Frankeich
Sarkozy kann es nicht lassen

In einem Wochenmagazin erklärt der französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, er würde aus Pflichtgefühl als Präsident ins Elysée zurückkehren, wenn es Frankreich noch schlechter als heute ginge.

Stefan Brändle, Paris
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«Aus Pflicht»: Sarkozy kokettiert mit einer Rückkehr in die französische Politik.

«Aus Pflicht»: Sarkozy kokettiert mit einer Rückkehr in die französische Politik.

KEYSTONE

Der französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy erklärte laut dem Magazin «Valeurs actuelles», er verspüre an sich keinerlei Wunsch, wieder in die Politik einzusteigen – das wäre für ihn von «tödlicher Langeweile». Wenn es Frankreich aber noch schlechter als heute gehen werde, stelle sich die Frage nicht mehr länger, ob er Lust habe: «In dem Fall könnte ich mir nicht länger sagen, ich bin ja glücklich, ich bringe meine Tochter zur Schule, ich nehme auf der ganzen Welt an Konferenzen teil. In dem Fall wäre ich gezwungen, durchzustarten. Nicht aus Lust. Aus Pflicht. Einzig, weil es um Frankreich geht. «

Soviel Selbstlosigkeit überzeugt nicht alle Franzosen. Das Magazin «Le Nouvel observateur» kommentierte sarkastisch, Sarkozy sehe sich offenbar als Charles de Gaulle, der 1958 angetreten sei, um die Nation aus dem Algerienkrieg zu retten. Sarkozy prophezeite nämlich, die soziale Krise könnte bald einmal in «politische Wirren» ausarten. Er kritisiert offen die Wirtschaftspolitik und den Mali-Militäreinsatz seines sozialistischen Nachfolgers François Hollande. Zugleich verwahrte sich der im Mai 2012 abgewählte Gaullist gegen den Vorwurf, eine «Revanche» zu suchen.

Die regierenden Sozialisten erinnerten in ersten Stellungnahmen an die «desaströse Bilanz» der Amtszeit Sarkozys; wegen ihm sei Frankreich in der so diffizilen Lage. In der bürgerlichen «Union für eine Volksbewegung» (UMP) herrschte gestern auch keine Begeisterung über den Aufopferungswillen ihres Ex-Präsidenten. Der frühere Premier Alain Juppé meinte, die Frage der Präsidentschaftswahl 2017 stehe «derzeit nicht auf der Tagesordnung». Sein nachmaliger Amtskollege François Fillon wurde noch deutlicher und sagte, die UMP müsse sich zuerst einmal ein politisches Projekt geben, bevor sie ein «Casting» veranstalte.

Auslöser für Sarkozys Rückmeldung waren wohl Meinungsumfragen, laut denen Sarkozy von 54 Prozent der UMP-Wähler als bester Kandidaten für die Wahl 2017 gesehen wird. Bis dahin verbleiben aber noch vier Jahre. Sollte der Ex-Präsident wirklich vorhaben, sich der Nation als «homme de providence» («Mann der Vorsehung») anzubieten, ist er etwas früh gestartet. Aber Geduld war noch nie sein auffälligster Charakterzug gewesen.