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Japans Grossstädte leiden unter chronisch überfüllten Zügen. Tokio will nun raus aus der Pendlerhölle

Tokio startet eine neue Kampagne gegen chronisch überfüllte Züge. Die Leute sollen früher zur Arbeit ­fahren. Aber haben sie dann auch einen längeren Feierabend? Schwierig im «Land der Überstunden».
Angela Köhler, Tokio
Spät abends gibt’s etwas mehr Platz. (Bild: Getty (Tokio, 17. April 2015)

Spät abends gibt’s etwas mehr Platz. (Bild: Getty (Tokio, 17. April 2015)

Tokios Rush Hour ist ein Albtraum. Zehntausende kämpfen sich in überfüllten Bahnhöfen zu ihren Zügen, werden dort von uniformierten Männern mit weissen Handschuhen zusammengepresst, gedrückt, geschoben und geschubst. Die unglücklichen Ausländer, die zur Hauptverkehrszeit in der Megametropole mit der Bahn fahren mussten, werden diese Erfahrung nie vergessen und fragen sich verstört, wie man das jeden Tag aushalten kann. Der Berufsverkehr in Tokio ist einmalig und eigentlich unvorstellbar! Japaner nennen diesen Horror die «Pendlerhölle».

Meist klaglos, aber sichtlich angeödet ertragen Millionen Japaner jeden Tag die Stosszeiten in den innerstädtischen Bahnen der Megametropolen, leiden an Platz- und Sauerstoffmangel. An besonders überfüllten Haltestellen sind diese erwähnten «Oshiya» – sogenannte Drücker – am Werk, die Passagiere tatsächlich mit Macht hineinschieben, damit sich die Türen schliessen lassen und die Züge schnell wieder abfahren können. Besonders schlimm ist es zwischen acht und neun Uhr am Morgen. In dieser Zeit liegt die Überlastungsrate auf den meisten innerstädtischen Linien bei 150 Prozent, bei den stark frequentierten Strecken erreicht sie sogar 200 Prozent. Besonders im schwülheissen Sommer ist die Anfahrt zur Arbeit eine Qual, erreichen Nippons Töchter und Söhne ihren Arbeitsplatz nur abgekämpft, ermattet und erledigt.

Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt. Auch die Ursache, dass die Arbeit in den meisten Firmen und Büros zur gleichen Zeit beginnt. Schon lange wird diskutiert, wie sich die Lage wenigstens etwas entspannen könnte. Mit der Kampagne «Jisa Biz» will Tokios Bürgermeisterin Yuriko Koike nun die notorische Überfüllung an Bahnhöfen und in Zügen während der Stosszeiten endlich spürbar reduzieren. Jisa bedeutet Zeitunterschied, Biz steht für Business. Im Klartext geht es um flexiblere Arbeitszeiten. Mehr als 700 Unternehmen und Kommunen nehmen an dem «Experiment bequemeres Pendeln» teil, das am 9. Juli angelaufen ist und bis zum 10. August 2018 andauern wird.

Mit Gutscheinen oder ­Gratisfrühstück belohnt

Man möchte Angestellte und Arbeiter vor allem dazu bewegen, früher in Betriebe und Büros zu fahren. Die Bahnbetreiber wollen dazu die Zahl der Züge in den frühen Morgenstunden zwischen fünf und acht Uhr erhöhen. In den Peak-Zeiten sind die Kapazitäten ausgereizt, ist die Belastungsgrenze der Gleise und Bahnhöfe schon erreicht. Gleichzeitig informiert eine neue App die Pendler über die aktuelle Belegung der Züge und über besondere Stausituationen an Bahnhöfen. Extra Frühpendler sollen mit Gutscheinen für Restaurants und Läden belohnt werden. Auch einige Firmen wollen ihren Frühstartern ein kostenloses Frühstück anbieten.

Jisa Biz 2018 ist bereits der zweite Anlauf, das chronische Pendlerproblem in den Griff zu bekommen. Im Sommer vergangenen Jahres hatten 320 Tokioter Firmen ihre Angestellten zu gestaffelten Arbeitszeiten animiert oder ihnen Heimarbeit angeboten. Der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen. Die neue Idee mit dem frühen Arbeitsbeginn hat nämlich ebenfalls erhebliche Tücken.

Bei den oft sehr langen Anfahrtswegen von den Wohnungen in den Tokioter Vororten müssten Zehntausende Japaner ihren Tag extrem zeitig starten. Und dann stellt sich für viele die Frage: Dürfen die Angestellten, die früher anfangen, ihren Arbeitsplatz auch früher verlassen? Im «Land der Überstunden» gibt es da erhebliche Zweifel. Immerhin hat Tokios aktionsfreudige Gouverneurin auch dafür eine Kampagne bereit. Sie heisst «Abendaktivität» und meint ausdrücklich Freizeit nach Feierabend. Allerdings sollen die Büros im Regierungsviertel erst um 20 Uhr schliessen. Also gestaltet sich auch das schwierig.

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