PRUNK: Über Geld spricht man nicht

Der saudische König Salman reist mit grossem Gefolge und 506 Tonnen Gepäck durch Asien. Dabei wird das Geschäftliche mit dem Angenehmen verbunden. Die Kosten spielen trotz sinkender Ölpreise keine Rolle.

Michael Wrase, Limassol
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Gleich sieben Regenschirme sollen König Salman trocken halten. (Bild: Achmad Ibrahim/EPA (Bogor, 1. März 2017))

Gleich sieben Regenschirme sollen König Salman trocken halten. (Bild: Achmad Ibrahim/EPA (Bogor, 1. März 2017))

Michael Wrase, Limassol

Sehen wir es zunächst einmal positiv. Die protzige Zurschaustellung von unermesslichem Reichtum durch den gestern in Brunei eingetroffenen saudischen König Salman kann auch eine Demonstration der Stärke sein. Glaubt Peter Salisbury, der im Londoner Think Tank Chatham House die Entwicklung auf der Arabischen Halbinsel analysiert und als wohlmeinender Kenner der saudischen Königsfamilie bekannt ist. Diese ist seit Ende Februar in Südostasien unterwegs.

Die sechswöchige Reise nach Indonesien, Brunei, Japan, China und auf die Malediven, auf der nicht zum ersten Mal das Angenehme mit dem Geschäftlichen verknüpft wird, haben 1500 Personen gebucht. Es sei, betonten Palast-Insider in Riad, das «übliche Gefolge», das den gebrechlich wirkenden Saudi-König Salman auf seinen Ausflügen begleitet: wichtige Prinzen, hochrangige Minister, Ärzte und Berater für alle Lebenslagen sowie Diener und eine Hundertschaft schwer bewaffneter Leibwächter.

Übergepäck ist auf der Reise nach Fernost kein Problem. Sechs Jumbojets transportieren insgesamt 506 Tonnen Fracht, um die sich nach Meldungen einer indonesischen Nachrichtenagentur 572 lokale Träger kümmerten. Das Land mit der grössten muslimischen Bevölkerung weltweit lag dem saudischen Monarchen ganz besonders am Herzen. Deshalb weilte die saudische Reisegruppe dort einige Tage länger, was den königlichen Trip aber nur unwesentlich verkomplizierte.

Goldbeschichtete Rolltreppe

Auf einer goldbeschichteten Rolltreppe verliess Salman das Flugzeug. Schliesslich wollte der 81 Jahre alte Monarch einen guten Eindruck hinterlassen. Einen kritischen Moment erlebte der König nur, als während eines Wolkenbruches auf Bali gleich sieben seiner Begleiter gleichzeitig riesige Regenschirme aufspannten. Da wirkte Seine Majestät schon ein wenig verunsichert.

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, was der Asien-Trip der Familie al Saud am Ende kostet? Die Ölpreise sind massiv gesunken. Und das Defizit im saudischen Staatshaushalt betrug schon 2016 rund 90 Milliarden Euro. Es war ein für saudische Verhältnisse eher kleiner Fehlbetrag, den König Salman sofort auszugleichen versuchte. Per Dekret kürzte er seinen Ministern die Gehälter um einen Fünftel. Selbst ihre privaten Telefongespräche sollen die Wesire fortan selber bezahlen. Sehr viel härter traf es die gemeinen Angestellten im öffentlichen Dienst. Ihre Überstunden werden künftig schlechter bezahlt. Zusammengestrichen wurde auch das Urlaubsgeld.

Zusätzliche Belastungen bringt die Einführung einer Mehrwertsteuer. Man könnte also glatt behaupten, dass das «einfache Volk» für die Extravaganzen der königlichen Familie bluten muss – und, wer weiss, eines Tages Gerechtigkeit fordert – was in der arabischen Welt bekanntlich Folgen haben kann.

Demonstration von Stärke?

«So können Sie das nicht betrachten», entgegnet mir ein saudischer Bekannter, als ich ihn mit dem Thema konfrontierte. Seine Majestät kurble mit seinem Asien-Trip die Wirtschaft an und zahle alles «aus seiner eigenen Tasche», was wohl nichts anderes heisst, als dass einige der saudischen Ölquellen für ihn allein sprudeln. Und für den Hofstaat Seiner Majestät. Zahlen werden auch hier nicht genannt. Wie in einigen mitteleuropäischen Ländern gilt auch in dem Wüstenkönigreich die Devise: «Über Geld spricht man nicht, Geld hat man.» Genug. Noch.

Ein König, der sich mit dem Ehrentitel «Hüter der Heiligen Stätten von Mekka und Medina» schmückt, sollte die Barmherzigkeit in den Mittelpunkt stellen – und das Protzen lassen. Auch wenn er darin eine «Demonstration der Stärke» sehen mag. Wirkliche Stärke, lieber König Salman, ist Demut.

Barmherzigkeit verlangt der Koran in jeder seiner 114 Suren aufs Neue. 20 Millionen Jemeniten, bei denen es sich um die südlichen Nachbarn der Saudis handelt, sind auf internationale Hilfslieferungen angewiesen, für die niemand auf der Welt bezahlen will. Benötigt werden 2,1 Milliarden Dollar, bislang eingegangen, klagt die UNO, seien lediglich 91 Millionen. Wie wäre es denn, wenn Seine Majestät die Differenz bezahlen würde und das nächste Mal, um zu sparen, mit kleinem Gefolge reist?