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Rücktrittsforderung an den Papst

Franziskus habe von Missbrauchsvorwürfen gewusst und nichts unternommen. Dies behauptet ein hoher ehemaliger Vatikan-Diplomat – und fordert den Rücktritt des Papstes.
Dominik Straub, Rom
Im Gegenwind: Papst Franziskus während seines Besuchs in Irland am Wochenende. Ciro Fusco/EPA; Dublin, 25. August 2018)

Im Gegenwind: Papst Franziskus während seines Besuchs in Irland am Wochenende. Ciro Fusco/EPA; Dublin, 25. August 2018)

Beim neuen Ankläger des Papstes handelt es sich um den 77-jährigen ehemaligen Botschafter des Vatikans in den USA, den italienischen Erzbischof Carlo Maria Vigano. Der ehemalige Spitzendiplomat behauptet in einem mehrseitigen Schreiben, das gleichzeitig von der rechtslastigen Zeitung «La Verità» in Italien und mehreren konservativen Medien in den USA publiziert worden ist, Papst Franziskus habe von den Missbrauchsvorwürfen gegen den US-Kardinal Theodore McCarrick gewusst und diese gedeckt. Vigano fordert den Rücktritt des Pontifex: «Franziskus soll mit gutem Beispiel voranschreiten und mit all jenen Kardinälen und Bischöfen zurücktreten, die McCarricks Übergriffe gedeckt haben.»

Dem Erzbischof von Washington und Kardinal McCarrick wird vorgeworfen, sich in den 80er-Jahren in einem Priesterseminar an jungen Männern vergangen zu haben. Über dieses «stark unmoralische Verhalten» habe er Papst Franziskus schon im Juni 2013, also kurz nach dessen Wahl zum Papst, in einer Privataudienz in Kenntnis gesetzt, schreibt Vigano. Doch der neue Pontifex habe nicht nur nichts unternommen, sondern die bereits von seinem Vorgänger Benedikt XVI. gegen McCarrick verhängten Sanktionen wieder aufgehoben. Vigano wirft dem Papst vor, McCarrick «bis zum bitteren Ende gedeckt» zu haben, weil dieser beim Konklave vom März 2013, in dem Franziskus zum Papst gewählt wurde, für ihn gestimmt habe.

Dem Belasteten bereits die Kardinalswürde entzogen

Franziskus mochte die Vorwürfe Viganos nicht kommentieren: «Ich werde dazu kein Wort sagen», so der Papst am Sonntag auf dem Rückweg von seiner Irland-Reise gegenüber Journalisten. «Ich denke, das Schreiben spricht für sich.» Wenn etwas Zeit vergangen sein werde und die Medienvertreter ihre Schlüsse gezogen hätten, werde er sich vielleicht äussern, stellte Franziskus in Aussicht. Tatsache ist, dass der Papst dem schwer belasteten McCarrick im vergangenen Juli die Kardinalswürde entzogen und seinen Rücktritt als Erzbischof angenommen hatte.

Die Vorwürfe des ehemaligen Diplomaten Vigano sind jedenfalls mit grösster Vorsicht zu geniessen. Sein Name war schon vor sechs Jahren im ersten «Vatileaks»-Skandal aufgetaucht; diese Affäre um gestohlene Geheimdokumente aus dem Vatikan war dem Rücktritt von Benedikt XVI. vorausgegangen. Vigano gilt als konservativ und Sympathisant der religiösen Rechten sowie der Traditionalisten in den USA, die sich seit langem auf den vermeintlich liberalen und sozialistischen Franziskus eingeschossen haben. Nicht wenige italienische Vatikan-Experten vermuten ausserdem eine persönliche «Vendetta», eine Racheaktion Viganos gegen Franziskus, der ihn bei der ersten Gelegenheit in Pension geschickt hatte und nicht mehr in den Vatikan zurückkehren liess.

Auch der Zeitpunkt, in welchem Vigano seine – unbewiesenen – Vorwürfe veröffentlicht hat, erscheint suspekt: Sie kamen pünktlich zum Ende der Irland-Reise des Papstes. Auf dieser hatte Franziskus Fehler bei der Bewältigung von Missbrauchsskandalen eingeräumt und sich für diese entschuldigt. In einem Brief an «das Volk Gottes» hatte der Pontifex ausserdem vor wenigen Tagen zugegeben, dass er und mit ihm die Kirche «nicht rechtzeitig gehandelt haben, als wir den Umfang und die Schwere des Schadens erkannten». Der Papst ist bezüglich des Umgangs mit fehlbaren Bischöfen und Priestern in der Tat angreifbar – und das hat Vigano ausgenutzt.

Wirbel um Aussagen zu Homosexualität

Für Wirbel gesorgt hat am Sonntagabend auch eine Äusserung des Papstes zur Homosexualität. Auf die Frage eines Journalisten, was er Eltern eines homosexuellen Kindes sagen würde, antwortete Franziskus, er würde ihnen raten, zuerst «zu beten, nicht zu verurteilen, Gespräche zu führen, zu verstehen, dem Sohn oder der Tochter Raum zu geben».

Ausserdem riet der Papst zu ärztlicher Betreuung: Gerade in der Kindheit könne die Psychiatrie viel erreichen. 20 Jahre später sehe es anders aus. Homosexuelle Neigungen habe es schon immer gegeben, betonte Franziskus. Die offizielle Niederschrift des Vatikans von gestern Morgen enthielt diesen päpstlichen Verweis auf die Psychiatrie jedoch nicht. Das Zitat sei geändert worden, «um den Gedankengang des Papstes nicht zu verfälschen», sagte eine Vatikan-Sprecherin.

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