Pressefreiheit: Wahrheit als Kampfbegriff

Auslandredaktorin Isabelle Daniel über die weltweit schwindende Pressefreiheit.

Isabelle Daniel
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Laut der Organisation Reporter ohne Grenzen ist die Pressefreiheit weltweit in Gefahr. Besorgniserregend ist indes nicht, dass autoritäre Regime unabhängige Berichterstattung in ihren Ländern mit immer mehr Härte unterdrücken. Besorgniserregend ist, dass auch in Demokratien ein Rückgang der Pressefreiheit zu verzeichnen ist.

Diese Entwicklung ist ein Symptom der gesellschaftlichen Polarisierung beidseits des Atlantiks. Die Wahrheit ist zum Kampfbegriff geworden. Politiker wie US-Präsident Donald Trump oder Ungarns Premier Viktor Orbán sprechen den Medien ihre Wächterrolle ab, indem sie sie zu Komplizen des «Establishments» erklären.

Auf dieses Spiel dürfen Jour­nalisten sich nicht einlassen. Ihre Aufgabe ist es, Position zu beziehen. Dies jedoch nicht um der Positionierung willen, sondern als Orientierungshilfe für die Leser. Anstatt sich ihren Platz im Freund-Feind-Bild der Polarisierer zu suchen, sollten die Medien ihren Status als vierte Gewalt verteidigen. In einer von Schwarz-Weiss-Malerei geprägten politischen Debatte muss unabhängiger Journalismus die Grautöne liefern. Denn Unabhängigkeit macht unangreifbar – gegen «Fake News»-Vorwürfe von innen und Manipulationsversuche von aussen.

Isabelle Daniel

isabelle.daniel@luzernerzeitung.ch