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Rebellen hoffen auf weitere Angriffe

Michael Wrase, Limassol

Syrien Als anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang die ersten amerikanischen Marschflugkörper in Al-Schairat einschlugen, hatte sich das Personal des südlich von Homs gelegenen Luftwaffenstützpunktes schon in Sicherheit gebracht. «Die Russen waren informiert und hatten uns rechtzeitig gewarnt», erklärte Baschar al-Assads Informationsminister Ramez Turjman, der «keine weitere Eskalation» erwartet. «Ich glaube, das war ein einmaliger Militärschlag.» Selbst das sonst so grossspurige Oberkommando der Armee verzichtete – trotz der sechs als «Märtyrer» gefallenen Soldaten – auf martialische Vergeltungsdrohungen.

Vermutlich auf russische Weisung hin ist Damaskus zunächst um Schadensbegrenzung bemüht. Noch vor einer Woche hatte man sich dort über eine Überlebensgarantie aus Washington gefreut. Die rasche Kehrtwende der Amerikaner hatte das Regime wohl nicht erwartet. Solange Russland, Iran und die libanesische Hisbollah das Regime stützen, braucht sich Assad freilich keine ernsthaften Sorgen zu machen. Der Diktator sitzt noch immer fest im Sattel.

Menschen in Rebellengebieten machen sich keine Illusionen

Selbst in den von den syrischen Rebellen kontrollierten Gebieten macht man sich anscheinend keine Illusionen.

«Wenigstens heute scheint für uns einmal die Sonne», zitierte das Londoner Newsportal «Middle East Eye» den in der Provinz Idlib lebenden Kinderarzt Schadi al-Hadsch. Und der aus Aleppo stammende Elektriker Mohammed Schbeeb erklärte: «Ich hoffe, dass die internationale Staatengemeinschaft jetzt wirksame Massnahmen zur Verhinderung weiterer Assad-Verbrechen ergreift. Optimistisch bin ich aber nicht.» Solange die Angriffe nicht zum Sturz des Regimes führten, werde sich nichts ändern.

Auch in den seit vier Jahren vom Regime eingekesselten östlichen Vororten von Damaskus, in denen 2013 bis zu 1400 Menschen bei Nervengasangriffen ums Leben kamen, stösst die Syrien-Politik von US-Präsident Donald Trump noch auf Skepsis. «Was sind seine Absichten?», fragte der Gymnasiallehrer Tarik al Dimaschki, und antwortet gleich selbst: «Er will der Welt nur zeigen, dass er anders als Barak Obama reagiert.» Der hatte damals nach den Sarin-Massakern auf Militärschläge verzichtet.

Und Trump? Wird er den von nahezu allen syrischen Oppositionspolitikern geäusserten Wunsch erfüllen und weitere Militärschläge anordnen? «Nur wenn die Angriffe fortgesetzt werden, wird es uns gelingen, den Regime-Terror wirksam zu bekämpfen», sagte Hassan Hadsch Ali in Riad. Für den Sprecher des von Saudi-Arabien gestützten «Hohen Verhandlungskomitees» bleibt der Regimewechsel in Syrien mit militärischen Mitteln die einzige Option.

Mit einem Diktator, der chemische Waffen einsetze, Spitäler bombardiere und seine Gefangenen verhungern lasse, könne es keine politische Lösung geben, sagte der US-Journalist Bilal Abdul Karim, der sich als Propagandist der islamistisch-dschihadistischen Rebellen einen Namen gemacht hat.

Der Krieg wird sich wieder verschärfen

Die vom Kaida-Ableger Nusra-Front dominierten Rebellenorganisationen bilden die Speerspitze im Kampf gegen Assad. Mindestens fünf hochrangige Führer des Terrornetzwerkes wurden seit Beginn von Trumps Amtszeit schon von der US-Luftwaffe getötet. Gleichzeitig wurde «Hayat Tahrir al Scham», die neue Dachorganisation der Dschihadisten, von Washington als Terrororganisation eingestuft. Dennoch beliefern sie die Türkei, Katar und Saudi-Arabien weiter mit Waffen. Dass sich diese Staaten durch den US-Marschflugkörperangriff bestätigt, wohl gar ermutigt fühlen, liegt auf der Hand. Der Stellvertreterkrieg um Syrien wird sich daher auch ohne neue amerikanische Angriffe in den nächsten Monaten weiter verschärfen.

Michael Wrase, Limassol

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