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Riads Atompläne sorgen für Unruhe

Das Atomprogramm Saudi-Arabiens könnte den Konflikt am Persischen Golf anheizen. Ein erster Reaktor bei Riad ist fast fertiggestellt. Teheran spricht von einer Gefahr für die Region.
Thomas Seibert, Istanbul
Mohammed bin Salman sagte schon 2018, Saudi-Arabien könnte sich Nuklearwaffen beschaffen. (Bild: R. Mazalan/AP; Buenos Aires, 30. November 2018)

Mohammed bin Salman sagte schon 2018, Saudi-Arabien könnte sich Nuklearwaffen beschaffen. (Bild: R. Mazalan/AP; Buenos Aires, 30. November 2018)

Ein mächtiges Land im Nahen Osten droht offen mit der Entwicklung von Atomwaffen und hat seinen ersten Atomreaktor fast fertiggestellt, verweigert bisher aber Kontrollbesuche der internationalen Atomenergiebehörde. Die USA drohen nicht etwa mit Sanktionen wie im Fall Iran, sondern bieten dem undemokratischen Regime die Lieferung nuklearer Technologie an. Das Land, um das es geht, ist Saudi-Arabien.

Offiziell hat das Atomprogramm der Regierung in Riad das Ziel, den wachsenden Energiebedarf des Landes zu decken. Doch westliche Politiker und Beobachter sind besorgt, dass die Pläne ein atomares Wettrüsten im Nahen Osten auslösen könnten. Der Iran will jedenfalls nicht tatenlos zuschauen. Im Westen steht das Atomprogramm des Irans im Zentrum des Interesses. Das Atomabkommen von 2015 sollte den Bau einer iranischen Atomwaffe verhindern, steht wegen des Austritts der USA aber vor dem Kollaps.

Teilabzug von US-Diplomaten im Irak

Derzeit wachsen die Spannungen zwischen dem Iran und den USA, die das Teheraner Regime mit Wirtschaftssanktionen zu weiteren Zugeständnissen in der Atomfrage zwingen wollen. Gestern ordnete die amerikanische Re­gierung einen Teilabzug von US-Botschaftspersonal aus dem Irak an, wo pro-iranische Milizen und Truppen der iranischen Revolutionsgarden aktiv sind. Die deutsche Bundeswehr setzt ihr Ausbildungsprogramm für die irakischen Streitkräfte aus.

Eine iranische Atombombe ist nicht nur für Israel, die bisher einzige Atommacht im Nahen Osten, ein Albtraum. Der Westen toleriert Israels Atomwaffenprogramm, ist aber gegen eine Weiterverbreitung der Waffen in der Region. Der Iran gilt als besonders gefährlich, weil das Mullah-Regime mit der Vernichtung Israels droht und Nuklearwaffen an regionale Partner wie die Hisbollah im Libanon weitergeben könnte.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman sagte im vergangenen Jahr, auch sein Land werde sich Nuklearwaffen beschaffen, wenn der Iran dasselbe tue. Saudi-Arabien plant den Bau von mindestens 16 Atomkraftwerken in den kommenden 25 Jahren. Amerikanische Unternehmen gehören zu den Firmen, die sich für dieses 80-Milliarden-Dollar-Projekt interessieren. Doch bei Gesprächen über die mögliche Lieferung von US-Atomtechnologie machte die saudische Seite laut Medienberichten klar, dass sie auch die Anreicherung von Uran anstrebt und keine entsprechende Verzichtserklärung unterzeichnen will.

Zudem lassen sich die Saudis bei ihrem Atomprogramm nicht gern von internationalen Kontrolleuren in die Karten schauen. Vor wenigen Wochen tauchten Satellitenbilder auf, die einen fast fertiggestellten Reaktor in einer Forschungseinrichtung bei Riad zeigten. Der von einem argentinischen Unternehmen gebaute Atommeiler ist zwar nur ein relativ kleiner Versuchsreaktor. Doch bisher hat Saudi-Arabien keine Besuche der Atomenergiebehörde IAEA genehmigt.

Kritiker der saudischen Politik verweisen noch auf einen anderen Aspekt. Mohammed bin Salman, genannt MBS, führt Krieg im Jemen und geht brutal gegen Andersdenkende vor. Medienberichten zufolge arbeitet Saudi-Arabien zudem an der Herstellung ballistischer Raketen, möglicherweise mit Hilfe Chinas. Der Mord an dem Regimekritiker Jamal Khashoggi im vergangenen Jahr werfe die Frage auf, ob man der saudischen Regierung mit atomarer Technologie trauen könne, sagte US-Senator Marco Rubio der Internetseite «Daily Beast».

«Schlimmer als Hitler»

In der aktuellen Krise am Persischen Golf steht die saudische Regierung auf der Seite der USA. Mit neuen Luftangriffen im Jemen reagierte Riad auf Drohnenattacken der jemenitischen Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Thronfolger MBS wirft dem iranischen Revolutionsführer Ali Khamenei vor, er sei schlimmer als Hitler.

Iranische Regierungspolitiker haben die saudische Führung im Verdacht, zusammen mit Hardlinern in der amerikanischen Regierung einen Regimewechsel in Teheran zu erzwingen. Aussenminister Dschawad Sarif nennt MBS einen Kriegstreiber, der zusammen mit Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und US-Sicherheitsberater John Bolton ­einen Konflikt mit dem Iran anzetteln wolle.

Ein mögliches saudisches Atomwaffenprojekt will der Iran nicht hinnehmen. Ali Schamkhani, Sekretär des iranischen nationalen Sicherheitsrates, kritisierte kürzlich «verdächtige Atomprojekte» in der Region, die nicht unbeantwortet bleiben würden. Als Reaktion auf «neue Bedrohungen» werde der Iran seine Verteidigungsstrategie anpassen. Revolutionsführer Khamenei betonte, es sei kein Problem für sein Land, in eine höhere Urananreicherung einzusteigen.

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