Asienreise

Präsident auf Reisen: Trumps asiatischer Hochseilakt

US-Präsident Donald Trump hat seine 13-tägige Asien-Reise begonnen — für China könnte das ein Problem werden.

Felix Lee, Peking
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«Donald und Shinzo» machen die Allianz wieder grossartig: US-Präsident Trump (links) und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe signieren Caps in Kawagoe, Japan.

«Donald und Shinzo» machen die Allianz wieder grossartig: US-Präsident Trump (links) und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe signieren Caps in Kawagoe, Japan.

KEYSTONE

Als die USA vor einem Jahr Donald Trump zu ihrem Präsidenten wählten, brach im Pekinger Regierungsviertel regelrechte Freude aus. Mit Trumps Gegenkandidatin, Hillary Clinton, hatten die chinesischen Führer schlechte Erfahrungen gemacht. Als Aussenministerin hatte sie ihnen regelmässig die Leviten gelesen, etwa, indem sie Chinas anhaltend schlechte Menschenrechtslage anprangerte. Mit Obamas «Fokus auf Asien» und dem geplanten Handelsabkommen TPP (Transpazifische Partnerschaft), das eine Freihandelszone mit allen asiatischen Ländern ausser mit China vorsah, hatte Trumps Vorgängerregierung zudem ganz Südostasien zu ihrer Einflusssphäre erklärt. Die USA wollten damit unverhohlen Chinas rapide wachsenden Einfluss einhegen.

Die Route ist eine Botschaft

Am Sonntag hat ein US-Präsident eine insgesamt 13-tägige Ostasien-Reise begonnen, der zu Beginn seiner Amtszeit eine völlig andere Asien-Politik angekündigt hatte – und zwar zu einem beträchtlichen Teil im Sinne Chinas. Nun zeichnet sich ab, dass Trumps Asien-Reise zum Problem für Peking werden könnte.

Schon Trumps Reiseroute verweist auf eine Abkehr von seiner angekündigten Politik. Nach Stationen in Tokio und Seoul wird er ab Mittwoch drei Tage in China weilen. Von dort aus geht es weiter nach Vietnam und auf die Philippinen. Von China abgesehen entspricht die Auswahl dieser Länder ziemlich genau der Achse, die die Obama/Clinton-Regierung auserkoren hatte, um ebendieses China als expandierende Handels- und Militärmacht einzukreisen.

Rückzug vom Rückzug

Dabei sympathisierte Trump vor Kurzem noch mit autoritären Führungen wie jener in Peking. Vom Freihandelsabkommen TPP wollte er gar nichts wissen und stoppte die Verhandlungen. Zur Beendigung von Nordkoreas Atomwaffenprogramm sprach sich Trump im Wahlkampf sogar für Gespräche mit dem Regime in Pjöngjang aus.

Sein Credo «America first» sah zudem vor, Verbündete wie Japan und Südkorea zahlen zu lassen, wenn sie weiter von US-Truppen vor einem möglichen Angriff Nordkoreas geschützt werden wollen. Er erwog sogar einen Truppenabzug. All diese Ankündigungen kamen in Peking gut an.

Krieg der Worte mit Nordkorea

TPP hat Trump zwar gestoppt. Dafür aber bemüht er sich um bilaterale Handelsabkommen mit Japan und Südkorea. Zugleich wettert er bei jeder sich ergebenden Gelegenheit gegen Chinas angeblich unfaire Handelspraxis. Dabei ist China längst auf Washington zugegangen und verlagert Produktionsstätten zurück in die USA. Und auch im Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ist Trump nicht, wie angekündigt, auf das Regime in Pjöngjang zugegangen, sondern verhöhnt Anführer Kim Jong Un als «Little Rocket Man». Trump hat sogar damit gedroht, das Land mit «Feuer und Wut» zu überziehen, und bedient sich damit derselben schrillen Rhetorik wie Kim, der wiederum Trump als «senil» und «geisteskranken dementen US-Greis» beschimpft.

Peking blickt auf diesen Krieg der Worte mit Sorge und befürchtet, Washington könnte bewusst auf eine Eskalation des Konflikts setzen. Abgesehen von einem Atomkrieg fürchtet sich die chinesische Führung vor nichts mehr, als dass die USA das Regime in Pjöngjang stürzen und GIs unmittelbar an der chinesischen Grenze stehen.

Zugleich haben sich auch in Südkorea und Japan die politischen Parameter verschoben. Nach Japans vorgezogener Neuwahl im Oktober, die dem regierenden Shinzo Abe eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit bescherte, fühlt sich der japanische Premier nun in seiner Position gestärkt, Japans pazifistische Nachkriegsordnung über Bord zu werfen und eine militärische Wiederbewaffnung einzuläuten – inklusive der Aufrüstung mit Atomwaffen. Das wiederum dürfte Tokios ohnehin angespanntes Verhältnis zu Peking noch mehr verschlechtern.

Nervosität in Peking

In Peking macht sich wenige Tage vor dem Besuch Nervosität breit. «Der Ablauf ist so designt, dass der Präsident das Drehbuch möglichst nicht verlassen kann», versichert Elizabeth Economy vom US-Council on Foreign Relations. Daniel Russell, Obamas einstiger Spitzendiplomat für die Region, befürchtet dennoch Unheil. Trump werde in Asien einen Hochseilakt meistern müssen. Das Problem: «Trump ist ja eher der stampfende Typ.»