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Religiöse Feindschaft facht neuen Krieg in Afghanistan an

Die Kämpfe zwischen der schiitischen Hazara-Minderheit und der unheilligen Allianz aus Taliban und der IS-Miliz verschärfen sich. Dies könnte eine neue, gefährliche Phase des 17 Jahre alten Krieges einläuten.
Ulrike Putz, Singapur
Landsleute der schiitischen Minderheit Hazara flüchten vor den Angriffen der Taliban in der Provinz Ghazni. (Bild: Sayed Mustafa/EPA (12. November 2018))

Landsleute der schiitischen Minderheit Hazara flüchten vor den Angriffen der Taliban in der Provinz Ghazni. (Bild: Sayed Mustafa/EPA (12. November 2018))

Experten warnen davor, dass der Krieg in Afghanistan in eine neue, noch gefährlichere Phase ein­treten könnte. Die Zunahme der konfessionsgebundenen Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten sei zutiefst alarmierend, schreibt Waliullah Rahmani von der Denkfabrik Jamestown Foundation in Washington. «Afghanistan steht anscheinend kurz davor, die Tragödien des Irak und Syriens zu wiederholen», so der Analyst.

Die vergangenen drei Wochen machen deutlich, warum Afghanistan-Kenner so besorgt sind: Seit Ende Oktober führen die Taliban einen brutalen ­Krieg gegen Angehörige der schiitischen, persisch sprechenden Minderheit der Hazara. In den Provinzen Ghazni und Uruzgan gehen die Radikalislamisten dabei mit grosser Brutalität gegen die ländliche Bevölkerung vor. Berichten zufolge wurden Dutzende Zivilisten getötet, Hunderte entführt oder verletzt. Häuser, Schulen und Verwaltungsgebäude wurden niedergebrannt.

Hazaras könnten brutal zurückschlagen

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind aus den Distrikten Jaghori und Malistan in Ghazni in den letzten Wochen etwa 7000 Menschen – bis zu 70 Prozent der Bevölkerung – vor der anhaltenden Gewalt geflohen. Lokale Politiker warnen, dass die Hazaras ebenso brutal zurückschlagen und sunnitische Dörfer überfallen könnten. Der Anführer der Schiiten, Abdul Hakim Shujaee, ist ein ehemaliger Offizier der von den USA finanzierten afghanischen Lokalpolizei. Er befehligt mehrere hundert Männer, darunter einige, die an der Seite der schiitischen Hisbollah in Syrien Kampferfahrung ­gesammelt haben sollen. «Die Regierung muss einen Waffenstillstand zwischen den Hazara und Paschtun vereinbaren, sonst kommt es zu einem Massaker», sagte Amir Mohammad Barekzai, Chef des Provinzrats von Ghazni.

Die Taliban, die mehrheitlich der Volksgruppe der sunnitischen Paschtunen angehören, sehen Schiiten als Ketzer. Die beiden islamischen Konfessionen entzweiten sich bereits im 7. Jahrhundert an der Frage, wer als legitimer Erbe des Propheten Mohammed die rasch wachsende Glaubensgemeinschaft der Muslime anführen sollte. Während die Schiiten Ali, einen Schwiegersohn Mohammeds, als Führer anerkannten, schworen die Sunniten einem Vertrauten des Religionsgründers, Abu Bakr, die Treue. Heute gehören fast 90 Prozent der Muslime der sunnitischen Glaubensgemeinschaft an. Der historisch begründete Hass lodert nach wie vor. Er ist der Treibstoff der Kriege im Irak und in Syrien und die Grundlage der Feindschaft zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien.

Die Taliban zeigen sich gesprächsbereit

In Afghanistan war konfessionelle Gewalt bis vor kurzem ungewöhnlich. Doch in den vergan­genen Monaten häuften sich Angriffe der Taliban auf von Schiiten bewohnte Enklaven: Selbstmordattentäter des seit 2015 in Afghanistan aktiven Islamischen Staats (IS) jagten sich gezielt vor schiitischen Moscheen, Kulturzentren oder sogar Schulen in die Luft. Am 12. November versammelten sich Hunderte Schiiten in Kabul, um gegen sektiererische Gewalt zu demonstrieren. Ein IS-Attentäter detonierte seine Bombe in der Menge, sechs Menschen starben, Dutzende wurden verletzt.

Während der Islamische Staat mit seiner nihilistischen Ideologie alles daransetzt, den Krieg in Afghanistan weiter in Gang zu halten, haben die Taliban in diesem Monat Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Bei einem von Russland veranstalteten Treffen sassen sie mit am Tisch, als über die Bedingungen für ein Ende des Krieges debattiert wurde. Die Taliban sind gesprächsbereit, weil sie Oberwasser haben: Noch nie waren sie so mächtig wie heute. Der Islamische Staat versucht derweil, enttäuschte Taliban abzuwerben. Die zur Schau gestellte extreme Gewalttätigkeit des IS soll Hardliner anlocken.

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