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Sarkozys illegale Wahlkampfgelder: Gaddafis Vermächtnis

Frankreich-Korrespondent Stefan Brändle über die Kontakte des französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy zum damaligen libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi.
Stefan Brändle, Paris
Stefan Brändle

Stefan Brändle

Natürlich gilt die Unschuldsvermutung. Auch Nicolas Sarkozy hat Anspruch darauf, zumal er schon in anderen Affären Freisprüche erwirkt hat. Und trotzdem ist er schon jetzt überführt – im politischen Sinn. Ob Sarkozy vom libyschen Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi wirklich Geld angenommen hat oder nicht: Dank Aussagen «umgefallener» Mittelsmänner steht heute ausser Zweifel, dass der fran­zösische Ex-Präsident und seine rechte Hand, Claude Guéant, obskure Hinterzimmerkontakte zum international geächteten Regime in Tripolis pflegten. Deshalb konnte Gaddafi Frankreich in die Pflicht nehmen: Paris musste den Wüstenherrscher mit allem Pomp emp­fangen und ihm später Militärmaterial verkaufen.

Das alles steht heute fest. Dazu kommt eine bislang unbeweisbare Vermutung. Wenn Sarkozy 2011 so auffällig vorprellte und Gaddafi den Garaus machen wollte, wie er selber sagte: Wollte er damit womöglich lästige «Mitwisser» loswerden? Oder spielten gar Skrupel und schlechtes Gewissen mit? Beim rührigen Tausendsassa Sarkozy ist vieles denkbar.

Auf jeden Fall wäre es ohne sein Insistieren nicht zu dem gleichen, zumindest gleich entschlossenen Nato-Einsatz gegen Tripolis gekommen. In Libyen würde heute nicht die gleiche Anarchie herrschen, und der aktuelle Migrationsstrom durchliefe nicht einen unkontrollierten Wüstenstaat. Es ist keine pure Politfiktion, zu glauben, dass es ohne die Gaddafi-Sarkozy-Connection am Südrand Europas heute weniger «Lampedusa» und weniger Schlauchboottragödien gäbe: ganz einfach, weil der libysche Gewaltherrscher oder sein Clan noch herrschen würden.

Stefan Brändle, Paris

nachrichten@luzernerzeitung.ch

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