US-Wahlen
Protest paradox: Trump-Fans demonstrieren gegen die weitere Auszählung von Stimmen – und dafür

In den immer noch umkämpften Bundesstaaten versammeln sich aufgebrachte Anhänger der Republikaner vor den Urnenbüros. Wo Trump führt, soll die Auszählung stoppen. Wo er hinten liegt, solls weitergehen.

Renzo Ruf
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Matt York / AP

Unterstützer von Präsident Donald Trump haben am Mittwoch in politisch umkämpften Bundesstaaten wie Arizona oder Michigan gegen die Art und Weise protestiert, wie die Stimmen der Präsidentschaftswahl ausgezählt werden. Im bevölkerungsreichen Verwaltungsbezirk Maricopa County in Arizona schrien die teilweise bewaffneten Trump-Fans vor dem offiziellen Wahlzentrum: «Zählt die Stimmen!», lag der Präsident zum Zeitpunkt der Demonstrationen hinter seinem Konkurrenten Joe Biden zurück.

Das Trump-Lager feuert in alle Richtungen

Neutrale Wahlanalysten prognostizierten auch am Donnerstag, dass Biden in Arizona letztlich mehr Stimmen als Trump gewinnen werde. Obwohl der Bezirk, zu dem die Grossstadt Phoenix gehört, in den letzten Jahren zu den Demokraten gekippt ist, behauptet der Wahlkampfstab von Präsident Trump, dass sich unter den ungezählten Stimmen noch Tausende von republikanischen Wahlzetteln befinden.

In Detroit (Michigan) hingegen brüllten die Demonstranten: «Stoppt die Auszählung der Stimmen!» Denn Detroit – das zum Bezirk Wayne County gehört – ist eine Hochburg der Demokraten. Das Trump-Lager behauptet, dass «korrupte» Vertreter der Partei von Joe Biden versuchten, mit Hilfe von Stimmen, die «plötzlich nach dem Wahltag auftauchten», die Mehrheit Bidens in Michigan künstlich ausbauen wollten. So formulierte Wahlkampf-Berater Jason Miller am Donnerstag im Gespräch mit Journalisten.

Wilde Spekulationen über angebliche Wahlfälschung

Ähnlich formulierte es der Präsident auf Twitter: «Sämtliche Stimmen, die nach dem Wahltag eintreffen, werden nicht gezählt.» Diese Aussage widerspricht amerikanischen Gesetzen, die zum Beispiel Ausnahmeregeln für Soldaten im Aktivdienst vorsieht.

Derweil zirkulierten im Internet wilde Behauptungen über angebliche Manipulationen des Auszählungsprozesses. «Das ist frustrierend», sagte ein Vertreter des Innenministeriums im Bundesstaat Georgia, an dessen Spitze ein Republikaner steht. Ihm jedenfalls lägen keine Hinweise auf Betrügereien durch Offizielle vor.