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Putin siegt, Assad freut sich

Michael Wrase über den Syrien-Krieg
Michael Wrase
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Die CIA wird keine Waffen mehr an syrische «Rebellen» liefern. Es dauerte drei Tage, bis die USA einen entsprechenden Bericht der «Washington Post» bestätigten. Es sei eine «sehr harte Entscheidung» gewesen, sagte der Chef der Sonderein­sätze der US-Armee, General Tony Thomas, am Freitagabend. Der verdeckte Einsatz zur Unterstützung der Assad-Gegner habe nur einschränkende Wirkung gehabt und sei deswegen gestoppt worden.

Nach vier Jahren. So lange brauchte man in Washington zur Entscheidungsfindung. Grossen Wert legte General Thomas auf die Feststellung, dass der Stopp der Waffenhilfe kein Zugeständnis des US-Präsidenten an Russland war.

Genau das Gegenteil behauptet nicht nur die «Washington Post». Das Blatt zitierte einen Regierungsbeamten mit dem knappen Satz: «Putin hat in Syrien gewonnen.» Das hatte der russische Staatschef bereits im Dezember letzten Jahres nach der Rückeroberung von Aleppo durch die von seiner Luftwaffe unterstützte Assad-Armee getan. Vier Monate später verkündete das Weisse Haus, dass die Absetzung von Assad fortan «keine Priorität» mehr habe. Auch der wenige Tage später erfolgte US-Marschflugkörperangriff auf eine syrische Militärbasis, dem C-Waffen-Angriffe des Assad-Regimes vorausgegangen waren, bedeuteten keinen amerikanischen Richtungswechsel.

Auf dem G20-Gipfel von Hamburg einigten sich Wladimir Putin und Donald Trump auf einen Waffenstillstand in Südsyrien und beauftragten die russische Armee, die Feuerpause zu überwachen. Syrische Regierungstruppen hatten daraufhin endgültig den Rücken frei und konnten mit Unterstützung von Moskau und Teheran weit nach Ostsyrien vorstossen.

Wirklich klar ist die von kaschierter Konzeptionslosigkeit geprägte amerikanische Syrien-Politik allerdings auch nach der CIA-Entscheidung nicht. Nicht nur die Betroffenen fragen sich, welche der unzähligen Rebellengruppen künftig auf US-Militärhilfe verzichten müssen. Mit Sicherheit nicht die kurdisch dominierten «demokratischen Kräfte Syriens» (SDF), die gegenwärtig mit amerikanischer Schützenhilfe die IS-Hochburg Rakka belagern. Ebenfalls direkt von US-Beratern unterstützt wird das «Kommando der Revolution», das an der syrisch-irakischen Grenze die Ostoffensive der Assad-Truppen beobachtet.

Beobachter im Libanon erwarten, dass die USA in erster Linie die verdeckte Hilfe für dschihadistische Gruppen, wie den Kaida-Ableger Nusra-Front, einstellen werden. Die Organisation versucht gegenwärtig in Nordwestsyrien die Macht an sich zu reissen und einen Kleinstaat nach dem Vorbild des IS zu errichten.

Nüchtern betrachtet ist es nachvollziehbar, dass sich die USA aus dem syrischen Kernland zurückziehen, den arabischen Rumpfstaat den Russen überlassen wollen, die seit den 70er-Jahren dort militärisch präsent sind. Ein Krieg zwischen den Supermächten um Syrien wäre mit Sicherheit noch verheerender als eine fortgesetzte Assad-Herrschaft in Damaskus.

Absprachen sind daher sinnvoll. Allerdings sollten Washington und Moskau dann auch dafür sorgen, dass sich die ambitionierten Regionalmächte Türkei, Iran und Saudi-Arabien an diese Absprachen halten und nicht, wie in zurückliegenden Jahren, mit Alleingängen den Krieg in Syrien weiter anheizen.

Michael Wrase

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