Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Rom muss sich bewegen

Auslandkorrespondent Dominik Straub über das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle in Italien und dessen Auswirkungen.
Dominik Straub
Dominik Straub

Dominik Straub

Die Autonomie-Abstimmungen in der Lombardei und im Veneto mögen politisch nicht bindend und die Stimmbeteiligung in der Lombardei nicht überwältigend sein – aber eines steht fest: Die «norditalienische Frage», die letztlich eine nationale Frage darstellt, ist auf die politische Agenda Italiens zurückgekehrt. Es geht darum, wie viel Solidarität dem reichen Norden zu Gunsten des armen Südens zugemutet werden kann und darf.

Die Antwort fällt je nach politischem Standpunkt unterschiedlich aus – aber dass der Norden nicht mehr im bisherigen Ausmass geschröpft werden kann, findet nicht nur die einst separatistische Lega Nord: Die Referenden sind auch von der Protestbewegung Beppe Grillos, von Silvio Berlusconis Forza Italia und auch von Teilen des regierenden PD von Premier Paolo Gentiloni unterstützt worden.

Die Unternehmen Norditaliens leiden unter einer exzessiven Steuerbelastung und unter einer lähmenden Bürokratie des Zentralstaats. Wenig zur öffentlichen Akzeptanz der seit Jahrzehnten anhaltenden Subventionierung des Mezzogiorno trägt auch der bei vielen Bürgern herrschende Eindruck bei, dass etliche der Finanzhilfen im Süden in undurchsichtigen Kanälen versickerten, Politikerprivilegien dienten oder anders verschwendet werden.

Die Regierung in Rom muss den Unmut im Norden endlich ernst nehmen und dafür sorgen, dass die Gelder im Süden effizient eingesetzt werden – dann wird von alleine weniger Hilfe notwendig sein. Die Referenden sind die vielleicht letzte Chance für die Zentralregierung, sich zu bewegen: Im Unterschied zu den Katalanen stellen die Lombardei und der Veneto ihre Forderungen im Rahmen von Rechtsstaat und Verfassung. Werden ihre Anliegen erneut ignoriert, könnte bei einem nächsten Referendum dieser Rahmen gesprengt werden.

Dominik Straub

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.