Philippinen
Rodrigo Duterte: Der asiatische Donald Trump

Der neue Präsident Rodrigo Duterte hält wenig von Menschenrechten und viel von Gewalt. Seine unkonventionellen Ansichten und seine Offenheit erinnern an US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump.

Daniel Kestenholz, Bangkok
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Neuer starker Mann auf den Philippinen: Wahlsieger Rodrigo Duterte.

Neuer starker Mann auf den Philippinen: Wahlsieger Rodrigo Duterte.

Keystone

Rodrigo Duterte fackelt gewöhnlich nicht lange. Er flucht gerne, macht kein Geheimnis um seine vielen Affären, hat ein Herz für Randgruppen und ist der Albtraum von Kriminellen, die er eigenhändig und gleich reihenweise umlegen will. «Duterte Harry», wie ihn das Volk in Anlehnung an Clint Eastwoods ruchlosen Polizeihaudegen «Dirty Harry» nennt, Duterte Harry ist der designierte Präsident der Philippinen.

Der hemdsärmlige Aussenseiter mit der Macho-Visage hängte bei den Wahlen am Montag mit fast 39 Prozent der Stimmen seine vier Kontrahenten locker ab. Den Philippinen dürften unter dem Mann fürs Grobe, der gewöhnlich einen .38-Revoler im Hosenbund trägt, turbulente Tage bevorstehen. Ähnlich wie Ende der 1990-er Jahre, als es mit Joseph Estrada ein Drittklass-Schauspieler und Held der Armen in den Malacañang-Präsidentenpalast schaffte. Duterte wird zwar nicht den mitternächtlichen Zechgelagen Estradas erliegen. Doch seine unorthodoxe Auslegung des Rechts dürfte für den einen oder anderen Konflikt mit der Elite des Landes sorgen, für die seine Wahl eine schallende Ohrfeige bedeutet.

Sehnsucht nach dem starken Mann

Duterte ist gewissermassen der Donald Trump Asiens. Seine unkonventionellen Ansichten und seine schamlose Offenheit sind der Schrecken jedes etablierten Politikers, stossen aber gerade bei der breiten Bevölkerung auf Begeisterung. Das erklärt, weshalb auch sämtliche Wahlbezirke im Einzugsgebiet der von Slums, Schmutz und Ungleichheit geprägten Hauptstadt Manila den politischen Aussenseiter wählten.

Der 71-Jährige verspricht Wandel. Und die von Armut, Ausbeutung und Rechtsunsicherheit gebeutelten Filipinos sehnen sich nach einem starken Mann, der mit Mächtigen und Einflussreichen nicht viel Federlesens macht. Mit der Wahl Dutertes verklären die Filipinos die vor drei Jahrzehnten gestürzte Marcos-Diktatur, die in den Augen vieler für bessere Zeiten steht. Denn in drei Jahrzehnten Demokratie haben es gewählte Politiker nicht geschafft, die Vorteile von Menschenrechten und freier Gesellschaft gegenüber dem Kriegsrecht vorzuleben. Starke Führungsqualitäten sind für die Mehrheit der Filipinos wichtiger als die Einhaltung der Rechtsordnung.

An Wirtschaftsfragen ist Duterte – anders als etwa der abtretende Präsident Benigno Aquino III – schlicht nicht interessiert; auch fehlt ihm die entsprechende Erfahrung. Präsident Aquino glich den Haushalt aus, die Auslandsinvestitionen wurden vervierfacht und die Wirtschaft wuchs um durchschnittlich sechs Prozent. Dennoch gaben selbst die Menschen im bessergestellten Grossraum Manila ihre Stimme nicht politisch versierteren Gegenkandidaten, sondern dem Verbrecherbekämpfer Duterte.

Dieser war 22 Jahre lang Bürgermeister der ehemaligen «Kapitale der Morde» Davao City, die heuer als eine der friedlichsten Städte Südostasiens gilt. Bei Todesschwadronen drückte er gerne beide Augen zu und bewaffnete auch Milizen, die mit Kriminellen und Kommunisten aufräumten. Die Philippinen brauchten nicht noch mehr Gefängnisse, sagte Duterte im Wahlkampf, sondern Bestattungsinstitute. Das sei zweckmässiger für Drogenhändler.

Reumütiger Brief an den Papst

Wie auch Trump nach und nach präsidialere Töne anzuschlagen scheint, versucht auch Duterte, sich zu mässigen. So gelobte er, nicht länger öffentlich zu fluchen. Dem von ihm einmal als «Hurensohn» verfluchten Papst Franziskus schickte er einen reumütigen Brief. Doch Duterte ist Duterte. «Vergesst Gesetze zu Menschenrechten», sagte er unlängst. «Wenn ich es in den Präsidentenpalast schaffe, mache ich das gleiche wie als Bürgermeister. Ihr Drogenhändler, Banditen und Nichtsnutze, haut besser ab. Weil ich euch umbringe.» Und er versprach, sich und seinen Schergen eine Amnestie für «mehrfachen Mord» auszustellen.