Radikale Massnahme
Lockdown in der grössten Stadt Neuseelands - wegen 3 (!) Coronafällen

«Hart und schnell»: In Ozeanien werden Millionenstädte wegen ein paar weniger Covid-19-Fälle abgeschottet. In Neuseeland trifft es nun erneut Auckland.

Matthias Stadler aus Auckland
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Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern schickt Auckland erneut in den Lockdown.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern schickt Auckland erneut in den Lockdown.

Ben Mckay / EPA

Wenn die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern davon spricht, «hart und schnell» durchzugreifen, dann meint sie das ernst. Sie bewies es Ende März vergangenen Jahres, als sie die Grenzen schloss und das Land in einen siebenwöchigen, harten Lockdown schickte. Sie bewies es Mitte August, als sie wegen vier neuer Covid-19-Fälle mit Auckland die grösste Stadt des Landes während zweieinhalb Wochen vom Rest Neuseelands abschottete und in einen zweiten Lockdown schickte. Und sie beweist es nun erneut.

Am Sonntagabend Ortszeit gab die Sozialdemokratin bekannt, dass drei neue Fälle in Auckland aufgetreten sind – dies, nachdem es im Land zuvor während Monaten fast keine neuen Ansteckungen in der Bevölkerung gegeben hatte.

Es trifft also erneut die 1,7 Millionen Einwohner von Auckland. Ab Mitternacht gilt bis vorerst Mittwochabend die zweithöchste von vier Warnstufen. Das bedeutet: Die Stadt wird erneut in den Lockdown versetzt, die Bevölkerung soll zu Hause bleiben. An den Stadtgrenzen gibt es Kontrollen, nur in Ausnahmefällen werden Personen rein- oder rausgelassen. Es dürfen sich nicht mehr als zehn Personen treffen. Museen, Bibliotheken und andere Geschäfte bleiben zu, Kinder sollen nicht in die Schule. Wie es danach weitergeht, hängt vom Verlauf des Ausbruchs ab.

Neuseeland verfolgt die «Eliminierungsstrategie»

Der Rest Neuseelands kommt vorerst erneut mit einem blauen Auge davon – wie schon im August. Für den Grossteil des Landes gilt nun die dritthöchste Alarmstufe. Bis zu 100 Personen dürfen sich treffen, ansonsten gibt es (noch) wenige Einschränkungen.

«Wir haben es schon mal geschafft, und wir werden es wieder schaffen», sagte die Premierministerin am Sonntagabend an die Bevölkerung gerichtet. Ihr Ziel ist es, dass sich das Virus nicht in der Bevölkerung ausbreiten kann, und den Ausbruch so schnell wie möglich wieder auf null zu drücken. Die Strategie der Regierung sieht vor, Covid-19 zu eliminieren.

Als Inselstaat im Südpazifik hat das Land selbstredend gewisse Vorteile, doch tun die Behörden auch alles Erdenkliche, um das Restrisiko zu minimieren. So sind etwa seit fast einem Jahr die Grenzen für ausländische Gäste zu. Und Heimkehrer müssen nach Ankunft zwei Wochen in ein Isolationshotel.

Australien passt die Massnahmen an

Die Strategie funktionierte das bis dato vergleichsweise gut. Neuseeland gilt als eines der erfolgreichsten Länder in der Bekämpfung der Pandemie. 25 Personen sind bis dato an Covid-19 gestorben, 2300 Personen trugen das Virus in sich. Die Bevölkerung konnte Monate lang fast ohne Einschränkungen den Sommer in der südlichen Hemisphäre geniessen.

Einen ähnlichen Weg hat mittlerweile auch der grosse Nachbar Australien eingeschlagen. Nachdem es dort in der zweitgrössten Stadt Melbourne im Juni und Juli zu einem Ausbruch kam und die Behörden lange Zeit eher zugeschaut als gehandelt haben, wurde die Region mit mehr als fünf Millionen Einwohnern schliesslich während fast vier Monaten abgeschottet. Es war einer der strengsten und längsten Lockdowns weltweit. Die Massnahmen gingen durch Mark und Bein.

Das zuerst zaghafte Eingreifen sowie der Blick nach Auckland, wo dank des schnellen Lockdowns im August rasch zur Normalität zurückgekehrt werden konnte, führten zu einem Umdenken in Australien. So versetzten die Behörden in Perth die Gegend beispielsweise vor wenigen Wochen wegen eines einzigen neuen Falles in einen Kurz-Lockdown – nachdem es dort zuvor über zehn Monate keinen neuen Fall gegeben hatte.

Auch Melbourne hat die Strategie angepasst: Am vergangenen Freitag wurde dort ein neuer Ausbruch bekannt, nun ist die Stadt wieder in einem neuen Lockdown – vorerst bis am Mittwoch. Davon betroffen ist auch das Australian Open, an dem sich die weltweite Tenniselite seit einer Woche die Bälle um die Ohren haut. Waren dort vorher noch Tausende Zuschauer zugelassen, spielen die Profis nun wieder vor leeren Rängen.

Die Stossrichtung ist nun also auf beiden Seiten der Tasmanischen See klar: Lieber «hart und schnell eingreifen» als halbherzige Massnahmen. Und so muss immer wieder mit neuen Lockdowns gerechnet werden.