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RUSSLAND: Aleksej Nawalny festgenommen

Die Polizei geht hart gegen Demonstranten im ganzen Land vor. Die Opposition hatte zu Protesten aufgerufen.
Der Oppositionelle Aleksej Nawalny sitzt in einem Gerichtssaal in Moskau. (Bild: Pavel Golovkin / AP (Moskau. 27. März 2017))

Der Oppositionelle Aleksej Nawalny sitzt in einem Gerichtssaal in Moskau. (Bild: Pavel Golovkin / AP (Moskau. 27. März 2017))

Es beginnt mit Wortgefechten. «Ihr verteidigt Diebe!», wirft ein junger Mann einem Einsatzpolizisten vor. «Geh arbeiten!», kontert der Polizist. «Ich arbeite.» – «Wir tun auch nur unsere Ar­beit.» – «Diese Gauner haben ganz Russland ausgeraubt.» Das Streitgespräch wird von sieben schwarz uniformierten Polizisten unterbrochen. Sie drängen in die Menge, überwältigen einen jungen Mann, schleppen ihn in den nächsten Polizeibus. «Schande, Schande!», skandiert die Menge.

Gestern protestierten in ganz Russland Zehntausende gegen das Regime Wladimir Putins. Der Oppositionspolitiker Aleksej Nawalny, der bei den Präsidentschaftswahlen 2018 kandidieren will, hatte landesweit zu Kundgebungen gegen die Korruption aufgerufen. Nawalny selbst wurde in Moskau eine halbe Stunde nach Beginn einer nicht genehmigten Demonstration auf der ­Twerskaja Uliza, der zentralen Strasse Moskaus, festgenommen. Hunderten anderen Demonstranten im ganzen Land erging es genauso. In Moskau meldete die Polizei bis 770 Festnahmen. Auch in Städten wie Nowosibirsk, St. Petersburg, Kasan, Jekaterinburg und Irkutsk lag die Zahl der Demonstranten nach Angaben örtlicher Medien im vierstelligen Bereich; in Moskau meldete die Polizei 7000 bis 8000 Teilnehmer. «Dann werden es wohl wieder dreimal soviel gewesen sein», scherzte eine ältere Demonstrantin.

«In Städten wie Ufa hat es nie grössere Demonstrationen gegeben, jetzt sind dort über tausend Menschen auf die Strasse gegangen», sagte der Oppositionspolitiker Sergej Dawidis unserer Zeitung. «Es ist Nawalny offenbar gelungen, eine neue Generation zu mobilisieren.»

«Wir protestieren gegen das gesamte politische System»

Nach Ansicht vieler Beobachter war es ein Fehler, die Demons­tration in Moskau zu verbieten. Obwohl die Polizisten Gummiknüppel einsetzten, versuchten Demonstranten mehrfach, festgenommene Kameraden zu befreien. «Wir protestieren nicht nur gegen Korruption, sondern gegen das gesamte politische System Putins», erklärte etwa ein 24-jähriger IT-Fachmann gegenüber unserer Zeitung.

Gegen 16.20 Uhr Ortszeit drängte die Polizei die Demonstranten vom Moskauer Puschkin-Platz. Dabei sollen Gasgranaten eingesetzt worden sein. Ordnungskräfte und Demonstranten werfen sich gegenseitig vor, diese geworfen zu haben. Der Staatssender NTW zeigte in den 16- Uhr-Nachrichten, wie Polizeikräfte Kundgebungen in den USA und im Jemen gewaltsam auflösen.

Stefan Scholl, Moskau

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