USA
Republikaner-Wahlkampf 1976 – als erwachsene Männer weinten

Bei den Republikanern könnten die Vorwahlen mit einem Patt enden – wie schon 1976. John Kasich war damals dabei. Heute ist er Kandidat.

Drucken
Teilen
Ronald Reagan und Gerald Ford am Parteikonvent der Republikaner im Sommer 1976 in Kansas City.

Ronald Reagan und Gerald Ford am Parteikonvent der Republikaner im Sommer 1976 in Kansas City.

William Fitz Patrick

Wenn der republikanische Präsidentschaftskandidat John Kasich dieser Tage auf seine Siegesstrategie angesprochen wird, dann sagt der Gouverneur zwei Dinge. Erstens: am kommenden Dienstag, am «Super Tuesday 2», werde er im Bundesstaat Ohio, den er seit 2011 regiert, eine Mehrheit der Stimmen gewinnen.

Und zweitens freue er sich bereits auf den Parteitag der Republikaner im Juli. Denn seiner Meinung nach wird keiner seiner Konkurrenten nach Abschluss der Vorwahlen eine absolute Mehrheit der Delegiertenstimmen auf sich vereinigen. «Das wird richtig fetzig», prognostiziert Kasich.

In der Tat: Trump gewann bisher 15 von 24 republikanischen Vorwahlen. Zuletzt bekam er am Dienstag in Michigan, Mississippi und Hawaii am meisten Stimmen. Er besitzt aber nur knapp 45 Prozent der Delegiertenstimmen.

Cruz – er gewann am Dienstag in Idaho – vereinigt rund 35 Prozent der Parteitagsdelegierten auf sich, Rubio 15 Prozent und Kasich 5 Prozent. In den Augen der aufgescheuchten Gönner der Republikaner ist ein Parteitag mit offenem Ausgang deshalb die letzte Chance, den Emporkömmling Trump noch von seinem Thron zu stossen.

Kasich war schon 1976 dabei

Dass sich Kasich über dieses Szenario freut, ist nicht weiter erstaunlich. Der heute 63-Jährige sass vor 40 Jahren in der ersten Reihe, als an einem Parteitag der Republikaner letztmals so richtig die Fetzen flogen.

Schauplatz dieser legendären Auseinandersetzung im August 1976 war Kansas City (Missouri). Nach einem langen, aufreibenden Vorwahlkampf trafen in der «Kemper Arena» die beiden Widersacher Gerald Ford und Ronald Reagan aufeinander.

Ford war 1974 ins Weisse Haus eingezogen, als Richard Nixon im Zuge der Watergate-Affäre zurücktreten musste. Politisch wirkte Ford glücklos, obwohl er vielen Amerikanern sympathisch war. Darin sah Parteifreund Reagan seine Chance.

Der charismatische Ex-Gouverneur von Kalifornien warf dem Präsidenten vor, das Profil der Republikaner zu verwischen und mit seinem aussenpolitischen Kurs den Status Amerikas als Supermacht aufs Spiel zu setzen.

Der Vorwahlkampf begann harzig für Reagan. In Iowa und New Hampshire setzte es Niederlagen ab. Ende März aber fing er Feuer. Als der Vorwahl-Zirkus im Juni zum Ende kam, hatte der Herausforderer 23 Staaten gewonnen. Ford erzielte in 27 Staaten eine Stimmenmehrheit.

Präsidentschaftskandidaten aber werden indirekt gewählt – an Parteitagen, durch die Stimmenabgabe von Delegierten. Und in diesem Wettstreit zeichnete sich im Sommer 1976 ein Patt ab.

Wenige Tage vor dem Beginn des Konvents in Kansas City besassen weder Ford noch Reagan eine absolute Mehrheit der Delegiertenstimmen. Einige Beobachter sahen den Präsidenten vorne, andere seinen Herausforderer.

Schwerer Schlag für Reagan-Team

Eine Abstimmung über eine Nebensächlichkeit (einen Änderungsantrag für die Spielregeln des Parteitags, der aus der Küche von Reagans Wahlkampfmanager John Sears stammte) entschied das Duell schliesslich.

Am zweiten Tag des Parteikonvents entschied Gerald Ford eine Testabstimmung für sich, die erstmals Aufschluss über die Machtverhältnisse gab. Der Kampf war mit diesem symbolischen Sieg über Reagan entschieden.

Einen Tag später, als die Republikaner ihren Präsidentschaftskandidaten nominierten, gewann der Amtsinhaber 1187 Delegiertenstimmen – 117 Stimmen mehr als Reagan. Die Niederlage habe die Wahlkampfhelfer des Herausforderers schwer getroffen, erinnerte sich John Kasich später. Als sich Reagan persönlich für den Einsatz seines Teams bedankte, hätten «erwachsene Männer geweint».

Natürlich sind Vergleiche zwischen 2016 und 1976 nur bedingt möglich. Damals war es der Aussenseiter, der im Machtkampf mit der Parteielite über die schlechteren Karten verfügte. Jetzt ist es gerade umgekehrt: Trump sieht sich im Vorteil, auch wenn er vielleicht am 18. Juli, wenn der Parteitag der Republikaner beginnt, nicht eine absolute Mehrheit der Delegierten hinter sich weiss. Kasich wird übrigens am Parteitag wieder in der ersten Reihe sitzen. Die Republikaner tagen nämlich in Cleveland, in Kasichs Heimatstaat Ohio.

Aktuelle Nachrichten