Pro-Kontra
Vegi-Mensa der Uni Luzern: Weitsicht oder Bevormundung?

Die vegan-vegetarische Mensa der Universität Luzern polarisiert ­­– auch auf unserer Redaktion. Hier kreuzen zwei Mitglieder die Klingen.

Livia Fischer und Lukas Nussbaumer
Livia Fischer und Lukas Nussbaumer
Merken
Drucken
Teilen

Pro: Uni Luzern geht mit gutem Beispiel voran

Es sei eine Bevormundung, eine Verpolitisierung des Essens und unverhältnismässig. So die liebsten Argumente jener, die sich am künftig vegan-vegetarischen Mensa-Angebot der Uni Luzern stören. Komischerweise ärgern sich die Personen, die höchst wahrscheinlich nicht zur Zielgruppe gehören, am meisten über die Neuausrichtung. Die Studierendenorganisation hingegen bezeichnet den Entscheid als «zukunftsorientiert» und berichtet von «überwiegend positiven Rückmeldungen» seitens Studierenden. Gleiches widerspiegeln ein Leserbrief eines hiesigen Studenten sowie Reaktionen weiteren Studis aus dem privaten Umfeld.

Livia Fischer.

Livia Fischer.

Abgesehen davon, dass die lautesten Gegnerinnen und Gegner im Diskurs nicht direkt betroffen sein dürften, greifen deren Argumente nicht. Von einer Bevormundung zu reden, ist übertrieben. Die Uni zwingt niemanden dazu, einer vegetarischen oder veganen Ernährungsweise zu folgen.

Wer beim Zmittag nicht auf Fleisch verzichten mag, findet im nächsten Umkreis günstige Alternativen und auch Selbstverpflegung in der Mensa ist erlaubt. Nicht zuletzt plant die Uni im Aussenbereich ein mobiles ergänzendes Angebot, wo Fleisch und Fisch teils auf den Speiseplan kommen. Und selbst wenn Studierende fünfmal die Woche in der Mensa vegetarisch oder vegan essen – das einzige Unverhältnismässige daran ist es, dabei von einem Zwangsregime oder einer Umerziehung zu reden. Wer Fleisch essen will, kann das abends sowie am Wochenende tun. Wobei der durchschnittliche Fleischkonsum pro Kopf die empfohlene Menge ohnehin bis ums Dreifache überschreitet.

Ausserdem: Essen ist schon längst politisch. Wie könnte das auch anders sein, wenn die Ernährung hierzulande der zweitgrösste Faktor – nach dem allgemeinen Konsum und deutlich vor Wohnen und Mobilität – bei der Umweltbelastung Einzelner ist? Der Fussabdruck einer Durchschnittsperson reduziert sich laut der Umweltschutzorganisation WWF bei vegetarischer und veganer Kost um 24 beziehungsweise 40 Prozent. Regionale Produkte verbessern den Fussabdruck in diesem Bereich indes nur um etwa vier Prozent.

Es müssen sich nicht alle rein pflanzlich ernähren. Den Konsum tierischer Produkte zu reduzieren, ist aber zwingend, wenn wir die Umwelt schonen wollen. Die Uni Luzern geht mit gutem Beispiel voran.

Kontra: Empörung ist auch als Vegetarier verständlich

Die neue Ausrichtung der Uni-Mensa auf eine vegan-vegetarische Küche stösst auf mehr Ablehnung als Zuspruch. Diesen Schluss lassen die Reaktionen unserer Leserinnen und Leser auf eine Mitteilung der Uni vom 9. Juli zu. Obwohl seit 30 Jahren Vegetarier, kann ich die Empörung verstehen. Denn es gibt mindestens vier Gründe, die gegen den Entscheid der Uni-Leitung sprechen.

Lukas Nussbaumer.

Lukas Nussbaumer.

Erstens handelt es sich um eine Einschränkung des Angebots. Die Auswahl für die Studierenden wird kleiner – Leistungs­abbau, also ein Rückschritt.

Zweitens gaukelt die Uni vor, nur mit einer fleischlosen Ernährung könne man ein reines Gewissen haben. Es tönt wie ein Hohn, wenn die Kommunikationsstelle schreibt, der neue Anbieter lege den Fokus «sehr stark auf Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität». Das neue Verpflegungskonzept sei ausserdem «frisch und gesund». Als ob ein Stück Fleisch nicht auch aus der Umgebung stammen könnte. Als ob informierte Studentinnen und Studenten nicht wüssten, wie wenig nachhaltig auch vegan-vegetarische Produkte sein können. Als ob Fleisch grundsätzlich nicht saisonal sein kann – nur, weil ein Steak oder eine Cervelat eben immer Saison haben. Als ob Fleisch grundsätzlich weder «gesund» noch «frisch» ist.

Drittens versucht die Institution, ihre Studierenden auf fragwürdige Weise zu erziehen. Erwachsene Menschen bevormunden genauso erwachsene, nur etwas jüngere Menschen. Das stört mich als Nicht-Fleischesser mehr als die fehlende Auswahl. Die Uni hat mündigen Leuten schlicht nicht vorzuschreiben, was auf ihren Teller kommt.

Viertens verpolitisiert die Uni so das Essen. Vegan-vegetarisch gleich gut, Fleisch gleich des Teufels – obwohl natürlich nur die Vorzüge der fleischlosen Ernährung genannt werden. Wenn Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann sagt, die Regierung handle strategisch und mische sich nicht in operative Belange der Uni ein, verkennt er die Lage: Hinter der Einteilung in Gut- und Schlechtmenschen stehen sehr wohl strategische Überlegungen. Lange verstecken wird sich die Regierung aber nicht können. Volksvertreter verlangen von der Regierung, die mit dem Bildungsdirektor den Vorsitzenden des strategisch agierenden Universitätsrats stellt, die Neuausrichtung auf eine vegan-vegetarische Küche wieder rückgängig zu machen.