Stockholm
Risiko Trump und Kim: Friedensnobelpreis geht an Anti-Atomwaffen-Kampagne

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) erhält den Friedensnobelpreis. Dies gab das Nobelpreiskomitee am Freitag in Oslo bekannt. Der Preis ist mit neun Millionen schwedischen Kronen (1,08 Mio. Franken) dotiert.

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Friedensnobelpreiträger
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ICAN-Vertreter Beatrice Fihn, Daniel Hogsta und Grethe Ostern.
Sascha Hach, Xanthe Hall und Anne Balzer von ICAN Deutschland.
2017: Die internationale Kampagne zur Abrüstung von Atomwaffen erhält den Nobelpreis.
2016: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos erhielt den Nobelpreis für Frieden - nachdem er mit der ELN-Guerillia den Friedensvertrag unterzeichnete.
2015: Houcine Abbassi erhielt den Nobelpreis als Mitglied des Quartetts für den Frieden, das die Jasmine-Revolution in Tunesien initiierte.
Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi mit ihren Nobelpreisen 2014: Mala Yousafzai und Kailash Satyarthi erhalten den Preis für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und Jugendlichen und für das Recht aller Kinder auf Bildung.
2013: Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen wird geehrt.
2012: Die Europäische Union erhält den Preis für ihren Friedensbeitrag nach dem Zweiten Weltkrieg.
1901: Der Schweizer Henry Dunant war Gründer des Roten Kreuzes und Nobelpreisträger.

Friedensnobelpreiträger

Keystone

Die Geschäftsführerin des frisch gebackenen Friedensnobelpreisträgers ICAN, Beatrice Fihn, ist überwältigt. "Wir bekamen den Anruf nur ein paar Minuten vor der offiziellen Verkündung", sagte Fihn.

"Wir waren schockiert, dann haben wir gekichert und einen Moment gedacht, der Anruf war vielleicht ein Scherz." Sie seien zutiefst dankbar, sagte die 34-jährige Geschäftsführerin der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), am Freitag vor ihrem Büro in Genf.

Der Friedensnobelpreis an die ICAN soll die Atom-Nationen auffordern, ihre Verpflichtungen zum Verzicht auf Atomwaffen einzuhalten. Jury-Chefin Berit Reiss-Andersen sagte am Freitag: "Wir senden Botschaften an alle Staaten, vor allem die mit Atomwaffen."

Der Nobelpreis sei nicht als Kritik an einem konkreten Land zu verstehen. "Wir treten mit diesem Preis niemandem vors Schienbein", sagte sie.

Das Risiko, dass Atomwaffen zum Einsatz kämen, sei derzeit grösser als seit langer Zeit. Mehrere Staaten modernisierten ihre Arsenale und die Gefahr sei real, dass mehr Länder versuchten, Atomwaffen herzustellen. Konkret nannte Reiss-Andersen Nordkorea.

Kleines Team

Das ICAN-Büro in Genf besteht nur aus vier Leuten, alle unter 35 Jahre alt. Das Bündnis selbst ist deutlich grösser: 450 Friedensgruppen und Organisationen, die sich seit Jahren für Abrüstung engagieren.

Vor zehn Jahren kamen sie zusammen, um sich gemeinsam für einen Vertrag gegen Atomwaffen einzusetzen. Treibende Kraft waren nicht Regierungen, sondern Zehntausende Aktivisten in mehr als 100 Ländern. Im Juli 2017 wurde das Vertragswerk von über 120 UNO-Mitgliedsländern beschlossen.

Es verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen und kam gegen den Widerstand der Atommächte und den mit ihnen verbündeten Staaten zustande. Die Vereinbarung hat weitgehend symbolische Bedeutung.

Schweiz unterzeichnete nicht

Die neun bekannten Atommächte, darunter die fünf UNO-Vetomächte USA, Russland, China, Grossbritannien und Frankreich, hatten die Verhandlungen für das Abkommen boykottiert. Auch die meisten NATO-Staaten beteiligten sich nicht an den Gesprächen, darunter Deutschland.

Dafür nahm das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) an den Verhandlungen teil. IKRK-Präsident Peter Maurer hatte nach Annahme des Abkommens im Juli von einer "historischen Etappe" und einem wichtigen Erfolg für die Menschheit gesprochen.

Die Unterzeichnung des Abkommens begann im September. Vertreter von Dutzenden Ländern setzten ihre Unterschrift unter das Vertragswerk. Die Schweiz gehörte nicht dazu. Die Evaluierung des Vertragstextes werde mehrere Monate in Anspruch nehmen, hatte es im September von Seiten des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) geheissen.