Medienschau
Deutsche murren über «Schwexit», Briten freut's: Das schreibt die internationale Presse zum Aus für das Rahmenabkommen

Der Abbruch der Verhandlungen löst auch ein internationales Medienecho in Europa aus. Ein Überblick:

Remo Hess, Brüssel
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Wurde auch im Ausland genau verfolgt: Die Medienkonferenz zum Rahmenabkommen in Bern.

Wurde auch im Ausland genau verfolgt: Die Medienkonferenz zum Rahmenabkommen in Bern.

Keystone

Die beiden grossen deutschen Zeitungen «Süddeutsche Zeitung» und «Frankfurter Allgemeine Zeitung» setzten die Schweiz auf ihre Titelseiten. «Die Schweiz kappt die Bande» titelte die «FAZ» und «Die Schweiz sägt an der Brücke zu Europa» die «SZ». Die Süddeutsche schreibt mit Blick auf den EU-Austritt Grossbritanniens von einem «Schwexit». In einem Kommentar heisst es, die Schweiz sollte nun «auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen»: «Maximale Vorteile bei minimalen Einbussen an Souveränität: Das ist kein fairer Deal».

"Die Schweiz kappt die Bande": Screenshot FAZ-Titelseite.

"Die Schweiz kappt die Bande": Screenshot FAZ-Titelseite.

FAZ.net

«Die Schweiz setzt mit dem Ende der Verhandlungen das traditionell enge Verhältnis zur EU einer Belastungsprobe aus», heisst es auf der Homepage der ARD-Tagesschau.

«Die Schweiz schlägt in den Verhandlungen mit der EU die Türe zu», titelt die französische Zeitung «Le Monde». Von einem «Paukenschlag» und einer «radikalen Entscheidung» ist die Rede. Das Fazit: «Manch einer in Bern fragt sich, ob sich die Schweiz angesichts der Entschlossenheit der EU, die sie sich während der aufreibenden Herausforderung des Brexits zugelegt hat, mit ihrem donnernden Abschied nicht etwas übernommen hat».

Schlagzeile "Le Monde"

Schlagzeile "Le Monde"

Screenshot "Le Monde"

Aber auch in der englischsprachigen Presse sorgte die Schweiz für Schlagzeilen. Der Bundesrat habe dem Rahmenabkommen «den Stecker gezogen» und der EU-Kommission «die kalte Schulter gezeigt», schreibt das in Brüssel einflussreiche online-Portal «Politico». Nach Jean-Claude Juncker sei das Aus ein grosser Rückschlag nicht nur für einen, sondern mit Ursula von der Leyen gleich für zwei Kommissionspräsidenten.

«Die EU-Schweiz-Beziehungen beginnen sich auseinander zu entwickeln», schreibt die «Financial Times».

«Die EU-Schweiz-Beziehungen beginnen sich auseinander zu entwickeln», schreibt die «Financial Times».

Screenshot FT

Die «Financial Times» spricht von einem «diplomatischen Scheitern» für Brüssel nach jahrelangen und intensiven Bemühungen und von «Frustration» bei der EU-Kommission. Wie beim Vereinigten Königreich werde die Schweiz aber mehr leiden als die EU, die ihre regulatorische Macht ihren Nachbarn aufzwingen könne.

Die Schweiz habe sich von den Drohungen aus Brüssel nicht beeindrucken lassen: Screenshot der britischen «Daily Mail».

Die Schweiz habe sich von den Drohungen aus Brüssel nicht beeindrucken lassen: Screenshot der britischen «Daily Mail».

Screenshot Dailymail

Positiv äussern sich vor allem britische Zeitungen. «Wie Grossbritannien war die Schweiz nicht bereit, eine bürokratische Machtübernahme zu akzeptieren, die die Souveränität bedroht», schreibt die «Daily Mail». Nach dem Brexit habe sich die EU-Kommission nochmals eine «blutige Nase» geholt.