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Iran/USA: Rundumschläge von zwei Bedrängten

Irans Präsident Hassan Rohani und US-Präsident Donald Trump liefern sich einen «Krieg der Worte», der schon bald eskalieren könnte. Europäische Diplomaten halten die verbalen Attacken für stark überzogen.
Michael Wrase, Limassol
Hassan Rohani fährt schweres verbales Geschütz gegen die USA auf. (Bild: Florian Wieser/EPA; Wien, 4. Juli 2018)

Hassan Rohani fährt schweres verbales Geschütz gegen die USA auf. (Bild: Florian Wieser/EPA; Wien, 4. Juli 2018)

Als einen «Präsidenten auf Zeit» bezeichnen Beobachter in Teheran Hassan Rohani, der am Sonntag mit einer Brandrede den Dauerkonflikt mit den USA weiter verschärfte. Als der als moderat eingestufte Geistliche vor neun Tagen zu einer Krisensitzung in die Residenz von Revolutionsführer Ali Chamenei einbestellt wurde, schien sein Rücktritt bereits beschlossene Sache gewesen zu sein. Zu heftig war – und ist – die Kritik an Rohanis Amtsführung, dem nur noch wenige eine Bewältigung der verheerenden Wirtschaftskrise zutrauen.

Doch Chamenei gab seinem angezählten Präsidenten noch eine letzte Chance. «Unermüdlich», so die Weisung des Revolutionsführers, müsse er jetzt an der «Neutralisierung der feindlichen (amerikanischen) Pläne» arbeiten. Eine Woche später präsentierte Rohani erste – verbale – Ergebnisse, welche ganz nach dem Geschmack seines Schutzpatrons gewesen sein dürften.

Wo bleiben die Pläne gegen die Wirtschaftskrise?

In einer Rede vor iranischen Diplomaten unterstellte Rohani dem amerikanischen Präsidenten, mit seinen stetig verschärften Sanktionen «eine Politik der Vernichtung des Iran» zu beabsichtigen. «Die Amerikaner sollten wissen, dass Frieden mit Iran die Mutter aller Frieden ist (...). Genauso wie ein Krieg die Mutter aller Kriege wäre», betonte Rohani und warnte seinen amerikanischen Amtskollegen, «nicht mit dem Feuer zu spielen». «Ein Spiel mit dem Schwanz des Löwen», zitierte der Politiker eine persische Redewendung, «würdest du, Herr Trump, bitter bereuen.»

Damit war Rohani erst einmal im Soll, ohne freilich konkrete Pläne zur Bewältigung der Wirtschaftskrise präsentiert zu haben. Wichtig war der Ton – und den hatte der Präsident zur Freude der Hardliner endlich einmal getroffen. Zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Wochen drohte Rohani mit einer Blockade der Ölexport-Routen im Persischen Golf, falls sein Land durch die US-Sanktionen selbst kein Öl mehr exportieren könnte. Dass die Amerikaner die iranischen Ölexporte «so weit wie möglich gegen null» reduzieren wollen, hatte US-Aussenminister Mike Pompeo erst am Samstag bekräftigt. Die USA würden sich darum bemühen, die Länder im Mittleren Osten sowie in Europa davon zu überzeugen, den wirtschaftlichen Druck auf Teheran weiter zu erhöhen. Damit aber nicht genug: Als US-Präsident Donald Trump die Brandrede Rohanis von seinen Beratern vorgelegt bekam, holte auch er zu einem Rundumschlag aus.

Wie Rohani hat bekanntlich auch Trump innenpolitische Probleme. Nicht nur die von ihm zunächst geleugnete russische Einflussnahme auf die US-Präsidentenwahl macht ihm schwer zu schaffen. Auch neue Enthüllungen um eine mögliche Schweigegeldzahlung wegen einer angeblichen Affäre mit einem Pornostar bringen Trump in Bedrängnis. Da traf es sich gut, dass Rohani ihm mit seinen Drohgebärden eine passende Steilvorlage lieferte.

Die Abwärtsspirale dreht sich weiter

«Bedrohen Sie niemals wieder die USA, oder Sie werden Konsequenzen von der Art zu spüren bekommen, wie sie wenige zuvor in der Geschichte erleiden mussten», twitterte Trump und fügte hinzu: «Wir sind nicht länger ein Land, das Ihre wahnsinnigen Worte von Gewalt und Tod hinnehmen wird. Seien Sie vorsichtig.» Europäische Diplomaten in Teheran bezeichnen den iranisch-amerikanischen «Krieg der Worte» als «völlig überzogen». Beide Präsidenten hätten «sich im Ton» vergriffen.

Obwohl die meisten US-Sanktionen, darunter auch das Exportverbot für iranisches Rohöl, erst im November in Kraft gesetzt würden, spüre der Iran jetzt den amerikanischen Druck. Allein mit seinen aggressiven Tweets habe Trump für einen Verfall der iranischen Währung um mehr als 50 Prozent gesorgt. Ein Ende der Abwärtsspirale sei nicht in Sicht.

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