Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Sea-Watch-Kapitänin fordert Salvini heraus

Die 31-jährige Deutsche Carola Rackete ist Kommandantin der «Sea Watch 3». Sie hat angekündigt, 42 gerettete Flüchtlinge trotz des Verbots von Innenminister Matteo Salvini nach Lampedusa zu bringen.
Dominik Straub, Rom
Das Rettungsschiff Sea Watch 3 im Hafen der sizilianischen Stadt Catania. (Bild: Fabrizio Villa/Getty, 31. Januar 2019)

Das Rettungsschiff Sea Watch 3 im Hafen der sizilianischen Stadt Catania. (Bild: Fabrizio Villa/Getty, 31. Januar 2019)

Carola Rackete, Kapitänin der «Sea Watch 3».

Carola Rackete, Kapitänin der «Sea Watch 3».

Die «Sea Watch 3» der gleichnamigen deutschen Hilfsorganisation dümpelt bereits seit zwei Wochen knapp ausserhalb der italienischen Hoheitsgewässer vor Lampedusa, dem südlichsten Punkt Europas. Die Insel befindet sich auf Sichtweite des Schiffs, keine zwei Stunden Fahrt entfernt. Auf dem Deck befinden sich auf engstem Raum 42 Flüchtlinge, unter der sengenden Sonne des südlichen Mittelmeers. «Die Migranten sind verzweifelt, einige drohen mit einem Hungerstreik, andere wollen ins Meer springen oder sich die Pulsadern aufschneiden», sagte Carola Rackete gegenüber der Römer Zeitung «La Repubblica».

Die junge Kapitänin aus dem deutschen Bundesland Niedersachsen hatte nach der Rettung der Flüchtlinge per Funk um Zuweisung eines sicheren Hafens gebeten, aber sowohl von den italienischen als auch von den maltesischen Behörden eine Absage erhalten. «Holländisches Schiff, deutsche Hilfsorganisation – also die Hälfte der Migranten nach Amsterdam, die andere Hälfte nach Berlin. Und dann Beschlagnahmung des Piratenschiffs. Punkt», twitterte Italiens Innenminister Matteo Salvini. Dank eines neuen Dekrets, das er vor wenigen Tagen durchs Parlament geboxt hat, kann der Chef der rechtsradikalen Lega nun Schiffen, die er als «Gefahr für die nationale Sicherheit» betrachtet, die Einfahrt in italienische Hoheitsgewässer verweigern. Schiffsbesatzungen, die sich nicht daran halten, drohen Bussen bis zu 50 000 Euro.

Rackete drohen Busse und Anklage

Nach wochenlangem Nervenkrieg will Carola Rackete dies nun in Kauf nehmen: Sie erklärte, dass sie die Flüchtlinge trotz des Verbots nach Lampedusa bringen werde. «Ich habe keine andere Wahl, denn die Migranten an Bord sind am Ende ihrer Kräfte», erklärt sie. Auch sie selber ist von der Warterei auf See gezeichnet und sagt, dass sie in der Nacht kaum noch schlafen könne. Rackete weiss, dass sie bei der Missachtung von Salvinis Weisung in Italien nicht nur eine hohe Busse und die Beschlagnahmung ihres Schiffs, sondern auch eine Anklage wegen Beihilfe zur illegalen Immigration und wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung riskiert. Damit droht ihr eine langjährige Zuchthausstrafe.

Die Flüchtlinge waren von der 22-köpfigen Crew der «Sea Watch 3» am Morgen des 12. Juni vor der libyschen Küste aus Seenot gerettet worden. Damals waren es noch 53 Personen gewesen. Elf von ihnen hat Italien inzwischen an Land gehen lassen: Schwangere, Kleinkinder und Kranke. Den Vorschlag Salvinis, die verbliebenen Migranten nach Holland oder Deutschland zu bringen, bezeichnet Rackete als lächerlich: «Man müsste ja ganz Europa umrunden.» Gestern Abend hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte indessen den italienischen Behörden recht gegeben und eine Beschwerde der Kapitänin und ihrer 42 Passagiere abgewiesen: Für den von der «Sea Watch 3» beantragten Transport der Flüchtlinge nach Lampedusa lägen keine zwingenden Gründe vor, da diese keine irreparablen Schäden an Leib und Leben zu befürchten hätten.

Die «Sea Watch 3»-Kapitänin, die nun vor ihrer bisher schwierigsten Entscheidung steht, hatte Nautik studiert und sich danach zur Schiffsführerin ausbilden lassen. Sie verfügt über einen Mastertitel in Naturschutz. Bevor sie 2016 zur Organisation Sea Watch stiess, nahm sie auf Eisbrechern an Polarexpeditionen teil; später fuhr sie auch für Greenpeace.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.