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Rückkehr eines Erniedrigten

Er war tief gefallen, schien politisch erledigt – doch jetzt feiert der französische Ex-Präsident François Hollande ein fulminantes Comeback. Mit Nachfolger Emmanuel Macron hat er noch eine Rechnung offen.
François Hollande reitet gerade auf einer Welle der Sympathie und signiert sein Erfolgsbuch "Lektionen der Macht" in einem Buchladen in Paris. (Ian Langsdon/EPA; 23. April 2018)

François Hollande reitet gerade auf einer Welle der Sympathie und signiert sein Erfolgsbuch "Lektionen der Macht" in einem Buchladen in Paris. (Ian Langsdon/EPA; 23. April 2018)

Im besten Fall wurde er belächelt; sonst flogen auch mal faule Eier, etwa wenn François Hollande die Pariser Landwirtschaftsmesse besuchte. Der Präsident von 2012 bis 2017 habe einfach nicht die Aura eines Charles de Gaulle, François Mitterrand oder Jacques Chirac, hiess es. Noch in diesem April spottete die Kommentatorin ­Sophie Coignard, Hollandes ganze Präsidentschaft sei wie seine Wahl gewesen: «ein blosser Unfall der Geschichte».

Doch oh Wunder: Zwei Monate später ist Hollande der Mann der Stunde der französischen Politik. Er wird mehr interviewt als Linkenchef Jean-Luc Mélenchon, ist häufiger in Talkshows zu sehen als der offizielle und wenig bekannte Vorsteher der Sozialistischen Partei, Olivier Faure. Anlass der «Hollande-Nostalgie», wie einzelne Medien sich aus­drücken, sind Hollandes Präsidialmemoiren «Lektionen der Macht». Von dem Bestseller sind bereits 100000 Exemplare verkauft, und wo immer Hollande auftritt, um das Buch zu signieren, stehen die Leute Schlange.

Macron ist für viele der Präsident der Reichen

Seine Werbetour durch die Buchhandlungen wird zu einer Triumphfahrt durch Frankreich, die ihn sichtlich entschädigt für die erlittene Unbill im Élysée-Palast: Zahllose Anhänger applaudieren ihm, ermutigen ihn und raunen ihm zu, wenn sie nach einstündiger Wartezeit endlich vor ihm stehen: «Sie sollten wieder antreten!» Gemeint sind die Präsidentschaftswahlen 2022. Wer mit den Käufern von «Lektionen der Macht» spricht, erhält stets zur Antwort: Genug links, aber nicht zu links, wäre der 63-jährige Hollande der bestplatzierte Politiker, um den aktuellen Staatspräsidenten herauszufordern.

Viele Sozialdemokraten bereuen es heute, dass sie 2017 zu Emmanuel Macron übergelaufen waren, reiht doch dieser eine liberale Reform an die andere. Viele nennen ihn «Präsident der Reichen». Das sei falsch, legt Hollande noch einen drauf: «Macron ist der Präsident der sehr Reichen.» ­Macrons Wirtschaftskurs sei unsozial, sein Regierungsstil arrogant. Er selbst, Hollande, habe die ganze Vorarbeit für den Wiederaufschwung Frankreichs geleistet – aber ohne die Gutverdiener einfach steuerlich zu entlasten und die Ärmeren zur Kasse zu bitten.

Hollandes Attacken gegen Macron machen offenkundig: Der Ex-Präsident hat es nicht verwunden, dass er 2017 nicht einmal für seine Wiederwahl kandidieren konnte und seinem einstigen Wirtschaftsminister Macron das Feld überlassen musste. «Ich hätte ihn schlagen können, aber ich wollte nicht», posaunt Hollande heute in seiner typischen Art, die ihn so oft der Lächerlichkeit preisgegeben hatte.

Auch wenn der Bonvivant mit der Buchhalteraura in Paris wieder einschlägt, scheint schwer vorstellbar, dass er nach seiner persönlichen Schmach von 2017 eine zweite Chance erhalten wird. Hollandes unverbrüchlicher Glaube an sich selbst genügt nicht. Vorgänger Sarkozy hatte es nach einer verpatzten Präsidentschaft sogar zweimal – 2012 und 2017 – vergeblich versucht; zuletzt war er bereits in der Primärwahl der Republikaner auf der Strecke geblieben.

Hollandes Comeback zeigt hingegen indirekt auf, dass Macrons Lage weniger solid ist, als man meinen könnte. Laut einer neuen Umfrage der Wirtschaftszeitung «Les Echos» wird er heute von 5 Prozent mehr Rechtswählern als vor Jahresfrist unterstützt; bei den Sozialisten ist sein Zuspruch hingegen um 12 Prozent gesunken. Dabei war Macron, was heute schon fast vergessen ist, vor allem dank der Linken ins Élysée eingezogen.

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