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Russland feiert die WM schon jetzt als Erfolg

Die Fussball-WM in Russland ist ein Erfolg für Wladimir Putin. Dabei hält sich der Präsident bisher eher im Hintergrund.
Stefan Scholl, Moskau
Der russische Premierminister Dmitry Medvedev (links) und Präsident Wladimir Putin verfolgen das Eröffnungsspiel zwischen Russland und Saudi-Arabien. (Bild: Alexei Druzhinin / Keystone, Moskau, 14. Juni 2018)

Der russische Premierminister Dmitry Medvedev (links) und Präsident Wladimir Putin verfolgen das Eröffnungsspiel zwischen Russland und Saudi-Arabien. (Bild: Alexei Druzhinin / Keystone, Moskau, 14. Juni 2018)

Der Rote Platz ist grün. Auf den Pflastersteinen vor dem Kreml wurde ein Rasenteppich ausgelegt, am Donnerstag spielte dort eine Krasnojarsker Knabenmannschaft gegen russische und internationale Altstars, die vom Brasilianer Ronaldo gecoacht wurde. Im Beisein von Staatschef Wladimir Putin und Fifa-Präsident Gianni Infantino. Und wie russische Reporter aufgeregt berichteten, verwandelte Putin im zweiten Anlauf einen Penalty gegen einen Torwartroboter, der als fast unüberwindbar galt.

Die Fussball-WM in Russland ist bisher ein voller Erfolg. Und damit auch ein Erfolg Wladimir Putins. Dabei hält sich der Präsident bisher eher im Hintergrund – im Gegensatz zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi, wo er fast täglich bei Wettkämpfen auftauchte. Damals feierten ihn viele russische Athleten als Glücksbringer, bei der Fussball-WM aber hat Putin ausser dem Promi-Kick auf dem Roten Platz nur das Eröffnungsspiel im Stadion besucht. Auch dort brachte er den Erfolg mit, die «Sbornaja» schlug Saudi-Arabien 5:0. Und bei jedem Tor amüsierten Putins breit vergnügte Entschuldigungsgesten gegenüber dem saudischen Prinz Mohammed bin Salman, der mit ihm in der Ehrenloge sass, die gesamte TV-Nation.

Das öffentliche Russland jubelt. Diese WM habe sich schon jetzt als grandios erwiesen, schreiben die Zeitungen, alle Fussballer und Trainer seien begeistert von der Organisation. Das Massenblatt «Moskowski Komsomoljez» zitiert die ausländischen Fans kollektiv: «Man hat uns angelogen über alles in Russland. Das ist ein prächtiges Land mit offenherzigen Menschen.» Tatsächlich loben die Fans durchweg die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Russen. Aber perplex ist deshalb keiner. Gastfreundschaft gehört schliesslich zu den positiven Vorurteilen gegenüber Russland. Die Russische Eisenbahn bringt alle Kartenbesitzer kostenlos zu den Spielorten. Putins Staat lässt sich diese WM etwas kosten. Die Veranstaltung ist nicht perfekt, ein Moskauer Taxifahrer fuhr in eine Menschenmenge, Argentinier schlugen einen Kroaten zusammen, ein betrunkener Russe einen Schweden. Die Triebwerke eines Flugzeugs mit der saudischen Mannschaft an Bord fingen Feuer, beim ersten Spiel im Wolgograder Stadion quälten Kleinmücken die Fussballer.

Ob er gegen Spanien ins Stadion kommt, weiss Putin noch nicht

Aber solche Randmomente verderben die Partylaune der ausländischen Fans nicht. Sie sind nicht gekommen, um über hungerstreikende politische Gefangene zu diskutieren, auch nicht, um den Einfluss der Romane Dostojewskis auf das Denken der modernen Russen zu begreifen. Sie sind gekommen, um zu feiern, und bei Toren ausgiebig Bier zu trinken. Die WM ist ein Fest, herzlich aber unverbindlich und oberflächlich. Bezeichnend der Irrtum zweier argentinischer Fans, die das Spiel gegen Kroatien verpassten, weil sie den Austragungsort Nischni Nowgorod mit dem 800 Kilometer entfernten Weliki Nowgorod verwechselt hatten. Putin liess ihnen Eintrittskarten für das nächste Spiel der Argentinier aushändigen. Zarische PR, die vor allem das Selbstbild Russlands schönt.

Putin hat inzwischen erklärt, er werde sich auch das morgige Achtelfinalspiel Russlands gegen Spanien ansehen. Aber obwohl diesmal der spanische König Felipe VI. da sein wird, liess der Präsident offen, ob er ins Stadion kommt. Die spanische Mannschaft ist ein ernsthafterer Konkurrent als die Saudis. Und Wladimir Putin verliert nicht gerne, schon gar nicht in der Öffentlichkeit.

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