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Kolinda Grabar-Kitarovic, die Präsidentin nicht aller Herzen

Die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic hat an der Fussball-WM viele Sympathien gewonnen. In der Heimat gibt es aber auch Kritik.
Alexandra Pavlovic
Fussballfan und Ministerpräsidentin: Kolinda Grabar-Kitarović. (Bild: Facundo Arrizabalaga/EPA)

Fussballfan und Ministerpräsidentin: Kolinda Grabar-Kitarović. (Bild: Facundo Arrizabalaga/EPA)

Sie umarmt, sie küsst, sie lächelt: Die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic hat an der Fussball-WM allen die Show gestohlen. Bei der Medaillenvergabe nach dem Endspiel konnte jeder Zeuge ihrer herzlichen Art werden. Ihr Land hatte soeben gegen Frankreich verloren. Minutenlang stand sie im Regen, klitschnass, kein Regenschirm zur Hand, die Frisur ruiniert. Doch ihr war das egal. Im kroatischen Trikot und mit Tränen in den Augen herzte sie jeden Spieler, Trainer, Schiedsrichter und auch den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron.

Wegen dieser Gesten wird die Politikerin derzeit als die vielleicht sympathischste Verliererin der WM-Geschichte gefeiert. Kaum einer, der nicht lobende Worte für die 50-Jährige übrig hat. Als «Präsidentin der Herzen» sammelt Grabar-Kitarovic aber nicht nur wegen ihrer emotionalen Art Pluspunkte. Auch sonst kommt ihr Verhalten bei vielen gut an. So verpasste sie kein einziges WM-Spiel der Kroaten und flog nicht etwa in der Business Class nach Russland, sondern setzte sich zu den Fans in die Economy-Abteilung. Mehr Bescheidenheit geht für ein Staatsoberhaupt kaum.

Doch wer ist diese Frau, die ein Land regiert, das nur rund vier Millionen Einwohner zählt? Kolinda Grabar-Kitarović kam als Metzgerstocher in der Hafenstadt Rijeka zur Welt. Bereits mit 17 Jahren zog sie als Austauschschülerin in die USA, in Zagreb studierte sie später Englisch und Spanisch. Zusätzlich lernte sie Deutsch, liess sich an der Diplomatischen Akademie Wien ausbilden und schloss ihren Master im Fach Internationale Beziehungen ab.

Im kanadischen Ottawa trat sie anschliessend eine Diplomaten-stelle in der kroatischen Botschaft an, wurde später Europa-Ministerin ihres Landes, dann Aussenministerin sowie Nato-Vize-Generalsekretärin. Vor ihrer Wahl 2015 als erste weibliche Präsidentin Kroatiens war sie Abgeordnete und Ministerin für die national-konservative HDZ-Partei. Ständige Stütze auf ihrem Karriereweg ist ihr Mann Jakov Kitarović. Der 49-Jährige hat ihr zuliebe seinen Job als Professor an den Nagel gehängt, um sich um die Erziehung der beiden Kinder Katarina (17) und Luka (15) zu kümmern.

Kolinda Grabar-Kitarovic scheint die perfekte Kroatin zu sein. Doch in der Heimat erntet sie auch Kritik. Kolumnisten und Autoren lamentieren, sie wolle durch ihre übertriebenen Emotionalitäten nur beim Volk Punkte sammeln. Zudem habe sie durch ihre anmassenden Auftritte stets das Gegenteil gemacht, was Kroatiens Trainer Zlatko Dalic seinen Mannen predigte: Bescheidenheit. Einige Politiker wünschen sich eine zurückhaltendere Präsidentin. Sauer aufgestossen sind den Kritikern aber vor allem die Geschenke, die die Präsidentin Wladimir Putin und Donald Trump überreichte: Die umstrittenen Staatsoberhäupter erhielten je ein kroatisches Nati-Dress.

Man kann die Präsidentin mögen oder auch nicht. So oder so hat sie die Herzen der Fans erobert – und eines gezeigt: In einer Zeit von missgelaunten Politikern schadet eine Prise gute Laune und Herzlichkeit nicht.

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