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RUSSLAND: Oligarch in Bedrängnis

Dem Milliardär und Senator Suleiman Kerimow droht eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung. Ein böses Zeichen für grosse Teile der Moskauer Wirtschaftselite.
Suleiman Kerimow gründete in Luzern vor zehn Jahren eine wohltätige Stiftung.Bild: Alexander Zemlianichenko/AP (Moskau, 23. August 2012) (Bild: Alexander Zemlianichenko/AP (Moskau, 23. August 2012))

Suleiman Kerimow gründete in Luzern vor zehn Jahren eine wohltätige Stiftung.Bild: Alexander Zemlianichenko/AP (Moskau, 23. August 2012) (Bild: Alexander Zemlianichenko/AP (Moskau, 23. August 2012))

Suleiman Kerimow ist reich, aber nicht geizig. «Ihr liebt Geld, ich habe viel und trenne mich gerne davon», soll er sehr oft gesagt haben. «Der Mensch geht immer volles Risiko ein», charakterisierte ihn ein Freund, der russische Vizepremier Igor Schuwalow. Tatsächlich fährt Suleiman Kerimow, 51, nicht nur als Unternehmer gern volles Risiko. 2008 knallte sein Ferrari Enzo in Nizza gegen einen Baum, Kerimow erlitt schwere Verbrennungen, liess sich mit dem Hubschrauber erst nach Marseille, dann nach Brüssel fliegen, wurde dort operiert. Und spendete hinterher einer belgischen Stiftung für Verbrennungsopfer eine Million Dollar.

Jetzt ist Kerimow in Nizza wieder in Schwierigkeiten geraten. Vergangene Woche wurde er dort festgenommen, gegen eine Kaution von 5 Millionen Euro wieder auf freien Fuss gesetzt, aber unter der Auflage, die Region nicht zu verlassen: Die Anklage gegen ihn lautet auf Steuerhinterziehung und Geldwäsche, dafür drohen in Frankreich bis zu zehn Jahre Gefängnis. Und diesmal ist fraglich, ob er das Schicksal mit viel Geldausgeben wieder günstig stimmen kann.

2017 schätzte «Forbes» sein Vermögen auf 6,3 Milliarden Dollar. Laut seiner russischen Steuererklärung verdiente er im Vorjahr allerdings umgerechnet nur 170'000 Euro. Kerimow sitzt als Senator im russischen Föderationsrat, seit 2013 aber verbietet das Gesetz Staatsbediensteten den Besitz von Auslandsaktiva. Laut «Forbes» lässt er deshalb seinen persönlichen Besitz von der Schweizer Swiru Holding verwalten, andere Aktiva überschrieb er laut der Zeitung «Wedomosti» der Wohltätigkeitsstiftung Suleyman Kerimov Foundation, die er vor zehn Jahren in Luzern gründete. Ihrem Stiftungsrat sitzt der Luzerner Treuhänder Alexander Studhalter vor. Französische Zeitungen behaupten, Studhalter gehörten als Strohmann auch einige Villen, als deren eigentlichen Eigentümer die Ermittler Kerimow verdächtigen. Alexander Studhalter weist diese Anschuldigungen jedoch in aller Form zurück (wir berichteten).

Valentina Matwijenko, Vorsitzende des Föderationsrats, fürchtet nun, im Westen habe eine Jagd auf russische Politiker begonnen. Auch das Aussenministerium ist empört, weil die französischen Behörden ignorierten, dass Kerimow als Senator einen diplomatischen Pass besitzt. Und die Profis des Fussballklubs Anschi Machatschkala, in den Kerimow 450 Millionen Dollar steckte, liefen am Sonntag zum Punktspiel gegen Rostow in Trikots mit dem Schriftzug auf: «Wir stehen dir bei, Suleiman!»

In der Staatsduma aber wird bereits diskutiert, welchen russischen Milliardär mit parlamentarischer Immunität es als Nächsten erwischen könnte. Zumal viele Moskauer Oligarchen ihr Geld offen oder verdeckt in westliche Immobilien investieren. Der Wirtschafts­experte Dmitri Trawin schliesst gegenüber unserer Zeitung nicht aus, dass Europas Fahnder russische Geldleute künftig aufmerksamer beobachten. «Russlands Ruf hat im Westen sehr gelitten.» Das gilt auf jeden Fall für Suleiman Kerimow.

Stefan Scholl, Moskau

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