Kommentar

Wahlschlappe bei Kommunalwahlen: Präsident Macron erhält die Quittung für sein schlechtes Krisenmanagement

Die Präsidentenpartei «La République en marche» (LRM) hat den zweiten Durchgang der Kommunalwahlen in Frankreich klar verloren. Nicht zuletzt wegen der Coronakrise.

Stefan Brändle, Paris
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Die Coronakrise fordert erste Opfer in der Politik. Bei den französischen Kommunalwahlen, die wegen der Pandemie von März auf diesen Sonntag verlegt wurden, hat Emmanuel Macron ein mittleres Debakel erlitten. Auf lokaler Ebene erstmals angetreten, erobert seine Partei «La République en marche» (LRM) kaum eine grössere Stadt – anders als die Altparteien, die Macron bereits abgeschrieben hatte.

Der Präsident erhält die Quittung für sein schlechtes Krisenmanagement. In der Coronakrise reagierte er zu spät und dann zu hart. Seine Kriegsrhetorik gegen das Virus übertünchte nur das Versagen seiner Exekutive, Masken und Covid-Tests zu beschaffen. Der von Macron Mitte März dekretierte Lockdown verhinderte nicht eine hohe Todesrate – und setzte die Landeswirtschaft schlicht KO. Von diesem Schlag wird sich Frankreich noch lange nicht erholen.

Frankreich gleicht derzeit einem Ruinenfeld: Die strukturelle Gelbwestenkrise ist ebenso wenig überwunden wie das Virus, befindet sich die Nation doch seither in einem Zustand des permanenten Aufruhrs.

Das zehrt an den Nerven der Franzosen. Und das wiederum ist eine schlechte Voraussetzung für eine gelassene Präsidentschaftswahl 2022. Macron weckt derzeit bei seinen Landsleuten so viel Antipathie, dass sie fähig sind, auf alle Alternativen zu setzen – inklusive der Populistin Marine Le Pen.

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