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SAUDI-ARABIEN: «Mann für alles» wird neuer Thronfolger

Mohammed bin Salman, der 31 Jahre alte Sohn des saudischen Königs, baut seine Macht weiter aus. Ob dies mit dem Segen Washingtons geschieht, ist unklar.
Mohammed bin Salman. (Archivbild: Hassan Ammar/AP)

Mohammed bin Salman. (Archivbild: Hassan Ammar/AP)

Diplomaten in Riad nennen Mohammed bin Salman «Mister Everything» – Mann für alles. Als Verteidigungsminister seines Landes ist der jüngste Sohn des saudischen Königs für den verheerenden Krieg im Jemen verantwortlich. Als Aufsichtsratsvorsitzender der nationalen Ölgesellschaft Aramco versucht der erst 31-Jährige zudem die Vormachtposition seines Landes auf dem internationalen Ölmarkt auszubauen sowie die «Vision 2030», ein hoch ambitioniertes Programm zur Diversifizierung der Wirtschaft, voranzutreiben.

Nur in der Thronfolge musste sich Mohammed bin Salman, kurz MBS genannt, mit einem Stellvertreterposten begnügen. Doch das ist seit Dienstagabend Geschichte. Per Dekret ernannte ihn sein gebrechlicher Vater zum ersten Kronprinzen und damit zum offiziellen Thronfolger. Der bisherige Kronprinz, Mohammed bin Najef, wurde ohne Begründung abgesetzt. Der Cousin von MBS verliert auch seinen Posten als Innenminister. Schon vor zwei Monaten hatte MBS die Leitung eines neu geschaffenen «Sicherheitszentrums» übernommen, das auch Geheimdienste und Polizei kontrollieren soll.

Dass MBS seinen 26 Jahre älteren Cousin einmal als Thronfolger verdrängen würde, ist keine Überraschung. Für Erstaunen im Nahen Osten sorgt nur der Zeitpunkt. Politische Beobachter fragen sich, ob Washington eingeweiht wurde und der Entmachtung von Mohammed bin Nayef zugestimmt hat. Schliesslich wurde der Prinz von der CIA und dem Pentagon mehr als zehn Jahre als verlässlicher und kompetenter Verbündeter im Kampf gegen den Dschihad-Terror geschätzt.

Dass Nayef nun quasi fallen gelassen wurde, könnte mit dessen von Palast-Insidern kol­portierten Krebserkrankung zusammenhängen. Auch seine angeblich guten Kontakte zur katarischen Herrscherfamilie Al Thani, der MBS wegen ihrer eigenständigen Aussenpolitik den Krieg erklärt hat, könnten ihm zum Verhängnis geworden sein. Glaubt man prosaudischen Denkfabriken in den USA, dann hat MBS von Donald Trump bereits eine Art Ritterschlag erhalten. Dreimal haben sich die beiden schwer berechenbaren Politiker bereits getroffen.

«Gefährliche Machtkonzentration»

Sieht man von Trumps Begeisterung für Saudi-Arabien als Businesspartner einmal ab, überwiegen freilich immer noch die mahnenden Stimmen. Schon vor einem Jahr hatte der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) in einer Analyse vor einer «gefährlichen Machtkonzentration auf den saudischen Königssohn» gewarnt. Diese berge «latent die Gefahr, dass er (MBS) beim Versuch, sich noch zu Lebzeiten seines Vaters in der Thronfolge zu etablieren, überreizt». Trotz Dementis der Bundesregierung hat der BND seine Mahnungen vor der «impulsiven Interventionspolitik» niemals zurückgenommen. Wie berechtigt sie waren und noch immer sind, zeigt nicht nur der Krieg im Jemen. Auch die aggressive Blockadepolitik gegenüber dem Emirat Katar ist ein Beispiel für die politische Unerfahrenheit von MBS, welche dieser durch Arroganz zu kompensieren versuche. Das behaupten seine vielen Kritiker. Es gibt aber auch Stimmen, die MBS eine «über­ragende Intelligenz» bescheinigen und seine Arbeitsausdauer rühmen. Nüchtern betrachtet, fällt die bisherige Bilanz des neuen Kronprinzen eher bescheiden aus: Der Krieg im Jemen droht ausser Kontrolle zu geraten.

In Syrien wurde der angestrebte Regimewechsel nicht erreicht. Stattdessen konnte der Rivale Iran seine Vormachtstellung in der Region weiter ausbauen und – nicht zuletzt dank MBS – nun auch in Katar Fuss fassen. Die Blockade des Emirates führte zur Spaltung des Golfkooperations­rates (GCC). Neben Oman und Kuwait sind auch Marokko und Algerien von Riad abgerückt. Die Türkei, im Syrienkrieg noch mit Saudi-Arabien verbündet, schickte sogar Truppen nach Katar.

Michael Wrase, Limassol

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