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RUSSLAND: Putins Sherpa für den G20-Gipfel

Swetlana Lukasch ist Präsident Putins Vertrauensfrau bei den G20. Sie bekennt sich ausdrücklich zu Freihandel, Klimaschutz und globaler Kooperation.
Swetlana Lukasch (40). (Bild: Getty/Valery Sharifulin)

Swetlana Lukasch (40). (Bild: Getty/Valery Sharifulin)

Sie habe weder auf Donald Trump gehofft, noch sei sie enttäuscht von ihm. «Ich konzentriere mich auf das Arbeitsformat, für das ich verantwortlich bin.» Swetlana Lukasch hält sich zurück bei politischen Fragen. Kein Wunder, sie ist Russlands Sherpa beim G20-Gipfel in Hamburg, Wladimir Putins Vertrauensfrau im globalen Club. Sherpas sind bekanntlich fleissig und eher schweigsam. Eine «ziemlich abgeschlossene Gesellschaft», wie Lukasch schon anlässlich ihrer Ernennung 2013 sagte.

Swetlana Lukasch erlaubt sich trotzdem eine Meinung: etwa zu den neuen Strafmassnahmen, die der US-Senat gegen Russland verhängen will. «Sanktionen haben immer einen ausschliesslich politischen Charakter. Aber manchmal werden dahinter auch rein wirtschaftliche Interessen sichtbar», antwortet sie auf die Frage, was sie davon halte, dass diese Sanktionen auch den Bau der neuen Ostsee-Gaspipeline in Frage stellen. «Was North Stream 2 angeht, mögen die Partner in Europa sicherlich unzufrieden mit den USA sein. Aber die Vereinigten Staaten können diese Sanktionen einfach als Argument für die Einfuhr ihres eigenen Erdgases nach Europa nutzen.»

Lukasch reiht kurze, verständliche Sätze aneinander, redet über die Digitalwirtschaft als einem der russischen G20-Schwerpunkte. Und als Thema, bei dem man künftig auch mit den USA kooperieren könne – allem Cyberkriegsgeschrei zum Trotz. Sie redet über die G20 als Forum ohne Hierarchien. «Es gibt dort keine Blöcke, keine Teilnehmer unterschiedlicher Gewichtsklassen. Es ist das einzige Format, wo auch hoch entwickelte und Entwicklungsländer gleich­berechtigt vertreten sind.» Lukasch, das blonde Haar ist schlicht gescheitelt, sie wirkt kompetent und blitzgescheit, eine jener unauffälligen Top-­Beamtinnen in mausgrauen Bürokostümen, die Russlands Wirtschaftspolitik wesentlich mitgestalten. Xenia Judajewa, ihre Vorgängerin als G20-Sherpa, ist inzwischen Vizechefin der russischen Zentralbank.

Lukasch, «glücklich verhei­ratet, keine Kinder», ist 40, sieht um einige Jahre jünger aus, wohl auch, weil sie viel lächelt. Sie twittert auch gern, vermeldet dabei den «Koffer Blues», ein neues Moskauer Theaterstück nach Texten eines sowjetjüdischen Exilschriftstellers. Oder eine internationale Studie, nach der die Zahl der Tiere in freier Wildbahn in den ver­gangenen Jahren um 58 Prozent gesunken ist. Eine umweltbewegte Sherpa, die sich auch als Sympathieträgerin bestens macht. Die russische G20-Vertreterin bekennt sich ausdrücklich zum globalen Freihandel, kritisiert jede Form von Protektionismus, unterstreicht, dass Russland ohne Wenn und Aber zum Pariser Klimavertrag steht. Sie lobt die G20-Präsidentschaft der deutschen Kanzlerin, betont die russische Bereitschaft, die Probleme dieser Welt gemeinsam mit den anderen der G20-Staaten anzugehen, ob es um die Teilnahme russischer Firmen an Investitionen in Afrika geht oder die Erarbeitung globaler Finanzregeln. Lukaschs G20 ist eine konstruktive Gegenwelt zur neuen Konfrontation zwischen Russland und dem Westen.

Das russische Staats-TV mag Angela Merkel wieder «Drang nach Osten» unterstellen, Aussenminister Sergei Lawrow Europa für den Krieg im Donbass verantwortlich machen, Wladimir Putin nationale «Selbstständigkeit und Urwüchsigkeit» statt Globalisierung predigen. Seine Sherpa aber verkündet ungerührt, alle Krisen und Sanktionen hätten keine Wirkung auf die G20. «Die Gruppe beschäftigt sich mit globaleren, für alle Länder wesentlicheren, Fragen.» Tröstlich, dass zu Putins Vertrauten noch Leute wie Lukasch gehören.

Stefan Scholl, Moskau

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