RIO: Papst wettert gegen «vergängliche Götzen»

Am Copacabana-Strand hat das Glaubensfest begonnen: Hunderttausende kamen in Rio de Janeiro zur Eröffnungsmesse des Weltjugendtages. Papst Franziskus warnte derweil am Mittwoch im brasilianischen Wallfahrtsort Aparecida vor «vergänglichen Götzen» und rief zur Rückkehr zum wahren Glauben auf.

sda
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Papst Franziskus am Mittwoch bei der heiligen Messe in Rio. (Bild: Keystone)

Papst Franziskus am Mittwoch bei der heiligen Messe in Rio. (Bild: Keystone)

In seiner ersten Messe auf brasilianischem Boden wetterte Franziskus in der Basilika von Aparecida gegen Geld, Erfolg, Macht und Vergnügen als die Götzen auch vieler junger Leute. Vor bis zu 200'000 Menschen stellte der Papst christliche Werte wie Grossherzigkeit, Ausdauer und Brüderlichkeit dagegen.

«Der Stärkste ist Gott, und Gott ist unsere Hoffnung», sagte er. Junge Menschen sollten dabei unterstützt werden, eine bessere Welt aufzubauen.

Wie zuvor in Rio war der argentinische Papst in dem bedeutenden Wallfahrtsort jubelnd empfangen worden. Strikteste Sicherheitsmassnahmen begleiteten seinen Besuch, nachdem am Sonntag in Aparecida ein selbstgebauter Sprengsatz von der Polizei gefunden und entschärft worden war.

Wunder-Geschichte um den Wallfahrtsort

Der Überlieferung nach fanden in Aparecida drei Fischer im Oktober 1717 eine kleine Marienfigur, als sie ihre Netze im Paraíba-Fluss auswarfen. Doch war das Abbild ohne Kopf.

Als sie noch einmal die Netze auswarfen, fanden sie auch den Kopf. Nachdem sie beides zusammengefügt hatten, wurde die nur 40 Zentimeter hohe Figur der Schwarzen Madonna so schwer, dass sie zunächst nicht mehr bewegt werden konnte.

Auch fingen die Fischer so viele Fische, dass ihr Boot unterzugehen drohte. Jorge Mario Bergoglio kennt den Wallfahrtsort noch von einem wichtigen Treffen der lateinamerikanischen Bischöfe her.

Erzbischof von Rio begrüsst die Jugend

Schon am Dienstagabend hatte die katholische Kirche mit einer Messe vor Hunderttausenden Gläubigen in Rio de Janeiro ihren Weltjugendtag begonnen. Am weltgrössten Katholiken-Treffen nehmen bis Sonntag etwa 1,5 Millionen Pilger teil. Franziskus stösst erst am Donnerstag dazu.

Am Strand von Copacabana hiess Rios Erzbischof Orani João Tempesta Jugendliche aus 175 Ländern willkommen. «In dieser Woche verwandelt sich Rio in das lebendige und junge Zentrum der Kirche», sagte er in seiner Predigt, die auf riesigen Bildschirmen entlang des kilometerlangen Strandes übertragen wurde.

«Wir sind aufgerufen, die Protagonisten einer neuen Welt zu sein. Die Welt braucht Jugendliche wie Euch!», sagte er.

An der Eröffnungsmesse nahmen nach ersten Polizeischätzungen rund 400'000 Menschen teil. Nach Veranstalterangaben waren es über 500'000 Teilnehmer. Der Weltjugendtag steht unter dem Motto «Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker der Erde», was dem Matthäus-Evangelium entnommen ist.

Linke Staatschefs beim «Stellvertreter Gottes»

Der Weltjugendtag endet am Sonntag mit einer feierlichen Messe, die der Papst in Guaratiba halten wird. Zahlreiche lateinamerikanische Spitzenpolitiker haben nach Vatikan-Angaben ihr Kommen angekündigt, darunter die Präsidenten von Argentinien, Bolivien und Surinam - Cristina Fernández de Kirchner, Evo Morales und Dési Bouterse.

Mit der Messe schliesst Franziskus, der frühere Erzbischof von Buenos Aires, dann auch die erste Auslandsreise seines Pontifikats ab.