Sarkozy drängt Hollande in die Enge

Millionen von Franzosen haben am Mittwochabend das Duell zwischen Präsident Sarkozy und François Hollande verfolgt. Sarkozy war aggressiv, aber sattelfest. Der Vorsprung von Hollande könnte ins Wanken geraten.

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Hitzige Debatte: Präsident Sarkozy (rechts) und sein Herausforderer François Hollande (Bild: Keystone / EPA)

Hitzige Debatte: Präsident Sarkozy (rechts) und sein Herausforderer François Hollande (Bild: Keystone / EPA)

Manfred Rist, Paris

Die Fernsehdebatte am Mittwochabend hat hohe Erwartungen erfüllt. In einer an Rhetorik, Gehalt und Selbstbeherrschung eindrucksvollen Debatte zwischen Nicolas Sarkozy und François Hollande hat der Kampf um Frankreichs Präsidentschaft am Mittwoch einen Höhepunkt erreicht.

Sarkozy punktet

Während nahezu dreier Stunden kreuzten der Staatspräsident und der Herausforderer der sozialistischen Partei, François Hollande, im Fernsehstudio die Klingen. Ausrutscher und klare Fehler blieben aus. Aber Sarkozy wirkte kompetenter, erfahrener und verteidigte seine Amtszeit brillant.

Man sah einen anfänglich sehr gefasst und selbstsicher wirkenden Hollande, der sich – falls am Sonntag gewählt – als Präsident der Gerechtigkeit und des Aufschwungs positionierte. Frankreich müsse nach Jahren der Spaltung (durch Sarkozy) wieder geeint werden, meinte der Kandidat des PS. Hollande versuchte den Präsidenten an dessen Bilanz nach fünf Jahren festzunageln, in der eines herausrage: eine von drei auf vier Millionen gestiegene Zahl der Arbeitslosen.

Hollande unsicherer

Im Verlauf der Diskussion, vor allem bei Fragen zu Einwanderung und EU-Politik, wurde Hollande unsicherer. Sarkozy, der phasenweise auch witziger wirkte, versuchte Hollande einen anderen Stempel aufzudrücken: Unentschlossenheit und mangelnde Erfahrung. Es gehe an diesem Abend um die Wahrheit, meinte er zu Beginn. Dazu gehöre, dass Frankreich in der Wirtschaftskrise bezüglich Arbeitsmarkt besser abgeschnitten habe als die meisten anderen EU-Staaten. Er sei auch deshalb stolz auf seine Bilanz. Er habe das Land in schwierigen Zeiten vor gewaltsamen Ausschreitungen und Blockaden bewahrt, meinte Sarkozy.

Dünnes Eis

Seine stärkste Phase hatte Sarkozy bei der Verteidigung seiner Politik zur Kontrolle des Staatshaushalts, der Allianz mit Berlin zur Eindämmung der Euro-Krise und der Begrenzung der Einwanderung. Auf dünnes Eis wagte er sich an jenem Diskussionspunkt vor, als es um die Verweigerung des Stimmrechts für Einwanderer ging, von denen viele aus muslimischen Staaten kämen.

Selbst im Lager der Bürgerlichen herrschte vor der Ausstrahlung die Einschätzung vor, dass das TV-Duell Sarkozys letzte Chance zur Distanzierung von Hollande ist. In Umfragen vor der Debatte lag der sozialistische Herausforderer mit 53 bis 54 Prozent der Stimmen klar vorne. Weiter zugelegt hat Hollande aber mit Sicherheit nicht. Ob Sarkozy den Rückstand stark abbauen konnte, wird sich am Sonntag zeigen.