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RUSSLAND: Behörden ermitteln wegen Terror

In Petersburg explodiert eine Bombe, mindestens elf Personen sterben beim Anschlag in der U-Bahn. Der Täter wurde von einer Überwachungskamera gefilmt.
Stefan Scholl, Moskau
Rettungskräfte eilen einem Opfer der Anschläge zu Hilfe. (Bild: Anton Vaganow/EPA (Sankt Petersburg, 3. April 2017))

Rettungskräfte eilen einem Opfer der Anschläge zu Hilfe. (Bild: Anton Vaganow/EPA (Sankt Petersburg, 3. April 2017))

Stefan Scholl, Moskau

Wladimir Putin wollte sich nicht festlegen. «Die Sicherheitsorgane und Geheimdienste tun alles, um die Gründe des Geschehenen zu klären», erklärte der russische Präsident, der gestern persönlich in der Millionenmetropole Sankt Petersburg weilte. Dort traf er sich mit dem weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Auch einen «gewöhnlichen» kriminellen Akt oder technisches Versagen nannte Putin als mögliche Ursache für die Explosion. Gesten Abend meldete jedoch die zuständige Justizbehörde, dass die russischen Behörden Ermittlungen wegen Verdachts auf einen Terroranschlag aufgenommen hätten.

Zu der Zahl der Opfer und der Explosionen gab es gestern unterschiedliche Angaben. Laut der Nachrichtenagentur Ria Nowosti ging um 14.45 Uhr bei den zwei Metrostationen «Sennaja Ploschtschad» und «Technologitscheski Institut» je eine Bombe hoch. Nach Angaben des Nationalen Antiterroristischen Komitees kamen dabei mindestens neun Menschen ums Leben, zwanzig wurden verletzt. Am Abend sprachen die Behörden von elf Opfern. Mehrere Medien berichteten derweil unter Berufung auf die Petersburger Polizei, es habe nur eine Explosion in einem fahrenden U-Bahn-Waggon zwischen beiden Stationen gegeben. Am Tatort arbeiten Polizeiermittler, Geheimdienstler sowie die Besatzungen von 41 Krankenwagen. Die Petersburger Metro wurde komplett geschlossen. Die Behörden setzten Ersatzbusse für die ausgefallene U-Bahn ein, es kam zu einem Verkehrschaos.

Kamerabilder zeigen Mann mit Bart und Mütze

Der Anschlag weckt Erinnerungen an den März 2010. Damals jagten sich in Moskau zwei Frauen aus Dagestan in der Metro in die Luft und rissen 38 Menschen mit in den Tod. Offenbar steckt dieses Mal kein Selbstmordattentäter hinter der Attacke. Ein Einwohner von Santk Petersburg erzählte der Wirtschaftsagentur RBK, sein Kollege, der im Unglückszug sass, habe ihm eine SMS geschickt: «Zwischen den Stationen gab es eine Explosion, ein Bursche liess eine Aktentasche stehen, öffnete die Tür und stieg in den nächsten Waggon. Nur in den nächsten Waggon.»

Der Täter befindet sich auf der Flucht. Er wurde gemäss den Petersburger Behörden von einer Überwachungskamera gefilmt. In den Medien kursierten am Abend Bilder des mutmasslichen Bombenlegers. Sie zeigen einen Mann mit schwarzer Mütze und Bart. Die Behörden fahnden auch nach einem möglichen Komplizen des gefilmten Mützenträgers.

Wie Wladimir Putin hielt sich ein Grossteil der russischen Politiker gestern mit Kommentaren zurück. Klare Worte fand hingegen Franz Klinzewitsch, Vizepräsident des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses im russischen Föderationsrat. Er erklärte, es handle sich ohne Zweifel um einen Terrorschlag, und Russland werde die «allerhärteste Antwort» auf das Verbrechen geben.

«Bisher sind die Ermittlungen erst in den Anfängen, deshalb kann man über die Täter nur Vermutungen anstellen», sagte der Moskauer Politologe Aschdar Kurtow auf Anfrage. Die Handschrift des Anschlags passe aber zu radikalen Islamisten. Es sei jedoch schwierig zu sagen, zu welcher Gruppe sie gehörten. Es sei nicht auszuschliessen, dass es sich bei den Tätern um nordkaukasische Anhänger der Terror­miliz IS handle. Es sei auch möglich, dass es sich um Dschihad-Rückkehrer aus Syrien oder dem Irak handle, wo der IS immer stärker in Bedrängnis gerät.

Russland unterstützt in Syrien Diktator Baschar al-Assad mit militärischen Mitteln im Kampf gegen den IS und andere Rebellen. Es wäre nicht das erste Mal, dass der IS Moskau ins Visier nimmt. Mitte März bekannte sich die Terrormiliz zu einem Anschlag auf die tschetschenische Nationalgarde. Dabei kamen sechs Gardisten und sechs Attentäter ums Leben.

Russland seit langem Zielscheibe von Terroristen

Seit Mitte der 1990er-Jahre veranstalten nordkaukasische Extremisten Terroranschläge in Russland. Zu Beginn versuchten tschetschenische Separatisten den Kreml mit spektakulären Geiselnahmen in Krankenhäusern, Theatern und Schulen unter Druck zu setzen. Die russischen Behörden machen sie auch für die verheerenden Explosionen von fünf Wohnhäusern 1999 in Moskau, Buinansk und Wolgodonsk verantwortlich.

Später wandelte sich der Grossteil des nordkaukasischen Widerstandes zu einer islamistischen Untergrundbewegung. Deren Kämpfer überfielen in ihren Heimatrepubliken immer wieder Polizeistationen. Sie schickten aber in mehreren russischen Städten auch Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürteln los.

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