Entrüstungssturm. Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron wolle den Grundschülern Arabisch lehren, statt ihnen korrektes Französisch beizubringen, monierte Laurence Sailliet von den konservativen Republikanern. Ihr Parteifreund, der ehemalige Bildungsminister Luc Ferry fragte voller Sarkasmus, ob es darum gehe, «den Islamismus zu bekämpfen – oder ihn im Gegenteil an die Schule zu holen». Der Rechtsaussen Nicolas Dupont-Aignan befürchtet die «Arabisierung Frankreichs». Ganz ähnlich klingt es auf einschlägigen Webseiten: Die «grosse Ablösung» des christlichen Kontinentes durch die muslimische Einwanderung sei in vollem Gang, heisst es in den sozialen Netzwerken.

«In Wirklichkeit findet keine Arabisierung Frankreichs statt, sondern eine Franzisierung der Araber.»

Laurent Joffrin, Chefredaktor der Zeitung Libération

Diese Sicht der Dinge beruhe eher auf Ängsten als auf Fakten, entgegnete der ehemalige Chefredaktor der Linkszeitung Libération, Laurent Joffrin: «In Wirklichkeit findet keine Arabisierung Frankreichs statt, sondern eine Franzisierung der Araber.» Denn die allermeisten maghrebstämmigen Familien verzichteten auf jeden Arabischunterricht und seien erpicht, dass ihre Sprösslinge gut Französisch lernten.

Eltern präferieren Imame statt Lehrer

Tatsache ist aber auch, dass der Arabischunterricht in französischen Moscheen und Privatschulen auf wachsenden Zuspruch stösst. «Die Eltern ziehen es vor, dass ihre Kinder die Sprache des Koran von einem Imam lernen als das Hocharabische an einer republikanischen Schule», meinte die Geschichts- und Geografielehrerin Barbara Lefebvre. Die Moscheen seien zwar meist nicht islamistisch ausgerichtet, sondern dem klassischen Islam verpflichtet, der von den Salafisten bekämpft werde. Hingegen zeuge es von einem Versagen der Staatsschule, wenn immer mehr Einwandererfamilien auf deren Sprachangebote verzichteten.

Bildungsminister Blanquer räumte ein, dass sich der Arabischunterricht in Frankreich «entwickeln» müsse. Ob er damit auch eine Abkehr von der verstaubten Pädagogik des Hocharabischen meinte, liess er offen. Deutlich wurde er nur an die Adresse seiner Kritiker: «Ich habe nie gesagt, dass das Arabische in der Primarschule obligatorisch werden sollte. Aber wir haben grosses Interesse daran, den Sprachunterricht vom religiösen Fundamentalismus zu trennen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.