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RAMUSH HARADINAJ: Statt Kriegsverbrecher Regierungschef

Der ehemalige Rebellenführer im Krieg gegen Serbien ist auf dem Sprung an die Spitze der kosovarischen Regierung.
Der kosovarische Politiker Ramush Haradinaj wird von Frankreich nicht ausgeliefert. (Archiv) (Bild: Jean-Francois Badias)

Der kosovarische Politiker Ramush Haradinaj wird von Frankreich nicht ausgeliefert. (Archiv) (Bild: Jean-Francois Badias)

Serbien will ihn lieber auf der Anklage- als auf der Regierungsbank sehen: Anfang des Jahres wurde der ehemalige Kosovo-Rebellenführer Ramush ­Haradinaj an der schweizerisch-französischen Grenze aufgrund eines Interpol-Haftbefehls festgenommen, aber nicht an Serbien ausgeliefert. Jetzt ist der 48-jährige Haradinaj auf dem Sprung, nach der vorgezogenen Wahl vom Sonntag neuer Regierungschef Kosovos zu werden.

Das war er schon Anfang 2006 für nur drei Monate, weil ihn das UNO-Kriegs­verbrechertribunal für Jugoslawien nach Den Haag holen liess. Zweimal wurde er in äusserst umstrittenen Verfahren von Kriegsverbrechen freigesprochen. Vorwürfe, er habe Gefangene foltern und ermorden sowie eine Reihe von Belastungs­zeugen aus dem Weg räumen lassen, haben juristisch nicht standgehalten. Haradinaj zählte im Kosovo-Krieg 1998/99 zur zweiten Garnitur der Kommandanten der Rebellenbewegung UCK. In seiner Heimatregion, im westkosovarischen Decan, hat er es zum umjubelten Helden gebracht, danach zu einem der berüchtigtsten Mafiapaten auf dem Balkan.

Geboren wurde der Bauernsohn im Juli 1968 im Dorf Glodane nahe Decan. Nach dem Gymnasium schlüpfte er in der jugoslawischen Armee unter, danach bei einem Onkel in der Schweiz, der in Luzern eine Baufirma leitete. Neffe Ramush schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. In der Schweiz schloss er sich Diaspora-Albanern an und wurde zu einem der ­grossen Waffeneinkäufer für die UCK. Vor Ausbruch des Kriegs ging er zurück nach Kosovo und ­wurde lokaler Rebellenchef, zwei seiner Brüder fielen bei ­serbischen Angriffen.

Nach dem Krieg studierte Haradinaj Jura, stieg gleich­zeitig in die Politik ein und ­gründete die Allianz für die Zukunft Kosovos (AAK). Er wurde zu einem mächtigen Gegenspieler des ehemaligen UCK-Chefs und heutigen Präsidenten Hashim Thaci, mit dem er sich neuerdings wieder prächtig versteht: Thaci will Haradinaj jetzt sogar zum Regierungschef machen. Das gemeinsame Interesse am Machterhalt und die Angst, letztlich doch noch für ungeklärte Kriegsverbrechen zur Verantwortung gezogen zu werden, lässt alle Feindschaft vergessen.

Rudolf Gruber

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