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PRAG: Kinderpornos auf dem Computer des Präsidenten

Zwei delikate Vorfälle sorgen derzeit in Tschechien für Aufregung: Kinderpornos bringen den Präsidenten in Erklärungsnot. Und der Prager Botschafter in der Schweiz stolpert über seine twitternde Ehefrau.
Der tschechische Präsident Milos Zeman. (Bild: Martin Divisek/EPA)

Der tschechische Präsident Milos Zeman. (Bild: Martin Divisek/EPA)

Milos Zeman polemisiert gerne. Ob EU, Frauen, Ausländer oder Minderheiten: Niemand ist vor dem Spott des tschechischen Präsidenten sicher. Jetzt ist er selber die Hauptfigur in einer peinlichen Affäre.

Vor rund einem Jahr tauchten auf Zemans Computer kinderpornografische Darstellungen auf. Medienleuten in Prag versicherte der Präsident kürzlich, sein Computer sei vermutlich von Hackern manipuliert worden. Er habe damals gerade ein Wochenende im mittelböhmischen Präsidentenschloss Lany verbracht: «Ich habe den Computer gestartet und nicht glauben können, was da passiert ist. Bis ich begriffen habe, dass es sich um einen Hackerangriff handelt.» Seine IT-Experten hätten ihm gesagt, die Attacke sei vom US-Bundesstaat Alabama ausgegangen. Auf eine Anzeige habe er aber mangels Aussicht auf Erfolg verzichtet.

Ein Jahr lang ermittelte die tschechische Polizei in dieser Angelegenheit. Spuren eines Hackerangriffs fand sie keine. Am Montag erklärte eine Polizeisprecherin in trockener Behördensprache: «Es wurde kein Verdacht auf ein unerlaubtes Vorgehen festgestellt.» Fragen von Journalisten, ob der Präsident die Bilder selber heruntergeladen habe, wehrte die Polizeisprecherin ab: «Details werden nicht bekanntgegeben.»

Zemans Sprecher Jiri Ovcarek wies derlei Spekulationen entrüstet zurück: «Auf keinen Fall hat der Präsident unzulässigen Inhalt angeklickt.» Trotz gegenteiliger Erkenntnisse der Polizei sagte der Sprecher, Zemans Computer sei «ohne Zweifel» gehackt ­worden.

IT-Sicherheitsexperte Ales Spidla versuchte, dem Präsidenten mit einer Ferndiagnose aus der Patsche zu helfen: Jemand in seiner Umgebung könnte zuvor das kompromittierende Material heruntergeladen haben, sagte Spidla dem Newsportal «aktual­ne.cz». Sollte sich diese These bestätigen, wäre der Präsident rehabilitiert. Denn dann könnte er sich auch glaubhaft als Opfer einer Rufmordkampagne darstellen, mit der irgendwelche Gegner seine erneute Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen Anfang 2018 vereiteln wollten. Zeman hatte kürzlich erklärt, ihm gefalle es sehr auf der Prager Burg, dem Amtssitz des Präsidenten. Er würde gerne für eine zweite Amtszeit Burgherr bleiben. In Tschechien erfreut sich der Mann mit lockerem Mundwerk grosser Beliebtheit. Das Volk verzeiht ihm fast alles, Trinkfestigkeit inklusive.

Eher amüsant ist die zweite Affäre, die im tschechischen Diplomatenmilieu spielt. Aussenminister Lubomir Zaoralek berief am Montag Karel Boruvka, den Prager Botschafter in Bern, vorzeitig ab. Schuld daran ist dessen Ehefrau Alena. Als eifrige Twitterin überschüttete sie Politiker und Journalisten mit Tratsch und Beleidigungen. Auch der Aussenminister ­geriet ins Visier der Diplomatengattin. Sie twitterte, er liebe sie heimlich, getraue sich aber nicht, dazu zu stehen. ­Boruvka ist aber über seine Absetzung wegen der Twitteraffäre erbost: «Auf unsere Arbeit hat diese Sache nicht den geringsten Einfluss.» Chefdiplomat Zaoralek sieht das offensichtlich anders.

Rudolf Gruber, Wien

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