US-Wahlkampf
Republikaner in der TV-Arena: Alle Augen richten sich auf Donald Trump

Heute beginnt die nächste Phase im langen Wahlkampf um die Nachfolge von Barack Obama. Erstmals kreuzen die republikanischen Anwärter auf das Weisse Haus die Klingen.

Renzo Ruf, Washington
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Donald Trump muss sich nicht an Regeln halten.

Donald Trump muss sich nicht an Regeln halten.

Keystone

An guten Ratschlägen fehlt es nicht. Er müsse den Staatsmann geben, empfehlen mit allen Wassern gewaschene Politstrategen dem Multi-Milliardär Donald Trump. Denn nur so werde es dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten gelingen, sein Wählerpotenzial zu vergrössern. Ach was, sagen andere, wohlmeinende Berater: Trumps Erfolg beruhe eben gerade darauf, dass er sich nicht an die Ratschläge langjähriger Strategen halte, sondern dem Volk nach dem Mund rede. Deshalb werde er wie gewohnt nach allen Seiten austeilen und auch seine Parteifreunde mit seiner ätzenden Kritik nicht verschonen.

«Nett & höchst achtungsvoll»

Trump selber will sich im Vorfeld der ersten Fernsehdebatte der konservativen Anwärter auf das Weisse Haus nicht in die Karten schauen lassen. Über den Kurz-Nachrichtendienst Twitter, seinem bevorzugten Medium, verkündete er vor einigen Tagen: «Ich freue mich auf die Debatte & es ist sicherlich meine Absicht, sehr nett & höchst achtungsvoll gegenüber den anderen Kandidaten zu sein.» Andererseits hat der begabte Selbstvermarkter auch klar gemacht, dass er zurückkeilen werde, falls er von einem seiner Parteifreunde attackiert werde. Zwei Stunden lang debattiert er heute Abend (Lokalzeit) in einer Sportarena in Cleveland (Ohio).

Die Teilnehmer

Diese Top Ten diskutieren heute um 21 Uhr (Ortszeit, Freitag 3 Uhr MESZ):
- Donald Trump (69), Geschäftsmann und Fernsehstar
- Jeb Bush (62), Ex-Gouverneur Florida
- Scott Walker (47), Gouverneur Wisconsin
- Mike Huckabee (59), Ex-Gouverneur Arkansas
- Ben Carson (63), pens. Neurochirurg
- Ted Cruz (44), Senator aus Texas
- Marco Rubio (44), Senator aus Florida
- Rand Paul (52), Senator aus Kentucky
- Chris Christie (52), Gouverneur New Jersey
- John Kasich (63), Gouverneur Ohio

Debatte am Katzentisch um 17 Uhr (23 Uhr MESZ):
- Rick Perry (65), Ex-Gouverneur Texas
- Rick Santorum (57), Ex-Senator Pennsylvania
- Bobby Jindal (44), Gouverneur Louisiana
- Lindsey Graham (60), Senator South Carolina
- George Pataki (70), Ex-Gouverneur New York
- Jim Gilmore (65), Ex-Gouverneur Virginia

Eine Klasse für sich

Grob gesagt lässt sich das Feld der Republikaner in vier Gruppen aufteilen. Der 69-jährige Trump, der dank einer Mischung aus wildem Populismus und Kritik an der politischen Elite in fast allen Meinungsumfragen an der Spitze steht, ist eine Klasse für sich. Seit der Kandidatur des Geschäftsmannes Ross Perot bei den Wahlen 1992 ist es keinem politischen Aussenseiter gelungen, einen Wahlkampf derart aufzumischen. Trump hält sich (bisher) an keine Regeln des Politbetriebs weil er sich dank seines Reichtums nicht an Regeln halten muss.

Die zweite Gruppe umfasst die neun Gouverneure im Feld: kantige Politiker mit höchst unterschiedlichen Lebensläufen. Sie präsentieren sich den Wählern als Problemlöser, gestählt in Jahren der Auseinandersetzung um Sparpakete und Steuersenkungen, Debatten über die Gesundheitspolitik oder Investitionen in neue Strassen.

Die dritte Gruppe setzt sich aus den fünf Senatoren zusammen, Mitgliedern des exklusivsten Debattierklubs des Landes. Sie geben sich prinzipienfest und treten rhetorisch geschliffen auf. Handfeste Resultate aber können sie häufig nicht vorweisen, da der Senat in Washington nicht gerade als speditiv gilt. Die letzte (und kleinste) Gruppe schliesslich umfasst die Aussenseiter ohne politische Erfahrung. Sie behaupten, dass Washington versagt habe und es Zeit für neue Ideen sei.

Noch nie so ein Rummel

Weil eine Diskussion mit 17 Teilnehmern wenig sinnvoll ist, hat sich der Nachrichtensender «Fox News» für eine Zweiteilung der Debatte entschieden. Zur besten Sendezeit werden sich deshalb nur diejenigen Kandidaten messen, die gemäss den aktuellsten Meinungsumfragen den grössten Zuspruch im Publikum besitzen. Debatte Nummer zwei, die bereits am frühen Abend (Ortszeit) beginnt und als «Auseinandersetzung am Katzentisch» verspottet wird, umfasst den Rest des Feldes. Immerhin: Dank des Wirbels um Trump dominieren die Republikaner die politische Berichterstattung. «Ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemals mehr Rummel um eine frühe Fernsehdebatte gemacht wurde», sagt David Axelrod, langjähriger Berater von Präsident Barack Obama.