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Fall Khashoggi: Saudischer Kronprinz in der Schusslinie

Eine Analyse zum Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul.
Michael Wrase, Beirut
Michael Wrase

Michael Wrase

Die Eilmeldung der saudischen Tageszeitung «Arab News» soll Unschuld suggerieren: «Die Regierungen in Riad und Ankara kooperieren in der Khashoggi-Untersuchung.» «Auf Bitten des Königreiches», zitiert das Blatt den türkischen Präsidentensprecher Ibrahim Kalin, sei eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet worden, um alle Aspekte des «Falls Jamal» zu untersuchen. Für die «Arab News» scheint «die Angelegenheit» damit erledigt. Wenn zwei Staaten einen mög­lichen Mord gemeinsam auf­klären wollen, lautet die Botschaft, dann kann ein Aufklärer nicht der Mörder sein.

Tatsächlich will Riad mit der in Aussicht gestellten Kooperationsbereitschaft den bereits angerichteten Imageschaden für den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, alias «MBS», begrenzen. Unter Berufung auf türkische und amerikanische Offizielle hatten die «Washington Post» und «New York Times» in ihrer Freitagsausgabe über Ton – und Videoaufnahmen berichtet, die die Ermordung von Jamal Khashoggi angeblich zweifelsfrei belegen sollen. «Sie können hören, wie er verhört, gefoltert und dann ermordet wurde», zitieren die Blätter ihre «Sicherheitsquellen». Man wisse genau, in welchem Zimmer das Leben des saudischen Journalisten zu Ende ging. Dass das saudische Generalkonsulat in Istanbul offenbar komplett verwanzt war, wird verschwiegen.

Das Belastungsmaterial, so viel steht fest, ist dennoch erdrückend. Solange Riad nicht mit Filmaufnahmen beweisen kann, dass Jamal Khashoggi lebendig die Botschaft verlassen hat, wird der Druck auf das Wüstenkönigreich nicht abnehmen. Sollte Saudi-Arabien auch international verurteilt werden, meint der britische Nahostexperte James Dorsey, dann stelle sich die Frage, ob «MBS» als Kronprinz für sein Land überhaupt noch tragbar sei.

Saudi-Arabien bemühe sich daher mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, den stark angezählten De-facto-Herrscher des Wüstenkönigreiches aus der Schusslinie zu bringen, berichten arabische Medien. Nach Erkenntnissen des Newsportals «Middle East Eye» soll Riad inzwischen sogar ernsthaft in Erwägung ziehen, die «türkische Beweislast und damit die Tatsache, dass in seinem Generalkonsulat ein Mord begangen wurde, zu akzeptieren». Die Verantwortung für das Verbrechen wolle man dem «tiefen (saudischen) Staat», also einem rivalisierenden Machtzentrum, anlasten, das die Ablösung von «MBS» anstrebe. Westliche Beobachter mögen eine solche Verschwörungsthese für abwegig, wenn nicht gar für lächerlich halten. Tatsächlich sind die von Saudi-Arabien kontrollierten Medien schon jetzt voll mit wilden Anschuldigungen. Selbst sonst besonnene Politiker wie der Aussenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Anwar Gargasch, versucht die Vorwürfe als eine «von aussen gesteuerte Kampagne» darzustellen und warnt: «Wer dahintersteckt, wird eines Tages teuer dafür bezahlen.»

Rettung von den USA kann Riad im Moment offenbar nicht erwarten. US-Präsident Donald Trump bezeichnete das Verschwinden Khashoggis dagegen als einen «furchtbaren Präzedenzfall». Auf das Verschwinden des Dissidenten mit einem Waffenembargo gegen Saudi-Arabien zu reagieren, kommt für ihn indes nicht in Frage. «Bringt uns das irgend­etwas Gutes», beantworte er entsprechende Reporterfragen. Anstelle von US-Rüstungskonzernen kämen dann Chinesen und Russen zum Zug.

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