Russland ist Taktgeber

Kommentar

Michael Wrase/Limassol
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Michael Wrase. (Bild: PD)

Michael Wrase. (Bild: PD)

Sechs Wochen nach dem Ende der blutigen Schlacht um Aleppo werden Rebellen- und Regierungsvertreter miteinander reden. Die geschlagenen Aufständischen tun dies aus einer Position der Schwäche. Sie müssen zudem den Seitenwechsel ihrer langjährigen türkischen Verbündeten verkraften, die in Davos klarstellten, dass eine Lösung in Syrien ohne Assad «unrealistisch» sei.

Schlucken muss die Opposition diese Kröte noch nicht. Denn in Astana geht es nicht um eine politische Lösung oder gar um Frieden in Syrien. Die russische Regie verlangt, dass sich die Kriegsparteien zunächst auf eine Konsolidierung der Waffenruhe verständigen. Über die Verwirklichung dieses Zieles können die Rebellen sprechen, ohne dabei das Gesicht zu verlieren, ohne noch einmal gedemütigt zu werden.

Mit türkischer und iranischer Rückendeckung haben die Russen klargestellt, dass sie in Syrien künftig den politischen und militärischen Takt angeben. Daran wird sich auch nach dem Machtwechsel in Washington wohl nichts ändern. Die in Syrien so glücklose UNO will in Genf zwar erneut versuchen, ihre Lösungsvorstellungen durchzusetzen. Ihr Scheitern ist indes vorprogrammiert.

Wir werden uns mit den Russen als Taktgeber abfinden und die für Syrien momentan realistischen Minimalziele unterstützen müssen. Denn falsch ist es nicht, auf eine stabile Waffen­ruhe in Syrien hinzuarbeiten. Sie ist im Interesse von Millionen Syrern, die unsäglich gelitten und jetzt ein wenig Frieden verdient haben. Dass Assad an der Macht bleibt, schmerzt. Eine Fortsetzung des Krieges wäre für die Bevölkerung jedoch unerträglich.

Michael Wrase/Limassol

nachrichten@luzernerzeitung.ch