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«Putin droht echte Konkurrenz»

Nachgefragt
Stefan Scholl
Der liberale Oppositionspolitiker Ilja Jaschin. (Bild: ALEXANDER ZEMLIANICHENKO (AP))

Der liberale Oppositionspolitiker Ilja Jaschin. (Bild: ALEXANDER ZEMLIANICHENKO (AP))

Ilja Jaschin, 33, Oppositionspolitiker und einer der Führer der Proteste von 2012 , spricht über die neue Protestbewegung und ihren Führer Aleksej Nawalny.

Ilja Jaschin, kann man nach den Demonstrationskund­gebungen vom 26. März schon von einer neuen Protest­bewegung reden?

Auf jeden Fall gibt es einen neuen Trend. Es ist eine neue Generation herangewachsen, die nicht zufrieden ist mit dem, was passiert. Seit der letzten Grosskundgebung im Mai 2012 auf dem Bolotnaja-Platz sind fast 5 Jahre vergangen. Jetzt gehen junge Leute auf die Strasse, die damals 15 oder 12 Jahre alt gewesen sind.

Auch vor 5 Jahren waren viele junge Leute auf der Strasse.

Damals waren es eher die 25- bis 30-Jährigen. Heute sind es Teenager, für die der Fernseher grundsätzlich nicht existiert, die sich ihre Infos aus dem Smartphone oder dem Notebook holen, statt Nachrichten Videos auf Youtube schauen. Sie kennen alle Videoblogger, die in lockerer, verständlicher Form über Politik reden. Und Nawalny schwimmt sehr gut auf dieser Welle mit, es ist ihm durch seine Videoblogs gelungen, mit ihnen in Dialog zu treten.

Eine Generation, die einfache Formen mag?

Sie unterscheidet sich auch inhaltlich. Sie ist weniger zynisch als meine Generation. Die Leute, die jetzt auf die Strasse gehen, protestieren nicht allein gegen Korruption, sondern gegen Ungerechtigkeit. Die Menschen ­fühlen, dass ihr Lebensstandard sinkt und sinkt, während die Elite sich immer grössere Reichtümer zusammenstiehlt.

Wie wichtig ist Nawalny für diese neue Bewegung?

Ich glaube nicht an spontane Proteste, es braucht immer Leute, die vorangehen, Verantwortung übernehmen. Deshalb hat die Staatsmacht in den letzten Jahren so heftig gegen die Oppositionsführer der Opposition gekämpft.

Könnte der Präsidentschaftswahlkampf nächstes Jahr doch noch spannend werden?

Die Demos waren ein Signal. Wenn Putin Nawalnys Kandidatur nicht zulässt, entzieht er seiner Wahl die Legitimation: Wenn du wirklich so eine gewaltige Unterstützung im Volk hast, warum darf dann der Oppositionsführer nicht teilnehmen? Wenn er Nawalny zulässt, droht ihm, obwohl alle Behörden und Medien auf seiner Seite sind, zum ersten Mal ein echter Konkurrenzkampf. Der Wahlkampf könnte sehr stressig werden für Putin.

Interview: Stefan Scholl

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